Mit ihrer Professur an der KU übernimmt Verena Frick ein Fach, das grundlegende politische Fragen mit aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen verbindet. Im Zentrum ihrer Arbeit stehen politische Theorie und Ideengeschichte, Demokratietheorie sowie die interdisziplinären Bezüge zwischen Politikwissenschaft, Rechtswissenschaft und Soziologie. „Mich interessieren besonders die grundlegenden Fragen und Wertkonflikte, die Politik prägen“, sagt Frick. „Die politische Theorie gibt mir die Möglichkeit, diese Fragen systematisch und aus unterschiedlichen Perspektiven zu bearbeiten.“
Von Regensburg über Leipzig und Göttingen nach Eichstätt
Verena Frick wurde in Regensburg geboren und legte dort auch ihr Abitur ab. An der Universität Leipzig studierte sie Politikwissenschaft, Journalistik und Kulturwissenschaften. Ursprünglich wollte sie in den Politikjournalismus gehen und sammelte bereits während des Studiums Erfahrungen als freie Mitarbeiterin bei Lokalzeitungen. Im Zuge ihrer Abschlussarbeit wurde ihr jedoch klar, dass ihr wissenschaftliches Interesse stärker auf den grundlegenden Fragen politischen Denkens liegt. „Ich habe damals gemerkt, dass mich weniger das tagespolitische Geschehen beschäftigt als die normativen Grundfragen und Konflikte, die dahinterstehen“, erklärt Frick.
Ihre Promotion begann sie zunächst an der Universität Leipzig, wechselte dann mit ihrem Betreuer an die Universität Erfurt und wurde in dieser Zeit unter anderem durch das Cusanuswerk gefördert. Ein Forschungsaufenthalt an der Université de Paris II (Panthéon-Assas) eröffnete ihr zudem einen Blick von außen auf staats- und verfassungstheoretische Debatten, die in Deutschland besonders ausgeprägt sind. 2017 wurde sie an der Universität Erfurt mit einer Dissertation zu den Staats- und Verfassungstheorien der bundesdeutschen Staatsrechtslehre promoviert. Nach Stationen in Erfurt, Göttingen, Hannover und Würzburg führte ihr Weg schließlich an die KU.
„Ich freue mich sehr auf den Start in Eichstätt“, sagt Frick. „Die KU bietet mit ihrem gesellschafts- und geisteswissenschaftlichen Schwerpunkt viele Anknüpfungspunkte für interdisziplinären Austausch. Gerade die Möglichkeit, über Fakultäts- und Institutsgrenzen hinweg zusammenzuarbeiten, sehe ich als großen Gewinn.“
Stadt, Demokratie und politische Ordnung zusammen denken
Einen Schwerpunkt ihrer Forschung bildet die politische Theorie der Stadt. In ihrer 2025 abgeschlossenen Habilitationsschrift „Die demokratische Stadt. Versprechen, Herausforderungen, Perspektiven“ untersucht Frick, wie urbane Räume politische Erfahrungen prägen und warum die lokale Ebene für das Verständnis demokratischer Prozesse besonders wichtig ist. Dabei verbindet sie Perspektiven aus Politikwissenschaft, Soziologie und Gesellschaftstheorie.
Für Frick ist die Stadt mehr als nur ein Gegenstand kommunaler Politik. Sie versteht sie als einen Erfahrungsraum der Demokratie, in dem sich Teilhabe, Konflikte und Öffentlichkeit in besonderer Weise verdichten. „Vertrauen in staatliche Institutionen entsteht nicht nur auf nationaler Ebene, sondern ganz wesentlich durch lokale Erfahrungen“, sagt die Politikwissenschaftlerin. „Deshalb ist die städtische Perspektive für die Demokratieforschung so relevant.“
Mit diesem Zugang verbindet sie die Frage, wie die Stärken des städtischen Handlungsraums als Ressource demokratischer Resilienz genutzt werden können. Dazu zählen für sie etwa demokratische Beteiligungsformen, Bürgerräte und eine starke Zivilgesellschaft. Solche lokalen Erfahrungen können dazu beitragen, Bürgerinnen und Bürger stärker an demokratische Prozesse zu binden und ihr Vertrauen in politische Institutionen zu festigen.
Wie Demokratien widerstandsfähig und erneuerungsfähig bleiben
An der KU möchte Verena Frick ihre Forschungen insbesondere im Bereich der modernen Demokratietheorie weiter vertiefen. Sie fragt danach, welche Ressourcen Demokratien widerstandsfähig machen, was Bürgerinnen und Bürger dazu befähigt, Vertrauen in demokratische Institutionen zu entwickeln, und wie demokratische Ordnungen auch unter Krisenbedingungen attraktiv und handlungsfähig bleiben können.
„Demokratie muss nicht nur stabil sein, sie muss auch überzeugen“, betont Frick. „Mich interessiert, was Menschen motiviert, für demokratische Werte einzustehen und die Demokratie als lebendige politische Ordnung zu verteidigen.“
Damit verbunden ist auch ihr Interesse an der politischen Theorie der wehrhaften Demokratie. Frick untersucht das Spannungsverhältnis zwischen institutionellen und rechtlichen Schutzmechanismen – etwa dem Parteiverbot – und anderen demokratischen Praktiken wie bürgerschaftlicher Gegenrede, öffentlicher Rechtfertigung und zivilgesellschaftlichem Engagement. Ebenso beschäftigt sie sich mit demokratischen Innovationen und Formen institutioneller Erneuerung. Ausgangspunkt ist dabei die Diagnose, dass Demokratien gegenwärtig mit Repräsentationskrisen, Oligarchisierungstendenzen und neuen Erwartungen an politische Beteiligung konfrontiert sind. „Wenn klassische Formen der Repräsentation an Bindungskraft verlieren, werden neue Wege der politischen Einbindung notwendig“, so Frick.
Politik interdisziplinär denken
Ein zentrales Merkmal von Fricks wissenschaftlichem Profil ist ihre interdisziplinäre Ausrichtung. Ihre Forschung bewegt sich an der Schnittstelle von Politik, Soziologie und Recht, insbesondere in den Bereichen demokratischer Konstitutionalismus, Bürgerschaft und citizenship (Staatsbürgerschaft) sowie Rechtsmobilisierung. „Ich bearbeite gerne Themen an den Schnittstellen zwischen den Disziplinen“, sagt sie. „Gerade dort lassen sich Begrenzungen überwinden und neue Zugänge zu politischen Fragen entwickeln.“
Über die Politische Theorie hinaus bringt Frick auch Perspektiven aus den Internationalen Beziehungen in ihre Lehre ein, etwa zu normativen und ethischen Fragen von Krieg und Frieden, zur Rolle transnationaler Städtenetzwerke oder Verrechtlichungsprozessen jenseits des Staates. Internationale Kooperation und Vernetzung sind für ihre Arbeit ohnehin zentral: Als Mitherausgeberin bereitet sie derzeit die Publikation des Oxford Handbook of the Political Theory of the City vor.
Auch in der Fachcommunity ist Verena Frick breit engagiert: Seit 2024 ist sie gewähltes Vorstandsmitglied der Deutschen Vereinigung für Politikwissenschaft. Darüber hinaus wirkt sie in mehreren wissenschaftlichen Beiräten mit, unter anderem zu Fragen von Staat, Souveränität und politischer Ordnung, und ist seit vielen Jahren in Fachzusammenhängen an der Schnittstelle von Politik und Recht aktiv.
Text: Melena Renner