Eichstätter Shalompreis geht an afghanische Menschenrechtsaktivistin Humaira Rasuli

Der Arbeitskreis Shalom verleiht seinen Shalompreis in diesem Jahr an die afghanische Menschenrechtsaktivistin Humaira Rasuli. Sie ist Mitgründerin und Leiterin der "Women for Justice Organization", einer von Frauen geführten Organisation zur Unterstützung von Frauen und Mädchen, die von Gewalt, Krieg und familiären Konflikten betroffen sind. Die Preisverleihung findet am 14. Juni in Eichstätt statt.

Die "Women for Justice Organization" gehört zu den wenigen von Frauen geleiteten Organisationen, die weiter in Afghanistan tätig sind. In Beratungszentren erhalten von Gewalt betroffene Frauen Begleitung. Diese werde etwa auch bei medizinischen Behandlungen geleistet. "Ziel ist es, Frauen dabei zu helfen, traumatische Erfahrungen zu verarbeiten, neue Bewältigungsstrategien zu entwickeln und ihre psychische Stabilität zu stärken", erklärte der AK Shalom in einer anlässlich des bevorstehenden Weltfrauentags veröffentlichten Mitteilung.

Humaira Rasuli lebt im Exil, arbeitet jedoch weiter eng mit ihrem Team in Afghanistan zusammen und engagiert sich international dafür, dass die Lage von Frauen und Mädchen in Afghanistan sichtbar bleibt. Sie zeige mit ihrem Einsatz großen Mut, sagte Ulrike Schurr-Schöpfel, Sprecherin des Arbeitskreises Shalom. “Gerade in einer Zeit, in der die Gleichstellung von Frauen weltweit unter Druck steht und grundlegende Rechte vielerorts infrage gestellt werden, ist ihr Engagement ein kraftvolles Zeichen der Hoffnung und der Menschlichkeit.”

Preisträger
Carmen Rocío Murillo und Marvin Castro von der Organisation Casa Social Cultural y Memoria in Buenaventura bei der Preisverleihung

Neben der neuen Preisträgerin gab der AK Shalom auch die Summe für die im vergangenen Jahr vergebene Auszeichnung bekannt: Für die "Casa Social Cultural y Memoria", ein Friedensprojekt in Kolumbien, wurden demnach 32.000 Euro zusammengetragen. Ein Sprecher der Organisation in Buenaventura zeigte sich dankbar für die Unterstützung und die damit verbundenen Möglichkeiten. Durch die Spendengelder könne die Arbeit der Casa Social Cultural y Memoria deutlich gestärkt werden. Ziel des Hauses ist es, Friedensbildung zu fördern, Workshops anzubieten sowie Schutz- und Begegnungsräume insbesondere für Jugendliche und Frauen zu schaffen. In einer von bewaffneten Konflikten und struktureller Gewalt geprägten Region bietet die Casa Räume der Begegnung, des künstlerischen Ausdrucks und der kollektiven Erinnerung.

Geplant sind unter anderem regelmäßige Treffen mit Gruppen von jeweils etwa dreißig Personen, in denen über das Recht auf kulturelle Identität und deren Bedeutung für die afro-kolumbianische Gemeinschaft gesprochen wird. Darüber hinaus werden Treffen von Hebammen organisiert, bei denen traditionelle Methoden und das Wissen der Geburtshelferinnen weitergegeben und in aktuelle Gesundheitspraktiken eingebunden werden. Weitere Aktivitäten umfassen Schulungen im Bereich Kommunikation sowie Radioprogramme und eine Fotoausstellung, die das Wissen und die Rolle der Hebammen sichtbar machen sollen. Zudem plant die Casa Social Cultural y Memoria Ausstellungen und Wandmalereien, um Kultur und Geschichte der afrokolumbianischen Bevölkerung stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.

Darüber hinaus wurde bereits ein Konzept für ein Museum entwickelt. Dieses soll die Lebensgeschichten von Frauen dokumentieren, die Gewalt erfahren haben, und zugleich Wege im Umgang mit traumatischen Erfahrungen sichtbar machen. Ziel ist es, den betroffenen Frauen Raum für Selbstbestimmung und neue Perspektiven zu eröffnen.

Der Shalompreis wird seit 1981 verliehen und zählt zu den höchstdotierten Menschenrechtspreisen in Deutschland. Die Arbeit der Mitglieder erfolgt ehrenamtlich. Das Preisgeld wird ausschließlich durch Spenden von Privatpersonen sowie institutionellen Unterstützerinnen und Unterstützern ermöglicht, darunter das Referat Weltkirche des Bistums Eichstätt, die Oswald-Stiftung und der Rotary Club Eichstätt.