Dr. habil. Steffen Wippel

Steffen Wippel
Dr. habil. Steffen Wippel
Gastwissenschaftler

Zur Person

Dr. habil. Steffen Wippel forscht seit Oktober 2025 in der Arbeitsgruppe Humangeographie zu Qualifizierungsprozessen im Weinbau arabischer Länder. Er studierte Volkswirtschaftslehre und Islamwissenschaft an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i.Br. und der Université Aix-Marseille II den und promovierte an der Freien Universität Berlin zum Dr. rer. pol. Steffen Wippel lehrte und habilitierte an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, vertrat die Professur für Wirtschaft und Sozialgeographie der arabischen Länder am Orientalischen Institut der Universität Leipzig und war Gastprofessor in Contemporary Middle East Studies an der Syddansk Universitet in Odense. Seine berufliche Laufbahn führte ihn des Weiteren an einschlägige regionalwissenschaftliche Forschungszentren wie das Zentrum Moderner Orient (ZMO) in Berlin, das Centrum für Nah- und Mitteloststudien (CNMS) der Philipps-Universität Marburg, das Merian Centre for Advanced Studies in the Maghreb (MECAM) in Tunis und das Leibniz-Institut für Globale und Regionale Studien (GIGA) | GIGA Institut für Nahost-Studien (IMES) in Hamburg. 

Dr. Wippels Forschungstätigkeit konzentriert sich seit Ende seines Studiums auf die Region Naher Osten und Nordafrika (MENA) mit den Länderschwerpunkten Ägypten, Marokko und Oman. Seine zentralen Forschungsinteressen entwickelten sich von islamischen Wirtschafts- und Wohlfahrtseinrichtungen über wirtschaftliche und kulturelle Regionalisierungsprozesse zu Fragen aktueller neoliberaler und postmoderner Stadtentwicklung in der Golfregion und im Maghreb. Dabei vertritt er transdisziplinäre und transregionale Forschungsperspektiven und eine sozialkonstruktivistische Herangehensweise. Über die diversen Forschungsthemen hinweg zog zudem sich ein kontinuierliches Interesse an Markenbildungsstrategien („Branding“) für Städte, Nationen, Unternehmen und Produkte, das sich zuletzt in einem 2023 veröffentlichten Sammelband zur MENA-Region niederschlug. Jüngst wandte sich Herr Wippel Nahrungsmittelgeographien von Schokolade und Wein in der Region zu. 

Werdegang

  • Seit 10/2025: Arbeitsgruppe Humangeographie, Mathematisch-Geographische Fakultät, Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU), Projekt „Qualifizierungsprozesse in der Weinwirtschaft im Nahen Osten und Nordafrika“
  • Seit 12/2024    Associate, German Institute for Global and Area Studies (GIGA) | GIGA Institute for Middle East Studies (IMES), Hamburg
  • Seit 12/2024, 5/2020–2/2022    Assoziierter Wissenschaftler, Centrum für Nah- und Mittelost-Studien (CNMS), Philipps-Universität Marburg
  • 8/2023–11/2024    Wissenschaftlicher Angestellter (ztw. in Elternschaftsvertretung), GIGA | IMES, Hamburg: Publikationsmanager für das Merian Centre for Advanced Studies in the Maghreb (MECAM), Tunis (Drittmittelfinanzierung durch das BMBF)
  • 3/2022–2/2023    Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Philipps-Universität Marburg: Koordinator der Interdisciplinary Fellow Group IV „Resources and Sustainability“ am MECAM, Tunis (BMBF)
  • 9/2015–1/2019    Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Forschungsnetzwerk „Re-Konfigurationen. Geschichte, Erinnerung und Transformationsprozesse im Mittleren Osten und Nordafrika“ am CNMS, Philipps-Universität Marburg: Projekt „Tanger als Knotenpunkt in transregionalen Verflechtungen: Wirtschaftliche und urbane Transformationsprozesse in verschränkten räumlichen Perspektiven“ (BMBF)
  • 8/2014–7/2015    Full Professor in Contemporary Middle East Studies am Centre for Contemporary Middle East Studies, Department of History der University of Southern Denmark in Odense (Gastprofessur)
  • Seit 1/2014    Mitglied des Zentrums für Mittelmeerstudien, Ruhr-Universität Bochum
  • 10/2011–12/2013    Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum Moderner Orient (ZMO), Geistes-wissenschaftliche Zentren Berlin e.V.: Fortsetzung des Projekts „Tanger - Salalah: Zwei ‚regional cities‘ im Aufbruch“ (BMBF)
  • 2011–2016     Assoziierter Forscher am Laboratoire ESO-Rennes, Université Rennes 2: Forschungsprogramm „Géographies de la mondialisation: Emergence d’un système régional au Moyen-Orient“ (SYSREMO) (Agence Nationale de la Recherche/ANR)
  • 10/2010–9/2011    Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachgebiet Wirtschaft und Sozialgeographie der arabischen Länder, Orientalisches Institut der Universität Leipzig: Fortsetzung des Projekts „Zwischen arabischer Welt und Indischem Ozean: Die regionalwirtschaftlichen Orientierungen Omans“ (DFG)
  • SoSe 2010    Vertretung der Professur für Arabistik: Wirtschaft und Sozialgeographie der arabischen Länder am Orientalischen Institut der Universität Leipzig
  • 2/2010    Habilitation (Dr. habil.) und Ernennung zum Privatdozenten für Wirtschafts-wissenschaften an der Philosophischen Fakultät und Fachbereich Theologie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
  • 8/2008–3/2010    Wissenschaftlicher Mitarbeiter am ZMO, Berlin (halbe Stelle): Projekt „Tanger - Salalah: Zwei 'regional cities' im Aufbruch“
  • 4/2008–3/2010    Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachgebiet Wirtschaft und Sozialgeographie der arabischen Länder, Universität Leipzig (halbe Stelle): Projekt „Zwischen arabischer Welt und Indischem Ozean: Die regionalwirtschaftlichen Orientierungen Omans“
  • SoSe 2006–WiSe 2009/10    Lehrbeauftragter an der Abt. Gegenwartsbezogene Orientforschung am Institut für Wirtschaftswissenschaft, Philosophische Fakultät I der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
  • 10/2005–8/2008    Habilitand an der Philosophischen Fakultät und Fachbereich Theologie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg: Thema der Habilitation „Territorialisierungen und Regionalisierungen im nordwestlichen Afrika – Wirtschaft, Politik und Raum in den marokkanisch-mauretanischen Beziehungen“
  • 2005    Werkaufträge der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), Berlin und der Euro-Mediterranean Study Commission (EuroMeSCo), Lissabon
  • 7/2003–3/2008    Fellow des ZMO, Berlin
  • SoSe 2000, WiSe 2000/01    Lehrbeauftragter am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Freien Uni¬versität Berlin
  • 1/1998–6/2003     Wissenschaftlicher Mitarbeiter am ZMO, Berlin (2000–2003: Leiter der Projektgruppe „Transsaharische Beziehungen zwischen Marokko und dem subsaharischen Afrika: Neugestaltung und Wiederbelebung transregionaler Verbindungen“): 2000–2003 Projekt „Marokkos Außenbeziehungen mit dem subsaharischen Afrika am Ende des 20. Jahrhunderts: Materielle und kognitive Aspekte regionaler Verdichtung“ (DFG); 1998–2000 Projekt „Wahrnehmungen ‚Europas‘ durch arabische Muslime – Fallstudie: Reaktionen von Vertretern marokkanischer Parteien auf die Zusammenarbeit mit der EG/EU und auf die Integration Europas seit den 70er Jahren bis Mitte der 90er Jahre“ (DFG)
  • Herbsttrimester 1996    Lehrbeauftragter im Modellstudiengang „externe Öffnung“ im Fach Verwaltungsbetriebswirtschaft an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung (FHöV) Brandenburg in Bernau
  • 4/1996–10/1997    Dozent im Studiengang Wirtschaftswissenschaften, Sonderprogramm Weiterqualifizierung brandenburgischer Lehrerinnen und Lehrer e.V. (wbl) in Kooperation mit der Universität Potsdam in Cottbus, Brandenburg/H., Frankfurt (O.) und Neuruppin
  • 1/1996    Promotion (Dr. rer. pol.) in Wirtschaftswissenschaft an der Freien Universität Berlin: Thema der Dissertation „Islamische Wirtschafts- und Wohlfahrtseinrichtungen in Ägypten“
  • 10/1989–9/1994    Akademischer Mitarbeiter am Fachgebiet Volkswirtschaft des Vorderen Orients, Institut für Weltwirtschaft, Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Freien Universität Berlin
  • 5/1988    Abschluss als Diplom-Volkswirt: Thema der Diplomarbeit „Islamisch geprägte Wirtschaftsordnungen: Theorie und Realität“
  • WiSe 1985/86–SoSe 1988    Fortsetzung des Studiums an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i.Br.
  • Studienjahr 1984/85    Licence-Studiengang Wirtschaftswissenschaften (mit Schwerpunkt Entwicklungsökonomie) an der Université Aix-Marseille II
  • 7/1984    Zwischenprüfung in Islamwissenschaft
  • SoSe 1982–SoSe 1984     Ergänzendes Magisterstudium Islamwissenschaft (als Doppelstudium) an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i.Br.
  • WiSe 1981/82–SoSe 1984     Diplomstudium Volkswirtschaft
  • 6/1981    Ablegung der Reifeprüfung am Humboldtgymnasium in Karlsruhe
     

Auszeichnungen & Stipendien

  • 10/2024–11/2024 GIGA Anniversary Fellowship, German Institute for Global and Area Studies (GIGA) | GIGA Institute for Middle East Studies (IMES), Hamburg
  • 2010 Habilitationspreis des Universitätsbundes Erlangen-Nürnberg e. V.
  • 1984/85 Stipendium der französischen Regierung und des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) für ein Auslandsstudienjahr in Frankreich

Forschung

Aktuelles Forschungsprojekt

„Qualifizierungsprozesse in der Weinwirtschaft im Nahen Osten und Nordafrika“

Das Forschungsvorhaben untersucht den zeitgenössischen Weinbau im Nahen Osten und Nordafrika (MENA) aus sozial- und kulturwissenschaftlicher Perspektive anhand der Länderbeispiele Marokko, Tunesien und Libanon. In allen drei Ländern existiert eine weit zurückreichende Weinbautradition. Jüngere Qualitätsoffensiven und Ansätze zu Innovationen in der Weinindustrie lassen sich seit etwa den 1990er/2000er Jahren beobachten. Die Weinwirtschaft in der Region sieht sich jedoch gegenwärtig mehrfachen Herausforderungen gegenüber: Qualitätsmängel der Massenproduktion, Folgen des Klimawandels und ein Alkohol gegenüber restriktiveres religiös-politisches Umfeld erschweren es den Produzenten, erfolgreich am Markt zu operieren. Das zentrale Erkenntnisinteresse des Projekts gilt daher den staatlichen und privatwirtschaftlichen Bemühungen, den produzierten Wein zu „qualifizieren“, d.h. über die Assoziation positiver Eigenschaften in Wert zu setzen und in verschiedenen Abnehmerkreisen und der breiteren Öffentlichkeit bekannt und attraktiv zu machen.

Das Forschungsvorhaben kombiniert dafür sich überschneidende konzeptionelle Überlegungen zu Ökonomien der Singularitäten (Lucien Karpik) und der Qualitäten (Michel Callon u.a.) mit solchen zur Markenbildung und zum Branding von Produkten, Personen und Orten. Mit Blick auf die spätmoderne Wirtschaft und Gesellschaft ist in den letzten Jahrzehnten vermehrt das „Singuläre“, das „Einzigartige“ in das Zentrum wissenschaftlicher Betrachtungen gerückt (Andreas Reckwitz). Dabei steht die Frage nach der Rolle und Herstellung von Qualität auf verschiedenen Stufen der Wertschöpfungskette im Mittelpunkt solcher Arbeiten, die auch die Weinindustrie als besonders aussagekräftiges Beispiel in den Blick nehmen. Das Branding, das sein Objekt zu einer positiv konnotierten, mit bestimmten Qualitäten assoziierten „Marke“ werden lässt, arbeitet mit ähnlichen Überlegungen und spielt nicht nur auf der Endstufe der Verarbeitung eine herausragende Rolle. 

Um die Qualifizierung von Weinen in der MENA-Region zu untersuchen, werden nicht nur technische und organisatorische Neuerungen berücksichtigt, die die physisch-materiellen Eigenschaften des Endprodukts verbessern. Insbesondere stehen Maßnahmen und Prozesse im Mittelpunkt, die den wenig bekannten und minder beleumundeten Weine extrinsisch Qualität zuschreiben und wohlwollende Aufmerksamkeit unter den Adressaten generieren. Zu den vermittelnden Instanzen der Weinqualifizierung und Maßnahmen des Weinbranding zählen bspw. die Gestaltung von Flaschen und Etiketten, die Organisation von Events, mediale Präsenz, die Teilnahme an Wettbewerben, Weinbewertungen zur Objektivierung von Qualität, die Förderung des Weintourismus und die Positionierung in einem ästhetischen Markt mithilfe von Kunst und Architektur. 

Neben den positiven Assoziationen, die konstruiert werden, werden auch verbreitete Dissoziationen (O. Ibert u.a.) einbezogen, die die Reputation und das Qualitätsempfinden beeinträchtigende Aspekte ausklammern und vertuschen. Um der Untersuchungsregion gerecht zu werden, berücksichtigt das Projekt spezifische politische und soziokulturelle Rahmenbedingungen für Weinbau, -werbung und -konsum, die in anderen Studien zur Qualifizierung geringe Bedeutung einnehmen und die Anwendung bestimmter Qualifizierungsstrategien beeinflussen. Die Verschleierung und Unsichtbarmachung von Produktionszusammenhängen und der örtlichen Präsenz von Alkoholproduktion und -genuss sind daher von besonderem Interesse.

Entsprechend der institutionellen Anbindung und des disziplinären Forschungskontexts nimmt die grundsätzlich fachübergreifende Herangehensweise insbesondere die diversen inhärenten und konstruierten räumlichen Zusammenhänge der Qualifizierungsprozesse in den Blick. Der vergleichende Ansatz zeigt deutliche Unterschiede in den Ausgangsbedingungen und Entwicklungen zwischen den Ländern der Region auf. Daneben ist vor allem die Aufnahme raumzeitlicher Bezüge im Qualifizierungsprozess zentral, die ggf. von der lokalen bis zur supranationalen Ebene reichen.

Das Projekt knüpft damit an Forschung an der Arbeitsgruppe Humangeographie an der KU Eichstätt-Ingolstadt an, in deren Rahmen die Ansätze zur Qualifizierung weiter ausgearbeitet und auf den Anbau und Vertrieb sowohl von Premium- als auch von „bulk wines“ (Container-Weinen) angewendet wurden. Das Forschungsvorhaben schließt daher nicht nur eine Lücke in der nahostbezogenen Weinforschung über die dominierenden historischen Studien und Arbeiten zum Themenfeld „Islam und Alkohol“ hinaus, sondern auch in der empirischen Anwendung der konzeptionellen Überlegungen, die sich bisher auf bestimmte alt- und neuweltliche Weinbauregionen, meist Länder mit eher liberal geprägten politischen und wirtschaftlichen Systemen, konzentriert.

Thematische Forschungsschwerpunkte

  • Regionalisierungsforschung: institutionelle, wirtschaftliche und mentale Regionalisierungsprozesse, inkl. transregionale Verflechtungen, Area Studies-Problematik
  • Stadtforschung: Globalisierung, Neoliberalisierung und Postmodernisierung, insb. von Hafenstädten und secondary cities
  • Branding: Markenbildungsprozesse für Nationen und Städte, Produkte und Unternehmen
  • Weinforschung: Qualifizierungsprozesse, Vermarktung, Branding, Dissoziationen, politische und soziokulturelle Beschränkungen 

 

Regionale Forschungsschwerpunkte

  • Nordafrika/Maghreb, insb. Marokko
  • Golfregion, insb. Oman
  • Transregionale Räume, insb. Mittelmeer, Sahara, Indischer Ozean 

Publikationen