Darunter waren Fachkräfte aus Beratungsstellen, Einrichtungen, Tagesstätten, Offenen Hilfen, Werkstätten und Schulen, aber auch Studierende der KU. Viele der teilnehmenden Einrichtungen – der Fachtag war zugleich Praxisanleitertag – bieten den Studierenden der KU auch Praktikumsstellen in ihrem Praxissemsemester und sind damit wichtige Netzwerkpartner. Der Referent Prof. Dr. Georg Theunissen war unter anderem Professor für Pädagogik bei Autismus in Halle-Wittenberg. Er ist seit Jahrzehnten ausgewiesener Experte auf dem Gebiet und hat sich mit mehr als 600 Fachbeiträgen und als Autor oder (Mit-)Herausgeber von rund 70 Fachbüchern unter anderem zum Thema Autismus einen Namen gemacht.
Schon bei der Begrüßung durch KU-Präsidentin Prof. Dr. Gabriele Gien, Dekanin Prof. Dr. Inge Eberl sowie die Organisatoren Prof. Dr. Wolfgang Klug, Prof. Dr. Gerhard Nechwatal und Tamara Glasl wurde das Ziel der Fachtagung deutlich: „Es geht darum, Autismus nicht defizitorientiert, sondern ressourcenorientiert zu denken“, sagte die Präsidentin in ihrer Begrüßung. „Wir sind gefordert, die Fähigkeiten und Stärken der Betroffenen herauszuarbeiten“, ergänzte die Dekanin der Fakultät für Soziale Arbeit. „Es geht um eine verstehende Sicht und Würdigung der betroffenen Menschen“, erklärte Prof. Klug.
In Deutschland sind rund 1 bis 1,5 Prozent der Menschen von Autismus betroffen – das entspricht rund 800.000 Personen. Aus der Sicht der Betroffenen selbst ist Prof. Theunissen zufolge „Autismus weder eine Krankheit, noch per se eine psychische Störung, sondern Ausdruck eines persönlichen Seins“. Autistische Menschen hätten selbst ein Modell mit sieben Merkmalen entwickelt, die sie kennzeichnen. Diese sind Wahrnehmungsbesonderheiten, unübliches Lernverhalten und sehr spezielles Denken, Stärken, außergewöhnliche Fähigkeiten und spezielle Interessen, motorische Besonderheiten, aber auch das Bedürfnis nach Beständigkeit, Routine und Ordnung sowie sprachliche Besonderheiten und Abweichungen im Sozialverhalten. Als Fazit stellte Prof. Theunissen fest, dass es im Umgang mit autistischen Menschen wichtig sei, diese Merkmale zu beachten. „Es ist völlig unzureichend, sich auf Diagnosen zu verlassen.“ Einrichtungen sollten ein Gesamtkonzept für den Umgang mit diesen Menschen erstellen. Vor allem, wenn es unzureichende Kenntnisse über den Autismus einer Person gibt, solle nach der Aufnahme eine dreimonatige Beobachtungsphase vorgeschaltet werden. Dann sei es wichtig, nicht den Menschen verändern zu wollen, sondern den Kontext zu ändern.
Möglich wurde der Fachtag auch durch die Unterstützung der Fakultät für Soziale Arbeit, der Philosophisch-Pädagogischen Fakultät, des Förderkreises der Fakultät für Soziale Arbeit, der Katholischen Erwachsenenbildung im Bistum Eichstätt und des Caritasverbands für die Diözese Eichstätt e.V.