Von der Forschung in die Praxis: KU-Studierende machen Behandlungsleitlinien für psychische Störungen greifbar
Wissenschaftliche Erkenntnisse sind die Grundlage einer guten psychotherapeutischen Versorgung. Doch wie gelangen sie in den klinischen Alltag? Mit dieser Frage haben sich Studierende an der KU im Rahmen einer Posterkonferenz befasst. Im Mittelpunkt standen wissenschaftlich fundierte Empfehlungen zur Behandlung psychischer Erkrankungen – und die Herausforderung, diese in der Praxis wirksam umzusetzen.
Die Konferenz „Von der Evidenz in die Praxis: Behandlungsleitlinien für psychische Störungen“ machte sichtbar, worauf es an der Schnittstelle von Forschung und Versorgung ankommt: auf verständlich aufbereitetes Wissen, auf den Austausch mit erfahrenen Praktikerinnen und Praktikern und auf den Blick dafür, dass Evidenzbasierung mehr ist als ein theoretisches Prinzip. Gerade in der Psychotherapie sind Behandlungsleitlinien ein wichtiges Instrument, um Forschungsergebnisse zu bündeln und daraus Empfehlungen für die Versorgung von Patientinnen und Patienten abzuleiten.
Dass zwischen wissenschaftlicher Leitlinie und therapeutischem Alltag jedoch kein automatischer Übergang besteht, wurde in den Gesprächen und Vorträgen deutlich. Leitlinien geben Orientierung, ihre Umsetzung hängt aber auch von Versorgungsstrukturen, Fortbildungen und der Frage ab, wie gut sich wissenschaftliche Empfehlungen in konkrete Behandlungssituationen übersetzen lassen. Genau hier setzte das Veranstaltungsformat des Lehrstuhls für Klinische und Biologische Psychologie an: Es sollte nicht nur Wissen vermitteln, sondern den Dialog zwischen Universität und Praxis fördern. Teilnehmende waren nicht nur Bachelorstudierende der Psychologie sowie Studierende des Masterstudiengangs Klinische Psychologie und Psychotherapie. Zugleich waren Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten aus Praxen und Kliniken der Region 10 eingeladen. So entstand ein Austausch, in dem wissenschaftliche Perspektiven und Erfahrungen aus dem Berufsalltag unmittelbar aufeinandertrafen.
In ihren Beiträgen beschäftigten sich die Studierenden mit unterschiedlichen psychischen Störungen und den dazugehörigen Behandlungsleitlinien. Die Poster zeigten, wie differenziert sich psychotherapeutische Empfehlungen aufbereiten lassen – und wie wichtig es ist, diese nicht nur fachlich korrekt, sondern auch verständlich und praxisnah zu vermitteln. Die Diskussionen an den Posterständen machten deutlich, dass die Arbeit mit Leitlinien für angehende Psychologinnen und Psychologen nicht allein eine Frage des Fachwissens ist, sondern auch der professionellen Einordnung und Kommunikation.
Dr. Sabine Zaudig (ganz rechts) beim Posterrundgang
Fachlich gerahmt wurde die Konferenz durch zwei Keynotes. Prof. Dr. Rita Rosner, Inhaberin des Lehrstuhls für Klinische und Biologische Psychologie und Leiterin der Psychotherapeutischen Hochschulambulanz, sprach über die Bedeutung evidenzbasierter Psychotherapie in der klinischen Praxis. Sie berichtete aus ihrer langjährigen Erfahrung bei der Entwicklung von Behandlungsleitlinien und zeigte auf, warum wissenschaftlich fundierte Empfehlungen für die Versorgung von Patientinnen und Patienten wichtig sind. Trotz verfügbarer evidenz- und konsensbasierter Leitlinien für psychische Störungen bestünden in der psychotherapeutischen Praxis weiterhin Unsicherheiten und Hürden bei der Anwendung evidenzbasierter Verfahren, so Rosner. Daher spielten Leitlinien eine zentrale Rolle bei einer qualitätsgesicherten Versorgung. Dr. Sabine Zaudig, psychologische Psychotherapeutin und in zahlreichen Fachverbänden sowie als Gutachterin tätig, beleuchtete die Chancen und Herausforderungen bei der Umsetzung von Behandlungsleitlinien. Deren Umsetzung in der psychotherapeutischen Praxis erfordere geeignete Versorgungsstrukturen, praxisnahe Fortbildung und einen engen Austausch zwischen Forschung und klinischer Anwendung.
Ausgezeichnet wurden zum Abschluss zwei Studierendengruppen für besonders gelungene Poster. Der erste Preis ging an Jana Drastik, Emely Nutz und Angela Kopf für ihre Arbeit zur S3-Behandlungsleitlinie für Angststörungen mit Schwerpunkt soziale Phobie. Den zweiten Preis erhielten Anna Duden, Carmen Beck und Miles Rippel für ihr Poster zur S3-Versorgungsleitlinie bei unipolarer Depression.
Organisiert wurde die Konferenz von den Dozierenden Bianca Schreyer und Gabriel Thoma im Rahmen des Moduls „Klinische Psychologie V: Verfahrenslehre 2, Berufsethik und Berufsrecht“. Das Projekt war als Service-Learning-Projekt angelegt und wurde durch das Programm Uniservitate gefördert. Wer sich selbst ein Bild von den Ergebnissen machen möchte, hat dazu am 8. Juli zwischen 8 und 12 Uhr Gelegenheit: Dann wird das Projekt am Marktplatz in Eichstätt (vor Marktplatz 7) präsentiert.