Die katholischen Ostkirchen stehen in Gemeinschaft mit Rom und feiern ihre Gottesdienste nach eigenen östlichen Riten. Über die Jahrhunderte haben sie auch Bräuche der lateinischen Kirche übernommen, angepasst und zum Teil später wieder aufgegeben. Das Zweite Vatikanische Konzil rief sie ausdrücklich dazu auf, ihre liturgischen Traditionen zu bewahren und, wo nötig, wiederherzustellen. Doch was gehört zur eigenen Tradition?
Dieser Frage geht die Tagung The Liturgical Tradition of the Eastern Catholics: A Concealed Talent? nach, die der Lehrstuhl gemeinsam mit der Ukrainischen Katholischen Universität in Lwiw/Lemberg (Ukraine) und dem Collegium Orientale veranstaltet. Finanziell gefördert wird sie vom Bistum Eichstätt, dessen neuer Bischof, Christian Würtz, auch als Gast der Tagung erwartet wird.
Zum Auftakt nimmt der Eichstätter Ostkirchenkundler Thomas Kremer den Begriff Latinisierung unter die Lupe. Ob die Übernahme lateinischer Bräuche vermeidbar gewesen wäre, untersucht Przemysław Nowakowski aus Krakau am Beispiel der ruthenischen Kirche. Thomas Mark Németh aus Wien nimmt die umgekehrte Bewegung in den Blick: die Rücknahme solcher Bräuche und die damit verbundenen kirchenrechtlichen Fragen. Vincent van Vossel aus Bagdad und Antoine Fleyfel aus Paris bringen die Erfahrungen der chaldäischen und der maronitischen Kirche ein.
Der Austausch zwischen den Kirchen verlief dabei in verschiedene Richtungen. Elias Haslwanter aus Washington beschäftigt sich mit lateinischen Elementen im heutigen orthodoxen Gottesdienst. Vasyl Rudeiko aus Lwiw fragt, welche Teile der gemeinsamen Überlieferung griechisch-katholische Kirchen bewahrt haben und was sie damit zum ökumenischen Gespräch beitragen können. Ein konkretes Beispiel für die Weitergabe liturgischer Texte untersucht Charbel Nassif aus Beirut: Er zeigt, wie melkitische Gottesdienstbücher in der antiochenisch-orthodoxen Kirche aufgenommen wurden.
Was bedeutet die Rückkehr zu den Quellen für das kirchliche Leben heute? Wo eröffnet sie neue Möglichkeiten, wo erschwert sie Entwicklungen? Darüber diskutieren Mark Morozowich aus Washington und Eduard Berdnyk aus Lwiw. Wie sich Fragen nach Tradition und Erneuerung in der Praxis stellen, zeigen die Beiträge zur Ikonenmalerei und zur ostkirchlichen Eheliturgie von Lidiya Lozova und Rostyslav Myrosh, beide ebenfalls aus Lwiw.
Am Donnerstagabend steht das musikalische Erbe der griechisch-katholischen Gemeinde von Cargèse auf Korsika im Mittelpunkt. Ein Konzertvortrag stellt ein Eichstätter Forschungsprojekt dazu vor. Dazu singt der Chor des Collegium Orientale.
Text: Philipp Endres