Karfreitag im Spannungsfeld von Theologie, Liturgie und Praxis
Gemäß dem biblischen Zeugnis ist der Gekreuzigte der Auferstandene. Diesen Zusammenhang feiert und bedenkt die Kirche in der sogenannten Heiligen Woche. Bevor jedoch das Fest der Auferstehung Jesu Christi begangen wird, konfrontiert der Karfreitag mit Leid, Sterben und Schuld, mit Endlichkeit und Verwundbarkeit – und zugleich mit der Hoffnung auf Heil.
Der Sammelband nimmt den Karfreitag im Kontext des triduum paschale in den Blick und fragt, wie das Kreuzesgeschehen heute theologisch, liturgisch und praktisch verantwortet zur Sprache gebracht werden kann. Hierfür verbindet er exegetische, historische, systematisch-theologische, liturgiewissenschaftliche und pastoralpraktische Perspektiven. Durch die interdisziplinäre Anlage entsteht ein differenziertes Bild, das klassische Positionen mit neuen Ansätzen und gesellschaftlichen Kontexten ins Gespräch bringt. Mit den verschiedenen Deutungen des Kreuzes durch die Jahrhunderte wird sich dabei ebenso auseinandergesetzt wie mit den Herausforderungen, die sich in säkularen Gesellschaften ergeben, in denen der Karfreitag zugleich staatlicher Feiertag ist. Theologischer Ausgangspunkt ist die Krise der klassischen Soteriologie seit der Aufklärung: Begriffe wie Erlösung, Sühne, Stellvertretung und Heil verlieren an Plausibilität, während das Kreuz als zentrales Symbol des Christentums unter Rechtfertigungsdruck gerät. Die Beiträge zeigen, wie sich unter diesen Bedingungen die Heilsbedeutung des Kreuzes sprachlich vermitteln und praktisch erschließen lässt. Durch die fächerübergreifende Bündelung verschiedener Zugänge auf den Karfreitag und das Kreuzesgeschehen schließt der Band eine Lücke im deutschsprachigen Raum: Erstmals werden die kirchliche und liturgische sowie die gesellschaftliche und praktische Tragweite dieses Feiertags in ihrem Zusammenhang erschlossen.
Die Texte eignen sich nicht nur für den theologischen Fachdiskurs, sondern auch für den Einsatz in der pastoralen Ausbildung, der universitären Lehre sowie in der kirchlichen und kulturellen Bildungsarbeit. Damit spricht der Sammelband sowohl ein Fachpublikum als auch interessierte Leserinnen und Leser an.