Politikwissenschaft trifft Cyberabwehr: Workshop zu Desinformation und digitaler Sicherheit

Big  metaverse heist
© Rüther

Wie gehen die nächsten Wahlen aus? Die Politikwissenschaft kann nicht in die Zukunft blicken oder in die sprichwörtliche Glaskugel schauen. Parteien- und Wahlforschung gehören jedoch zu ihrem Kerngeschäft, sodass sich valide Aussagen über Einflussfaktoren und Trends treffen lassen. Doch was hat die Politikwissenschaft – ganz ohne technisches Fachwissen – zu Angriffen auf die digitale Infrastruktur zu sagen?

Simon Irlbacher, politischer Referent bei der Cyberagentur in Halle und Vorsitzender des Alumnivereins Eichstätt-Rennes, ist hierfür ein gutes Beispiel. Er erklärte bei einem Workshop im April in Eichstätt unter der Leitung von Dr. Christina Rüther nicht nur die Grundlagen des Berufsfelds Zukunftsforschung und Innovationsmanagement in der Cyberagentur, sondern forderte die Studierenden des deutsch-französischen Studiengangs auch dazu auf, selbst einen Coup zu planen, um Staat beziehungsweise Militär mithilfe von Desinformation zu schwächen. Trend-, Szenario- und Foresight-Analysen gehören zu seinem täglichen Geschäft, mit dem Ziel, strukturiert Zukunftswissen zu erarbeiten. Seine Kompetenzen als international ausgerichteter Politikwissenschaftler sind dabei besonders gefragt.

Im Workshop arbeiteten die einzelnen Gruppen entlang von vier Leitfragen:

  1. Welches Ziel könnten Hacker verfolgen? Beispielsweise die Entscheidungsfindung und Koordination im politischen Prozess zu stören.
  2. Wo sind Staat oder Militär verwundbar? Denkbar wären etwa Zeitdruck oder ein starkes Vertrauen in Hierarchien.
  3. Welche Hebel könnten Hacker nutzen? Zum Beispiel die Verzerrung der Realität oder das Auslösen sozialer Dynamiken.
  4. Schließlich sollten auch mögliche Träger identifiziert werden, um den Coup umzusetzen – etwa Avatare oder die Präsenz in informellen (nicht primär politischen oder militärischen) Räumen.

Jede Gruppe entwickelte ihren Coup anhand dieser Leitfragen sowie mithilfe vorgegebener Karten. Nach der Präsentation der Ergebnisse wurden die Perspektiven gewechselt: Die erarbeiteten Szenarien mussten abgewehrt und die Hackergruppen wie „Meta CIFA“, die „Destabilisierer“ oder die „Ökoterroristen“ neutralisiert werden. Simon Irlbacher rundete den Workshop mit Hinweisen auf mögliche Berufsfelder für DFS-Studierende im Bereich der Sicherheits- und Verteidigungspolitik ab und verwies dabei auf zahlreiche erfolgreiche Absolventinnen und Absolventen.