Jan Tonnemacher, 1940 in Berlin geboren, gehörte zu jener Wissenschaftlergeneration, die von den gesellschaftlichen Aufbrüchen der 1960er Jahre geprägt wurde. Fachlich vertrat er ein breites Spektrum der Medien- und Kommunikationswissenschaft. Themen seiner Forschung waren insbesondere Kommunikationspolitik, Medienökonomie, Medienprognostik, Publikumsforschung, neue Kommunikationstechnologien, internationale Kommunikation und Public Relations. Früh profilierte er sich als einer der führenden Experten für neue Medien im deutschsprachigen Raum und als Pionier der Medienprognostik. Er begleitete wissenschaftlich die Einführung neuer Medien, etwa von Bildschirmtext und Video-Konferenzsystemen. Leitend war für ihn stets die Frage, wie Medienwandel nicht nur technisch oder ökonomisch, sondern auch gesellschaftlich verantwortlich gestaltet werden kann.
Seine beruflichen Stationen verbanden Wissenschaft und Praxis in seltener Breite. Nach dem Studium der Volkswirtschaftslehre und Publizistik an der Freien Universität Berlin arbeitete er journalistisch unter anderem in Toronto, war in der empirischen Wirtschafts- und Medienforschung in Allensbach und Basel tätig, leitete das Presse- und Informationsreferat der Technischen Universität Berlin, forschte am Heinrich-Hertz-Institut zu neuen Kommunikationstechnologien und ihren Folgen und übernahm später Verantwortung im Rundfunkmanagement beim Sender Freies Berlin. Parallel dazu setzte er seine akademische Laufbahn fort: 1975 wurde er promoviert, 1977 habilitiert und 1982 zum außerplanmäßigen Professor an der Freien Universität Berlin ernannt.
Mit seinem Wechsel an die KU 1991 brachte Jan Tonnemacher diese vielfältigen Erfahrungen nach Eichstätt. Er baute den Bereich Public Relations systematisch aus, stärkte die internationale Kommunikation in der Lehre und setzte mit großer Aufmerksamkeit früh Akzente im Online-Journalismus und in der Analyse des digitalen Medienwandels. Seine wissenschaftliche Arbeit war geprägt von Weitblick, Praxisnähe und kritischer Unabhängigkeit. Auch unbequemen Fragen wich er nicht aus – etwa wenn es um die gesellschaftliche Verantwortung der Medien oder um die Rolle der Publizistik im Nationalsozialismus ging.
Wer Jan Tonnemacher begegnete, erlebte einen engagierten, diskussionsfreudigen und wachen Wissenschaftler, der dem Fach bis zuletzt verbunden blieb – noch auf der Jahrestagung der Fachgesellschaft DGPuK im Jahr 2025 in Berlin diskutierte er engagiert über die Zukunft der Kommunikationswissenschaft. In Erinnerung bleibt auch seine persönliche Seite: seine offene, herzliche Art, seine Leidenschaft für das Schlagzeugspiel, seine Begeisterung für Jazz und die Freude am musikalischen Zusammenspiel auch mit Fachkollegen.
Die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt wird Jan Tonnemacher ein ehrendes Andenken bewahren.