Digitale Entdeckungsreise durch Eichstätt: Bickhoff-Preis für innovatives Lehrprojekt
Steine erzählen Geschichten – man muss sie nur richtig „befragen“. Mit dem Lehrprojekt „Eichstätt Explorer“ will der Kunsthistoriker Dr. Christian Sauer gemeinsam mit seinen Studierenden im Wintersemester genau diese Fragen stellen, die historische Altstadt Eichstätts in ein großes, interaktives Forschungslabor verwandeln und im Ergebnis die Antworten der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen. Möglich wird das Lehrprojekt an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU) durch die finanzielle Unterstützung der Maximilian-Bickhoff-Universitätsstiftung.
Das Projekt „Eichstätt Explorer: Vom kunsthistorischen Forschungslabor in der Stadt zur digitalen App“ wurde von der Maximilian-Bickhoff-Universitätsstiftung im Rahmen der neu geschaffenen Förderlinie „Innovative Lehre“ mit dem Bickhoff-Preis 2026, der mit 3.000 Euro dotiert ist, ausgezeichnet. Die Stiftung würdigt damit die gelungene Verknüpfung von forschungsorientierter Lehre mit gesellschaftlicher Relevanz. Der Vorstandsvorsitzende der Bickhoff-Stiftung Prof. Dr. Dr. Ulrich Hemel erklärte: „Wir wollen Forschung und Lehre mit Inhalt füllen und haben diesen Preis geschaffen, um auch öffentliche Wahrnehmung für innovative Lehre zu schaffen.“ Hemel betont weiter: „Innovative Lehre ist Partizipation, so kann sie ein Impuls für die Universität, für die Forschung und auch für den Transfer sein.“
Ausgezeichnet wird aber zunächst die Idee und genau das birgt eine große Chance, wie Sauer erklärt: „Das Schönste an dieser Auszeichnung ist, dass ein anspruchsvolles wissenschaftliches Projekt realisiert werden kann, das es ohne die finanzielle Unterstützung wahrscheinlich nicht gäbe.“ Denn anders als bei den meisten seiner Seminare ist Sauer hier auf technische Unterstützung angewiesen. „Ich habe mich gefragt, wie man etwas, was wir im Seminarraum erarbeiten, in die Öffentlichkeit tragen kann“, beschreibt Sauer die ersten Überlegungen zu seinem Projekt.
Der „Eichstätt Explorer“ macht Geschichte zum interaktiven Erlebnis
Preisträger Dr. Christian Sauer vor der Sommerresidenz - einem Teil seines "interaktiven Forschungslabors"
Das Ergebnis dieser Überlegungen ist die Idee zu einer sogenannten „Progressive Web App“ (PWA), die direkt über das Smartphone oder Tablet funktioniert, ohne dass eine Installation erforderlich ist. Einen Teil des Preisgeldes wird Sauer in die Programmierarbeit investieren, denn auch für Sauer wird es die erste PWA sein, die er erstellt.
Doch bevor es an die technische Umsetzung gehen kann, steht für die Kunstgeschichte-Studierenden aus verschiedenen Studiengängen kunsthistorische Basisarbeit an, Kernkompetenzen, die im Studium vermittelt werden. Sie müssen recherchieren, Material auswerten und vor allem entscheiden, was für den „Eichstätt Explorer“ relevant ist. Die Studierenden werden die Gebäude besuchen und analysieren. Nach der Sammlung all dieser Informationen wird es erst richtig spannend. Denn dann wird es darum gehen diesen Wissensschatz herunterzubrechen und die Erkenntnisse spannend zu erzählen. „Ein Gebäude ist niemals nur ein Bauwerk. Es ist ein historischer Speicher“, betont Sauer. Besonders fasziniert ihn der Ansatz der sogenannten „Objektbiografien“. Dabei werden Denkmäler nicht als starre Monumente betrachtet, sondern als lebendige historische Akteure. Die Studierenden untersuchen, wie sich Funktion, Bedeutung und Wahrnehmung der Orte über Jahrhunderte hinweg verändert haben. Wo einst politische Entscheidungen getroffen wurden, finden heute vielleicht Touristen Ruhe – diese Schichten sichtbar zu machen, ist ein Ziel des Seminars.
Wenn alles läuft wie geplant, können Besucher der Stadt Eichstätt künftig an den ausgewählten Sehenswürdigkeiten QR-Codes scannen und erhalten sofort Zugang zu einer Welt voller Wissen. Ob kurze Einführungstexte, die das Interesse wecken sollen, informative Audiobeiträge, die auf architektonische Details hinweisen, oder ein tieferer Einblick in umfangreicheren Dossiers – die progressive Web-App wird akademische Tiefe mit unterhaltsamer Wissensvermittlung verbinden.
Das Projekt ist an ein Seminar im Wintersemester 2026/2027 gekoppelt, weshalb die Umsetzung der Idee und die Veröffentlichung der Inhalte für März 2027 geplant ist. Ob die QR-Codes dann auf Postkarten aufgedruckt, bei den Sehenswürdigkeiten ausliegen, ob ein Stadtrundgang zu allen ausgewählten Gebäuden und Orten entsteht oder ob es möglich sein wird, die QR-Codes auf Schildern an den Sehenswürdigkeiten anzubringen, ist eine Fragestellung des Projekts. Denn auch darum wird es gehen: Die Studierenden aus dem Seminarraum heraus zu schicken. Sie müssen Kontakt mit Stadt, Denkmalpflege und Bistum aufnehmen, ohne deren Unterstützung das Projekt nicht umgesetzt werden kann, und auch ganz praktische Fragen klären. Auch darin sieht Sauer einen Mehrwert des Projekts für die Studierenden. Sie erhalten das Handwerkszeug, das sie in möglichen späteren Arbeitsfeldern brauchen, und erhalten Einblicke in den Arbeitsalltag von Kunsthistorikern in der Praxis. Einen ersten Schritt zur Kontaktaufnahme mit der Stadt wurde auch durch die Feier zur Preisverleihung getan: Martina Edl, stellvertretende Bürgermeisterin der Stadt Eichstätt, war anwesend und freute sich über Sauers Idee.
Ideen, welche Eichstätt Highlights aufgenommen werden könnten, hat Sauer viele: Die Liste an Möglichkeiten vom Dom über die Willibaldsburg bis zur Sommerresidenz ist lang. Aber während er in vielen Bereich bereits in Vorleistung gegangen ist, das Seminarkonzept entwickelt hat, Kontakt mit dem Rechenzentrum der Universität aufgenommen hat, um technische Möglichkeiten zu ermitteln, und nicht zuletzt sich für den Preis der Bickhoff-Stiftung beworben hat, will Sauer hier noch nicht vorgreifen. „Die Entscheidung, welche Gebäude und Sehenswürdigkeiten wir vorstellen wollen, soll demokratisch mit den Studierenden getroffen werden“, erklärt er. So bleibt es auch für den Dozenten spannend und er freut sich darauf, seine Ideen in den nächsten Monaten beim Wachsen zu beobachten.