DFG-Heisenberg-Projekt

Ziel dieses Forschungsprojekts ist die Untersuchung von Formen des ,Vergessens‘ in der römischen Literatur. Diese umfassen sowohl Beschreibungen von Vorgängen des ,Vergessens‘ in literarischen Texten als auch Mechanismen, die die Texte selbst anwenden, um bestimmte Erinnerungsinhalte in Vergessenheit geraten zu lassen. Die zentrale Forschungsfrage lautet daher: Welche Rolle spielt das ,Vergessen‘ als Thema und als Strategie in der römischen Literatur?

Dabei wird ein weiter Begriff des ,Vergessens‘ angesetzt, der mehr umfasst als bloßes Nicht-Erinnern. Vergessen wird vielmehr als sowohl passiver als auch aktiver, gesteuerter Prozess oder Zustand verstanden, der die Nicht-Zugänglichkeit von Wissen sowohl im Kollektiv als auch beim Individuum umfasst. Vergessen und Erinnern sind dabei keine einander ausschließenden diametralen Antithesen, sondern polare Oppositionen. Sie spielen eng zusammen bei der Konstruktion des Gedächtnisses durch die Selektion und Manipulation von Wissen.

Das Projekt macht sich das Paradox zu eigen, dass Texte, die über das ,Vergessen‘ schreiben, an dieses erinnern. Während gänzlich erfolgreiche Prozesse des Vergessens nicht untersuchbar sind, hinterlassen viele Prozesse Spuren, u.a. in Texten, die sich zum Gegenstand einer Analyse machen lassen (z.B. durch Lücken oder Fehlinformationen).

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Verena Schulz
Prof. Dr. Verena Schulz
Professur für Klassische Philologie mit dem Schwerpunkt Latinistik
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