Eric Richter studierte Lehramt für Geschichte und Sport an der Humboldt-Universität Berlin und absolvierte anschließend den Vorbereitungsdienst für das Lehramt an Gymnasien und Integrierten Sekundarschulen in Berlin. „Danach wollte ich gern weiter lernen und mich wissenschaftlich vertiefen“, erinnert sich Richter. Dieser Wunsch führte den heute 35-Jährigen an die Universität Potsdam, wo er sieben Jahre lang arbeitete – zunächst als Doktorand und wissenschaftlicher Mitarbeiter, später als Vertretungsprofessor für Erwachsenenbildung, Weiterbildung und Pädagogik.
2025 erfolgte der Ruf an die KU. Hier fand Richter schnell in ein ihm vertrautes Umfeld: „Ich hatte von Beginn an den Eindruck, dass das Lehramt hier großgeschrieben wird.“ Wie Potsdam gelte auch Eichstätt als Leuchtturm der Lehrkräfteausbildung und sei in der regionalen Bildungslandschaft stark vernetzt. Im Sommersemester 2025 übernahm Eric Richter zunächst die Vertretung der Professur für Schulpädagogik an der KU, im September folgte die Ernennung zum ordentlichen Professor. Zudem fungiert er aktuell als Studiendekan in der Philosophisch-Pädagogischen Fakultät und als Sprecher der Fachgruppe Pädagogik.
Im Zentrum von Richters Forschung steht unter anderem die Frage, wie Lehrkräfte in ihrer Professionalisierung unterstützt werden können. In seiner kumulativen Dissertation analysierte er Angebot, Nutzung und Qualität staatlicher Fortbildungsstrukturen. Dabei untersuchte er Teilnahme- und Nichtteilnahmeentscheidungen von Lehrkräften, führte Programm- und Nutzungsanalysen durch und widmete sich dem Professionsverständnis von Fortbildnerinnen und Fortbildnern.
Den Blick auf das berufliche Lernen in Fortbildungen erweiterte Richter bald und nahm dabei alle Qualifizierungsphasen sowie den Lernort Schule selbst in den Blick. „Mir geht es um die Frage, wie wir Lehrkräften helfen können, ihre beruflichen Herausforderungen zu meistern“, erklärt der Pädagogik-Professor. „Fortbildungen sind ein wichtiges Unterstützungssystem, aber ebenso wichtig sind die Fragen, wie wir an den Universitäten angehende Lehrkräfte auf ihren Beruf vorbereiten und was an den Schulen selbst passieren kann, um Lehrkräfte zu unterstützen.“ Um langfristig genügend motivierte Lehrkräfte an den Schulen zu haben, sie es wichtig, das Lehramt attraktiver zu machen. „Wenn wir Arbeitsbedingungen schaffen würden, die den Lehrkräften die Möglichkeit geben, sich weiterzuentwickeln, zu wachsen, sich auszutauschen, dann wäre ein großer Schritt getan.“
In seiner Forschung widmet sich Richter auch dem aktuellen Lehrkräftemangel, den die Politik unter anderem mit Quer- und Seiteneinsteigern zu beheben versucht. Die empirischen Daten, etwa zur Qualität des Unterrichts von Quer- und Seiteneinsteigern, seien überraschend, da sich diese nicht von den klassisch ausgebildeten Lehrkräften unterscheiden. Richter warnt in diesem Zusammenhang jedoch vor der schnellen Schlussfolgerung, die Lehramtsausbildung sei nicht gut genug, und sieht eine Erklärung vielmehr in den Rahmenbedingungen des Berufs: „Aktuell ist der Druck auf Lehrkräfte so groß, das Korsett so eng, die Aufgaben so überwältigend, dass viele Lehrkräfte ihr Potenzial gar nicht entfalten können.“
Eine wichtige Rolle in Richters Forschung wie auch Lehre spielt der Einsatz von Virtual Reality. In einem VR-Klassenzimmer werden Unterrichtssituationen realistisch simuliert und erprobt. Die Studierenden setzen dafür eine VR-Brille auf und können frei agieren. Die virtuellen Schülerinnen und Schüler reagieren realitätsnah – mal arbeiten sie fleißig mit, reagieren auf Fragen und unterhalten sich mit der Lehrkraft, mal verweigern sie die Mitarbeit oder stören den Unterricht. Ziel des VR-Klassenzimmers sei es jedoch nicht, Praktika und echte Schulerfahrungen zu ersetzen, sondern gezielt bestimmte Kompetenzen zu trainieren: „Ein Vorteil ist, dass wir die Unterrichtssituationen im VR-Klassenzimmer aufzeichnen und im Nachgang in Ruhe darüber reflektieren können.“ So könnte beispielsweise die Unterrichtsanalyse und -beobachtung geübt werden, die später im Schulalltag wichtig sei für einen lebendigen Austausch unter Kollegen. An der KU startet ein erstes Blockseminar mit VR-Unterstützung noch in diesem Winter, Thema sind dann Unterrichtsgespräche.
Die Qualität des Lehramtsstudiums an der KU ist Eric Richter ein großes Anliegen. Gemeinsam mit dem Zentrum für Lehrerinnen- und Lehrerbildung (ZLB) will er systematisch Daten erheben, um Stärken und Herausforderungen besser zu verstehen. Gut vorstellen kann er sich zudem Formate jenseits klassischer Vorlesungen und Seminare, etwa Lernreisen zu den Preisträgern des Deutschen Schulpreises. „Ich möchte forcieren, dass wir stärker auch außerhalb der formalen Seminarstrukturen lernen und den Studierenden eine Haltung des lebenslangen Lernens vermitteln“, unterstreicht der Professor. Ein Aushängeschild dahingehend sei das Beratungslehramt an der KU: „Hier treffen sich nachqualifizierende Lehrkräfte auf Studierende, es findet ein phasenübergreifendes Lernen statt.“ Aufgrund struktureller Herausforderungen seien in diesem Studiengang in den kommenden Jahren Weiterentwicklungen wichtig.
Neben dem ZLB nennt Richter als wichtige Partner die Fachdidaktiken an der KU. Erste gemeinsame Ideen zur Förderung demokratiebezogener Kompetenzen sind bereits angestoßen. Auch die Zusammenarbeit mit Kultusministerin, Landesinstituten und -ämtern für Schule will der Pädagoge in Eichstätt fortführen und zusätzliche Netzwerke in Bayern aufbauen. „Mein Anspruch ist der Transfer, also dass meine Arbeit Wirkung entfaltet und die Ergebnisse für eine Verbesserung der schulischen Praxis genutzt werden können.“