„Wenn die Mittelschule in der öffentlichen Wahrnehmung auftaucht, hat dies selten einen positiven Grund. Diesen Eindruck nehmen auch viele Studierende wahr“, beschreibt die Mentorin die Herausforderung. Entscheiden sie sich trotzdem für ein Studium für Lehramt an Mittelschulen, stehen sie oft unvorbereitet vor pädagogischen Hürden, die bei vielen Zweifel an ihrem Berufswunsch wecken. Auch andere Lehramtsstudierende, die einen Nebenjob als Substitutionskraft – also als schulische Unterstützungskraft bzw. pädagogische Aushilfskraft an Schulen – wählen, werden schon früh im Studium an Mittelschulen eingesetzt. Für all diese Studierenden steht Wühr als Ansprechpartnerin zur Verfügung. Ihr Ziel ist klar: „Ich möchte den Studierenden zeigen, dass die Mittelschule mehr ist als ihr Ruf. Es ist wichtig, der Mittelschule in der Praxis eine echte Chance zu geben.“
Beziehungsarbeit statt reiner Wissensvermittlung
Ein Alleinstellungsmerkmal der Mittelschule ist das enge Verhältnis zwischen Lehrkräften und Schülern, das durch das Klassleiterprinzip gefördert wird. „Der Lehrer ist eine Konstante für seine Schülerinnen und Schüler, nicht nur Besucher im Klassenzimmer“, erklärt Wühr. Diese Nähe sei es, die viele Lehramtsstudierende erst während der Praktika begeistere. „Jeder von uns liebt diese Arbeit, weil man den Schülerinnen und Schülern etwas mitgibt – das ist echte Beziehungsarbeit.“
Praxisnahe Beratung auf Augenhöhe
Seit September 2024 ist Christina Wühr Mittelschulmentorin an der KU. Was ihre Aufgabe besonders macht, ist die Doppelrolle. Nur halbtags an der Universität, arbeitet sie den Rest ihrer Zeit weiterhin als Lehrkraft an der Mittelschule Schottenau in Eichstätt. Damit bringt sie viel Erfahrung aus der Praxis mit. Dieses Wissen gibt sie an die Studierenden weiter. Ob es um Fragen zum Einstieg, Unsicherheiten im Studium oder die Praktikumsmöglichkeiten geht – Wühr ist Ansprechpartnerin für Studierende und alle, die einen Quereinstieg in Erwägung ziehen. Sie vermittelt den Kontakt zur Studierendenberatung, zum Beratungsnetzwerk Bayern für Quereinsteiger, zu den Seminarleitungen für die Mittelschule oder zu den Schulen. „Mentoring bedeutet für mich dabei auch, Studierende in Momenten zu begleiten, in denen Zweifel entstehen“, so Wühr. „Ich möchte Raum schaffen für Fragen wie: Passt diese Schulart wirklich zu mir?“
Netzwerken statt Alleingang
Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die Vernetzung. Sie organisiert Workshops, wie etwa „Nebenjob Mittelschule für Substitutionskräfte“, der sich an Studierende richtet, die schon während des Studiums an Mittelschulen unterrichten. Sie besucht Studierende im Blockpraktikum und vermittelt Kontakte zu Schulen. „Wichtig ist ein Netzwerk: Ich helfe den Studierenden direkten Kontakt zu den Schulen und erfahrenen Lehrkräften aufzubauen“, beschreibt sie ihren Ansatz. Besonders hervorzuheben ist das regelmäßige „EduCafé“. Das Format bietet Gelegenheit sich bei Kaffee und Kuchen ungezwungenen auszutauschen.
Trotz aller Herausforderungen, die der Alltag mit sich bringt, blickt Wühr optimistisch in die Zukunft der Absolventen. Die Stellensituation in bayerischen Mittelschulen ist nach wie vor gut. Mit einer klaren Botschaft motiviert sie die Studierenden: „Jeder Lehramtsstudent für Mittelschule, der aktuell sein Studium beginnt, wird eine Stelle bekommen.“
Netzwerk und Perspektiven: Weit mehr als eine Einzelkämpferin
Wührs Mentorinnenstelle an der KU ist Teil einer bayernweiten Initiative zur Unterstützung von Mittelschulstudierenden. Das Programm ist zunächst auf drei Jahre angelegt. Sowohl Wühr als auch der Leiter des Praktikumsamtes der KU, apl. Prof. Dr. Stefan Seit, wünschen sich aber, dass die Arbeit fortgesetzt werden und Wühr in Zukunft das geschaffene Netzwerk zwischen Universität und Schule weiter ausbauen kann. Dabei ist Wühr keine Einzelkämpferin: Sie ist Teil eines bayernweiten Netzwerks von Mittelschulmentorinnen und -mentoren, das an allen bayerischen Universitäten mit Lehramt Mittelschule besteht – von Augsburg über München, Passau, Regensburg, Nürnberg und Bamberg bis nach Würzburg. „Wir stehen in engem und regelmäßigem Austausch, entwickeln gemeinsame Projekte und unterstützen uns gegenseitig in unserer Arbeit“, betont die Mentorin. Während jede Universität das Mentoring individuell an die lokalen Strukturen anpasse, sei der kollegiale Austausch von unschätzbarem Wert. „Ich schätze diese Zusammenarbeit sehr. Der kollegiale Austausch, die gemeinsamen Ideen und das gegenseitige Lernen sind für mich eine große Bereicherung und tragen wesentlich dazu bei, das Lehramt an Mittelschulen bayernweit sichtbar und greifbar zu machen“, so Wühr.
„EduCafé“ am 16. Juli
Das nächste „EduCafé“ findet am Donnerstag, 16. Juli, um 14 Uhr im Raum KAP018 statt. Neben der Möglichkeit zum Netzwerken, steht auch einen Impulsvortrag von Mittelschullehrerin Julia Zettel zum Thema „Beziehungsorientiertes Unterrichten“ auf dem Programm.
Text und Foto: Melena Renner