Deutsch-koreanischer Dialog über Demokratie und Frieden

Wie widerstandsfähig sind Demokratien in Zeiten von Polarisierung, Vertrauensverlust und sozialen Medien? Mit dieser Frage im Gepäck reiste eine Delegation der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt Anfang Oktober nach Seoul. Dort diskutierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der KU und der Sogang University beim 15. Deutsch-Koreanischen Kolloquium über Demokratie und Frieden. Die Tagung setzte eine wissenschaftliche Partnerschaft fort, die seit Jahrzehnten besteht und zu den besonders beständigen internationalen Kooperationen der KU zählt.

Vom 5. bis 8. Oktober brachte das Kolloquium an der Sogang University Fachleute aus Deutschland und Südkorea zusammen. Im Mittelpunkt standen aktuelle Herausforderungen demokratischer Gesellschaften: gesellschaftliche Polarisierung, schwindendes Vertrauen in Institutionen und der Wandel politischer Kommunikation durch soziale Medien. Für Südkorea stellt sich diese Debatte unter besonderen Vorzeichen, da Fragen von Demokratie, Frieden und Sicherheit dort untrennbar mit der fortdauernden Teilung der koreanischen Halbinsel verbunden sind. „Gerade im Vergleich unterschiedlicher politischer und gesellschaftlicher Erfahrungen wird deutlich, dass Demokratie keine Selbstverständlichkeit ist, sondern von Austausch, Reflexion und Verantwortung lebt“, sagt Prof. Dr. Klaus Stüwe, Vizepräsident für Internationales und Profilentwicklung der KU. „Das Deutsch-Koreanische Kolloquium bietet dafür seit vielen Jahren einen außergewöhnlich fruchtbaren Rahmen.“

Bereits zu Beginn der Reise wurde der thematische Bezug in besonderer Weise greifbar: Eine Exkursion führte die Teilnehmenden in die demilitarisierte Zone an der innerkoreanischen Grenze. Das wissenschaftliche Programm an der Sogang University vereinte anschließend unterschiedliche fachliche Perspektiven aus Politikwissenschaft, Geschichte, Theologie, Soziologie, Rechts- und Literaturwissenschaft. In den Panels ging es um Demokratie und Frieden, gesellschaftliche Polarisierung, Religion sowie politische Kommunikation in sozialen Medien. Kennzeichnend für das Kolloquium ist der direkte deutsch-koreanische Dialog: Jeder Vortrag wird von einer Wissenschaftlerin oder einem Wissenschaftler aus dem jeweils anderen Land kommentiert und anschließend gemeinsam diskutiert.

Die Deutsch-Koreanischen Kolloquien haben eine lange Tradition. Ihre Wurzeln reichen in die 1990er Jahre zurück. Seit 2007 werden sie von der KU und der Sogang University im zweijährigen Wechsel in Eichstätt und Seoul ausgerichtet. Die KU prägt diese Reihe seit vielen Jahren maßgeblich mit ihrem interdisziplinären Profil in den Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften und setzt damit einen wichtigen Akzent in ihrem internationalen Engagement. Das nächste Deutsch-Koreanische Kolloquium im Jahr 2028 wird in Eichstätt stattfinden. 

Auf deutscher Seite wird die Tagungsreihe von Prof. Dr. Klaus Stüwe geleitet, auf koreanischer Seite von Prof. Dr. Seil Oh, Vizepräsident für Internationales der Sogang University. Zur diesjährigen KU-Delegation gehörten neben Stüwe auch Prof. Dr. Vanessa Conze, Prof. Dr. Ulrich Kropač, PD Dr. Dr. habil. Mariusz Chrostowski, Dr. Sebastian Egelhof und Laura Gabler. Unterstützt wurde das Kolloquium von der Maximilian Bickhff-Stiftung, der Geschichts- und Gesellschaftswissenschaftlichern Fakultät der KU, der Brauerei Hofmühl und der Eichstätter Universitätsgesellschaft.

Aus dem langfristigen wissenschaftlichen Austausch gehen regelmäßig auch gemeinsame Publikationen hervor. Jüngstes Beispiel ist der neu erschienene Open-Access-Sammelband „Populism and Post-Truth. Interdisciplinary Perspectives from South Korea and Germany“, herausgegeben von Klaus Stüwe und Laura Gabler. Der Band versammelt Beiträge des Deutsch-Koreanischen Kolloquiums 2024 in Eichstätt und untersucht aus verschiedenen disziplinären Perspektiven, welche Folgen es für demokratische Gesellschaften hat, wenn Fakten in politischen Auseinandersetzungen an Bedeutung verlieren.


Text: Laura Gabler