DFG fördert Forschungsnetzwerk zu KI in der Wissensarbeit

KI in der Wissensarbeit
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Künstliche Intelligenz verändert die Wissensarbeit tiefgreifend: Sie unterstützt nicht mehr nur bei der Auswertung von Daten, der Recherche von Fachliteratur, der Aufbereitung komplexer Informationen oder beim Verfassen von Texten, sondern übernimmt zunehmend Aufgaben, die bislang als genuin menschlich galten. Damit wächst der Bedarf an wissenschaftlich fundiertem Wissen darüber, wie sich die Zusammenarbeit von Menschen und KI produktiv, fair und verantwortungsvoll gestalten lässt.

Wie lässt sich die Zusammenarbeit von Menschen und KI in der Wissensarbeit produktiv, fair und verantwortungsvoll organisieren? Mit dieser Frage befasst sich künftig ein internationales wissenschaftliches Netzwerk, das von zwei Wirtschaftswissenschaftlerinnen koordiniert wird: Dr. Marah Blaurock vom Lehrstuhl für ABWL und Dienstleistungsmanagement der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt und Dr. Ellen Weber, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Unternehmensführung an der Universität Hohenheim. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert das Netzwerk „AI in Knowledge Work: an Interdisciplinary Network of Early Career Researchers on Uncovering the Implications of AI in Knowledge Work“ in ihrer Förderlinie „Wissenschaftliche Netzwerke“ mit rund 54.000 Euro.

Im Mittelpunkt steht die sogenannte Wissensarbeit – also Tätigkeiten, bei denen Menschen analysieren, planen, entscheiden, kommunizieren oder Inhalte entwickeln. Gerade in diesen Bereichen greifen Beschäftigte immer häufiger auf KI-Systeme zurück. Das eröffnet neue Möglichkeiten, wirft aber zugleich grundlegende Fragen auf: Wie verändert KI berufliche Rollen, Verantwortung und Zusammenarbeit? Wann unterstützt sie Kreativität und Effizienz – und wann entstehen neue Abhängigkeiten, Unsicherheiten oder Fehlentscheidungen? Und welche ethischen und rechtlichen Leitplanken braucht ihr Einsatz?

Marah Blaurock
Marah Blaurock

Hier setzt das Netzwerk an: 15 Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler aus Deutschland, Österreich, Finnland, den Niederlanden und der Schweiz bringen dafür Perspektiven aus Informatik, Wirtschaftsinformatik, Operations Management, Psychologie, Management, Organisationsforschung, Volkswirtschaftslehre, Rechtswissenschaft und Ethik zusammen. Ziel ist es, das Thema in seiner ganzen Breite zu erfassen. Grundlage ist eine sozio-technische Perspektive. Sie betrachtet KI nicht isoliert als Technologie, sondern im Zusammenspiel mit Menschen, Teams, Organisationen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Entsprechend verbindet das Netzwerk drei Blickwinkel: die technische Gestaltung und Einführung von KI-Systemen, die sozialen Dynamiken der Zusammenarbeit in Organisationen sowie ethische, rechtliche und ökonomische Folgen.

Ellen Weber
Dr. Ellen Weber

„Wenn KI in der Wissensarbeit zu einer Art Partnerin wird, verändert das nicht nur einzelne Werkzeuge, sondern Arbeitsprozesse, Entscheidungsstrukturen und Verantwortlichkeiten“, sagt Dr. Marah Blaurock. „Um diese Entwicklung fundiert zu verstehen, müssen wir technische, organisationale und gesellschaftliche Fragen gemeinsam betrachten.“Welche Folgen das für Organisationen hat, ist aus Sicht der Forschenden eine zentrale Frage des Netzwerks. „Mit dem Einsatz von KI verändern sich nicht nur einzelne Aufgaben, sondern auch Anforderungen an Führung, Zusammenarbeit und Kompetenzentwicklung in Organisationen“, sagt Dr. Ellen Weber. „Wenn wir verstehen wollen, wie Mensch und KI in der Wissensarbeit gut zusammenwirken können, müssen wir auch betrachten, wie sich Arbeitsstrukturen und organisationale Rahmenbedingungen dadurch wandeln.“

Über einen Zeitraum von zweieinhalb Jahren sind mehrere Workshops in Ingolstadt und Stuttgart, digitale Arbeitstreffen, gemeinsame wissenschaftliche Publikationen sowie Vorträge und Austauschformate mit Gästen aus Wissenschaft, Praxis und Politik geplant. Die Forschenden wollen dabei ihre theoretischen und methodischen Ansätze systematisch zusammenführen, gemeinsame Begriffe und Fragestellungen entwickeln und daraus auch neue Forschungsanträge für weiterführende empirische Projekte ableiten.

Das Netzwerk soll damit nicht nur die interdisziplinäre Forschung zur Mensch-KI-Zusammenarbeit stärken, sondern auch Orientierung für Organisationen und politische Entscheidungsträger bieten. Gerade weil KI bereits heute in vielen Berufsfeldern Einzug hält, wächst der Bedarf an wissenschaftlich fundiertem Wissen darüber, wie sich diese Transformation verantwortungsvoll gestalten lässt.

 

Text: Christian Klenk