Der Weg an die KU führte Bader über mehrere wissenschaftliche Stationen. Nach einem Studium der International Cultural and Business Studies an der Universität Passau promovierte sie an der Universität der Bundeswehr München im Fach Betriebswirtschaftslehre. Anschließend arbeitete sie dort als Postdoc und war als Gastwissenschaftlerin an der Cornell University (USA) und der Vrije Universiteit Amsterdam tätig. 2023 wechselte sie auf eine Tenure-Track-Professur an die Wirtschaftsuniversität Wien. Dass sie die Hauptstadt-Universität mit mehr als 20.000 Studierenden gegen die KU eintauschte, hatte mehrere Gründe. Der Charme der kleinen Uni mit all seinen Vorteilen habe sie angesprochen – und diese Erwartungen wurden in den ersten Monaten an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät Ingolstadt (WFI) bereits bestätigt, sagt Verena Bader: „Mich beeindruckt besonders, wie motiviert und engagiert die Studierenden sind.“
Insbesondere reizte sie an der KU die Chance, einen eigenen Lehrstuhl nicht nur zu leiten, sondern aufzubauen und neu zu gestalten. „Es fühlt sich gerade nach einem Momentum an – mein Team und ich können wirklich viel bewirken und das wollen wir gern nutzen.“ Die Denomination ihres Lehrstuhls passe dabei hervorragend zu ihrer bisherigen wissenschaftlichen Arbeit. Die thematische Breite versteht Bader als große Chance, schließlich bilde der Lehrstuhl die zentrale Anlaufstelle für zahlreiche Themen und um Personalmanagement, Organisation und Unternehmensführung.
Menschliches Verhalten in Organisationen verstehen
Baders Kernthemen sind Personalmanagement und Organisation an der Schnittstelle zur Arbeitswelt der Zukunft. Dabei geht es ihr nicht allein um den Einfluss neuer Technologien. „Der Bereich Future of Work meint für mich auch moderne Arbeitsweisen, wie Homeoffice oder hybrides Arbeiten, oder neue Arten der Inklusion von Stakeholdern, also die partizipative Mitgestaltung in Unternehmen und Organisationen.“ Besonders am Herzen liegen der Wirtschaftsprofessorin qualitative Methoden, wie Ethnografien oder Fallstudien. „Das menschliche Verhalten steht für mich im Fokus, und zwar im Zusammenhang mit organisationalen Strukturen, Prozessen und Praktiken“, beschreibt sie ihren Ansatz.
Ein Schwerpunkt ihrer Forschung liegt im Bereich HR Analytics, also dem Einsatz von Algorithmen und Künstlicher Intelligenz im Personalmanagement. Dieses Themenfeld gewinne rasant an Bedeutung, betont Bader: „Der EU AI-Act zählt Personalmanagement zu den besonders sensiblen Anwendungsfeldern von KI – es ist also sehr wichtig, sich damit vertieft auseinanderzusetzen.“ Aktuell leitet sie ein von der Hans-Böckler-Stiftung gefördertes Forschungsprojekt zur Undurchsichtigkeit algorithmischer Entscheidungen im Personalmanagement. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Personalverantwortliche mit KI-Systemen umgehen, deren Entscheidungswege sie selbst nicht vollständig nachvollziehen können. Die neue KU-Professorin untersucht unter anderem, wie sich dadurch Werte und Entscheidungsprozesse in der Personalarbeit verändern.
Ein zweiter Forschungsschwerpunkt ist betriebliche Mitbestimmung im Digitalisierungskontext. Bader befasst sich damit, wie Beschäftigte und Betriebsräte in die Einführung neuer Technologien eingebunden werden und welche Rolle Mitbestimmung bei einer verantwortungsvollen Nutzung von KI spielt. Dazu arbeitet sie unter anderem mit Forschenden der Cornell University (USA) zusammen, denn im internationalen Vergleich werde das deutsche Modell der Mitbestimmung auch als Vorbild wahrgenommen. Ihr Interesse an Mitbestimmung wurde während der Doktorarbeit geweckt, erzählt Bader: Um das Zusammenwirken von Mensch und Technik zu untersuchen, beobachtete sie Mitarbeitende in einem Callcenter, in dem KI-Systeme Verkaufsgespräche unterstützten und gleichzeitig neue Formen der Kontrolle ermöglichten. „Diese Erfahrung, wie stark Technologien Arbeitsabläufe und die Handlungsspielräume des Menschen verändern können, hat mich wissenschaftlich geprägt.“
Ein dritter Themenbereich, der Bader beschäftigt, sind HR-Innovationen und neue Formen der Organisation. „Geforscht habe ich beispielsweise schon zur Frage, wie in hybriden Arbeitsumgebungen Vertrauen durch die Nutzung von Technologie entstehen kann.“
Lehre mit Bezug zur Lebenswelt
In der Lehre ist Prof. Dr. Verena Bader die Stärkung des Praxisbezugs ein Anliegen. In einem ihrer ersten Seminare im Sommersemester sollten daher Studierende Management- und Organisationstheorien nicht nur lernen, sondern auf konkrete Situationen aus ihrem Alltag anwenden. „Dabei kamen tolle Analysen heraus und ich glaube, dass die Studierenden so verstanden haben, dass diese Theorien auch in der Praxis etwas bringen.“ Gäste sollen zudem Eindrücke aus der Arbeitswelt vermitteln: „Mir geht es darum, viele Perspektiven aufzuzeigen – vom Vertreter der Deutschen Gesellschaft für Personalführung, der eher eine Metaperspektive hat, über die HR-Managerin, die ganz konkret eine Veränderung ihrer Profession erlebt, bis hin zum Betriebsrat, der deutlich emotionaler berichtet.“
Große Bedeutung misst Bader zudem dem reflektierten Umgang mit Künstlicher Intelligenz im Studium bei. KI gehöre inzwischen fest zum Studienalltag, müsse aber verantwortungsvoll eingesetzt werden. Deshalb fordert sie Transparenz über verwendete KI-Werkzeuge und setzt gleichzeitig bewusst auf Prüfungsformate, die eigenständiges Denken fördern. Zugleich möchte sie zeigen, wie KI sinnvoll genutzt werden kann – etwa als Sparringspartner bei der Prüfungsvorbereitung.
Bader lehrt in mehreren Bachelor- und Masterstudiengängen der WFI und ist zudem Koordinatorin des Schwerpunkts MARKT im Master BWL, der sich insbesondere mit Management- und Marketingthemen befasst. Beteiligt ist sie auch am Consulting-Badge-Programm, einem Zusatzzertifikat, das Studierende speziell auf eine Karriere in der Unternehmensberatung vorbereitet.
Neben Forschung und Lehre ist Bader der Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse besonders wichtig. Sie engagiert sich in interdisziplinären Forschungsverbünden, diskutiert regelmäßig mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften und arbeitet eng mit Unternehmen zusammen, zum Beispiel als Mitglied im Schmalenbach Arbeitskreis Personal und Arbeit. „Ich freue mich besonders darauf, auch hier in der Region Kooperationen aufzubauen“, sagt Bader.
Text: Petra Hemmelmann