Tourismus kann weit mehr sein als eine wirtschaftliche Aktivität. In von bewaffneten Konflikten geprägten Regionen kann er dazu beitragen, neue Lebensgrundlagen zu schaffen, soziale Beziehungen wiederaufzubauen, kollektive Erinnerung zu bewahren und Räume der Begegnung zwischen Menschen mit sehr unterschiedlichen Erfahrungen von Krieg und Frieden zu eröffnen.
Die Veranstaltung „Building Peace through Tourism: Community Experiences from Post-Agreement Colombia“ bringt Akteur*innen nach Eichstätt, die unmittelbar an der Entwicklung gemeinschaftsbasierter Tourismusinitiativen im Kontext des kolumbianischen Friedensprozesses beteiligt sind. Im Mittelpunkt stehen die Erfahrungen ehemaliger Mitglieder der FARC-EP, die das Friedensabkommen von 2016 unterzeichnet haben und heute an Initiativen mitwirken, die wirtschaftliche Reintegration, territoriale Entwicklung, Erinnerung und Versöhnung miteinander verbinden.
Doris Suárez Guzmán, Unterzeichnerin des Friedensabkommens, ist Mitbegründerin und Leiterin der Casa de la Paz in Bogotá. Die Initiative hat einen Raum geschaffen, in dem wirtschaftliche Aktivitäten, Erinnerungsarbeit, Kultur sowie Begegnungen zwischen ehemaligen Kombattantinnen, Opfern des Konflikts und weiteren gesellschaftlichen Gruppen zusammenkommen. Darüber hinaus wirkt sie an der Initiative Huellas sowie an der Red Tupar mit, die gemeinschaftsbasierte Tourismusprojekte von Unterzeichnerinnen des Friedensabkommens miteinander vernetzt.
Esperanza Torres Alvarado (Ximena) ist ebenfalls Unterzeichnerin des Friedensabkommens, Community-Leaderin in Agua Bonita, Caquetá, und Vertreterin von Turipaz – Turismo Integral por la Paz. Turipaz entwickelt touristische Erfahrungen, die Natur, Gemeinschaftsleben, historische Erinnerung und die Veränderungen eines eng mit dem kolumbianischen Friedensprozess verbundenen Territoriums miteinander verbinden.
An der Diskussion nehmen außerdem Marie Witzel, Direktorin der V Social Foundation, und David Gómez, Forscher und Experte für Friedens- und Konfliktfragen bei der V Social Foundation, teil. Ihre Arbeit unterstützt gemeinschaftsbasierte Tourismusinitiativen und untersucht, wie Tourismus lokale Ökonomien stärken und zugleich langfristige Prozesse der Friedensförderung und Versöhnung unterstützen kann.
Die Veranstaltung versteht Tourismus dabei nicht lediglich als Entwicklungsstrategie. Vielmehr geht es um die Möglichkeiten und Herausforderungen, die entstehen, wenn Tourismus Teil einer umfassenderen Transformation von Konfliktregionen wird: Wie können ehemalige Kombattantinnen nachhaltige wirtschaftliche Perspektiven entwickeln? Wie kann Tourismus dazu beitragen, stigmatisierende Bilder von Regionen und ihren Bewohnerinnen zu verändern? Welche Rolle können Begegnungen zwischen Besucher*innen und lokalen Gemeinschaften für Erinnerungs- und Versöhnungsprozesse spielen? Und unter welchen Bedingungen kann Tourismus tatsächlich zu einer lokal verankerten Friedensentwicklung beitragen?
Die Veranstaltung bietet die Gelegenheit, diese Fragen ausgehend von den Erfahrungen von Akteur*innen zu diskutieren, die unmittelbar an der Umsetzung des Friedensabkommens und an der alltäglichen Gestaltung von Frieden in Kolumbien beteiligt sind.
Veranstaltungsinformationen
Datum: 15. Oktober 2026
Uhrzeit: 11:00–13:00 Uhr
Ort: Raum 017-105, Eichstätt
Sprache: Englisch
Moderation: Dr. Luis Peña, Wissenschaftlicher Koordinator, ZILAS
Die Veranstaltung wird vom ZILAS in Zusammenarbeit mit der V Social Foundation und dem kolumbianischen Tourism, Peace and Reconciliation Network (Red Tupar) organisiert.