Vom Regal bis auf den Teller: Einblicke in den Lebensmittelkonsum als Prozess

„Ein Tag im Leben der Endverbraucher“ – unter diesem Titel illustrierte einmal der Filmemacher Harun Farocki anhand Hunderter Werbespots den gesamten Alltag von Konsumenten – vom Aufstehen bis zum Abend. Speziell im Hinblick auf den Lebensmittelkonsum wollen auch Forschende der KU einen wissenschaftlich fundierten Gesamteindruck gewinnen – von der Planung des Einkaufs bis zum Verzehr und der Entsorgung. Für ihre Studie starten sie nun eine Umfrage in der Bevölkerung, die zwar auch die Auswirkungen von Corona auf das Einkaufsverhalten umfasst, jedoch darüber hinaus grundlegende Zusammenhänge aufdecken will.

„Bislang beschäftigt sich die Forschung mit isolierten Einzelaspekten des Lebensmittelkonsums – etwa welche Konsumgüter während der Pandemie vermehrt nachgefragt werden oder ob Kundinnen und Kunden prinzipiell mehr Geld für Bioprodukte ausgeben würden. Unklar bleibt aber dabei, wie sich der alltägliche Konsum in der Gesamtschau tatsächlich gestaltet“, erklärt Prof. Dr. Alexander Danzer, der als Inhaber des Lehrstuhls für Volkswirtschaftslehre/Mikroökonomik gemeinsam mit seiner wissenschaftlichen Mitarbeiterin Helen Zeidler die Studie durchführt. Wissenschaftliches Neuland ist es deshalb, in einer Erhebung die gesamte Konsumkette von der Planung über Einkauf und Lagerung bis hin zu Zubereitung und Verzehr in den Blick zu nehmen. Dafür werden z.B. Informationen zum Einkauf von Produktgruppen, Einkommensdaten, Informationen zur Haushaltszusammensetzung und Einstellungsmerkmale benötigt, die Danzer und Zeidler mit ihrer Studie zusammentragen wollen.

„Ökonomen gehen davon aus, dass Menschen immer rational handeln. Aber der Alltag zeigt, dass dies nicht so ist. Es gibt Inkonsistenzen und offene Fragen, die wissenschaftlich und gesellschaftlich sehr spannend sind“, so Danzer. So sei bislang zum Beispiel unklar, wie verschiedene Konsumaspekte miteinander zusammenhängen bzw. welche Konsumtypen sich unterscheiden lassen: Sind etwa Personen, die Bio-Produkte kaufen, auch gesundheitsbewusster und planen gleichzeitig ihren Einkauf vorausschauender? Ist das Ernährungsverhalten gesünder geworden, da die Menschen seit Beginn der Pandemie wieder mehr zu Hause kochen?

„Wenig bekannt ist auch, welche Rolle die Zusammensetzung der Familie und Einstellungen zu nachhaltiger und gesundheitsbewusster Ernährung spielen“, ergänzt Helen Zeidler. Laut Robert Koch-Institut würden zwar über 20 Prozent der Kinder in Deutschland täglich generell Biolebensmittel verzehren – doch dies nicht ausschließlich: Der Anteil am gesamten Verzehr betrage weniger als zehn Prozent. Danzer und Zeidler erhoffen sich von ihrer Studie, diese und weitere komplexe Zusammenhänge zu entflechten, um einen fundierten Einblick in das tatsächliche Konsumverhalten zu erhalten – auch im Hinblick auf konkrete Implikationen zu Ernährungs- und Einkaufsverhalten sowie Lebensmittelhandel und –industrie.

Die Befragung ist anonym gestaltet und findet sich unter https://www.ku.de/wfi/mikro/forschungsprojekt-lebensmittelkonsum. Unter den Teilnehmenden, die sich für Folgestudien registrieren, werden 15 Einkaufsgutscheine im Wert von 50 Euro verlost.