Der Lehrstuhl Tourismus hat die Diskussion zur Circular Economy in einem ITB-Deep Dive aktiv mitgestaltet. Moderiert wurde die Session von Hannes Thees, mit Gästen von ecoLocked, Seminaris Hotels, European Tourism Futures Institute (ETFI) / NHL Stenden University, Gut Boltenhof und Circular Berlin.
Die Nachhaltigkeitstransformation muss sichtbarer werden und Zirkularität kann dabei mit greifbaren Materialien, Einsparungen und effektiven Kreisläufen helfen. Im Nachhaltigkeitsdiskurs gibt es viele Leitlinien und „Dos and Don’ts“, die oft abstrakt bleiben. Wirkung entsteht erst, wenn Nachhaltigkeit in Alltagsroutinen, Lieferketten und Gästeerlebnissen konkret erkennbar wird. Circular Economy kann hier als praktischer Hebel wirken, setzt allerdings ein Umdenken bei Ressourcennutzung und eine Neugestaltung von Wertschöpfungsketten voraus.
In der Podiumsdiskussion wurde klar, dass Zirkularität keinen schnellen Erfolg garantiert. Gerade im Tourismus ist sie besonders anspruchsvoll, wegen komplexer Lieferketten, vieler Materialströme und langlebiger Assets wie Gebäude und Infrastruktur. Vollständige Zirkularität wird nicht überall realistisch sein. Entscheidend ist daher weniger die Frage nach „perfekter“ Zirkularität, sondern: Wie wird Circular Economy zu einem praktikablen Werkzeug, mit dem Tourismusunternehmen konkrete Schritte zu mehr ökologischer Nachhaltigkeit machen? Früh zu experimentieren und von bestehenden Beispielen zu lernen, wurde dabei als wichtiger Erfolgsfaktor hervorgehoben.
Ebenso zentral ist die Einbindung der Gäste. Transparente Kommunikation darüber, welche Ressourcen eingesetzt werden und wie zirkuläre Lösungen funktionieren, erhöht Verständnis und Akzeptanz, bis hin zu konkreten Maßnahmen wie einem angepasst gestalteten Buffet zur Abfallvermeidung.
Die Session war Teil des ITB Kongresses, der vom Board of Experts organisiert wird, dem auch Harald Pechlaner (Lehrstuhlinhaber, Founding Chair STS) angehört. Neben Circular Economy gab es auf der ITB viele weitere zukunftsgerichtete Debatten, u. a. zu regenerativen Praktiken im Tourismus, KI und Nachhaltigkeit sowie Crisis Responses und geopolitischen Risiken.