Preise

Seit 1992 vergibt die Maximilian-Bickhoff-Universitätsstiftung am jährlichen Dies Academicus der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt Preise für hervorragende Studienabschlüsse, um besonderen Leistungen im Studium sichtbare Anerkennung zu gewähren und zu weiteren Anstrengungen in Wissenschaft und Beruf zu ermutigen.

Preisträgerinnen und Preisträger

2020: Fabienne Karl und Jakob Rom

In 2020 ging der Preis für besondere Leistungen im Studium zu gleichen Teilen an Frau Fabienne Karl und Herrn Jakob Rom.

Fabienne Karl

Gemmen mögen für viele kein geläufiger Begriff sein, und auch für manche Archäologen ist das Material nicht besonders gut greifbar. Für die Antike sind sie dennoch nicht in ihrer Bedeutung zu unterschätzen. In ihrer Bachelorarbeit “Bilderwelt in Miniatur: Die römischen Gemmen aus Ruffenhofen und Umgebung“, die von Jun.-Prof. Dr. Nadin Burkhardt betreut wurde, arbeitete Fabienne Karl den kleinen Fundus an Gemmen des LIMESEUM in Ruffenhofen auf.

Insbesondere wurden die kleinen Darstellungen auf den Edelsteinen untersucht. Über deren Aussagekraft werden Rückschlüsse auf den Besitzer der jeweiligen Gemmen gezogen, und diese somit einem bestimmten Kontext zugeordnet. Die Gemmen weisen bestimmte Gestaltungsmerkmale auf und werden oftmals mit allgemein gültigen Vorstellungen verbunden. Besonders interessant ist, wie sich diese Ergebnisse mit ihrem Fundort in Verbindung bringen lassen. Durch die genaue Untersuchung konnte festgestellt werden, wie weitreichend das Netz an Bedeutungsebenen eigentlich ist. Die Aufarbeitung der Gemmen ermöglicht ein ausgeprägtes Verständnis von der damaligen Wirkung einzelner Motive und kann somit auf den Menschen selbst Bezug nehmen.

 

Fabienne Karl wurde 1997 in Mainburg in Niederbayern geboren. Nach dem Abitur begann sie noch im selben Jahr ihr Studium an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Sie belegte die Studienfächer Klassische Archäologie, Alte Geschichte und Kunstgeschichte. Von vornherein stand Archäologie als Hauptfach fest. Sie arbeitete während des Studiums als studentische Hilfskraft an verschiedenen Lehrstühlen und war mitverantwortlich für die Neugründung der Fachgruppe Klassische Archäologie in Verbindung mit der Kunstgeschichte. Um praktische Erfahrung zu sammeln, nahm sie an verschiedenen Ausgrabungen und einer Auslandskampagne teil, wobei ihr Interesse für die archäologischen Hinterlassenschaften ihrer Umgebung zunahm.  Nach ihrer Bachelorarbeit arbeitete sie für einige Zeit als Ausgrabungsassistentin, um anschließend Jun.-Prof. Dr. Nadin Burkhardt bei ihrer Lehrgrabung im Sommer 2020 zu unterstützen. Fabienne Karl wird ihren Master an der LMU in München im Fachbereich der Provinzialrömischen Archäologie weiterführen.

Jakob Rom

Für seine Masterarbeit „Zwischen Land und Meer: Eine (halb-) automatisierte Klassifizierung und Prozessierung von LiDAR-Daten zur Detektion potentieller archäologischer Fundstellen zum bronzezeitlichen Zedernholzhandel in der Chekka-Region (Libanon)“, betreut von PD Dr. Florian Haas vom Lehrstuhl für Physische Geographie, arbeitete Jakob Rom transdisziplinär zwischen Archäologie und Physischer Geographie und damit an der Schnittstelle zwischen Geistes- und Naturwissenschaften.

Zusammen mit weiteren Mitarbeitern der KU, österreichischen und libanesischen Archäologen sowie dem libanesischen Militär war Jakob Rom an der ersten wissenschaftlichen Laservermessung mittels Helikopter im Libanon beteiligt. Aus den erhobenen Daten fertigte er nicht nur ein hochgenaues Geländemodell an, sondern ermittelte mithilfe eines eigens entwickelten Modells mögliche Fundorte bronzezeitlicher Siedlungen und rekonstruierte antike Handelsrouten. Die Ergebnisse aus seiner Masterarbeit erlauben es den Archäologen, zielgerichtete Feldkampagnen vor Ort durchzuführen und potentiell neue Ausgrabungsstellen in einer Region zu finden, die schon seit Beginn der Siedlungsgeschichte des Menschen Knotenpunkt verschiedener Kulturen war.

Auf einer archäologischen Tagung in Wien (CHNT 24) konnte Rom seine Resultate internationalem Fachpublikum präsentieren und wurde dabei mit dem „Best Student Paper Award“ ausgezeichnet. Im Oktober 2020 wurde zudem ein Artikel über seine Arbeit in der Fachzeitschrift „Open Archaeology“ veröffentlicht.

Jakob Rom wurde 1994 in Neustadt a. d. Waldnaab geboren. Nach dem Abitur absolvierte er das Bachelorstudium der Geographie an der Universität Bayreuth. 2017 wechselte er schließlich für den Masterstudiengang „Umweltprozesse und Naturgefahren“ an die KU Eichstätt-Ingolstadt. Sein Masterstudium schloss er im Dezember 2019 erfolgreich ab. Schon während des Masterstudiums war er als studentische Hilfskraft am Lehrstuhl für Physische Geographie tätig. Seit Januar 2020 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am genannten Lehrstuhl und fertigt im Forschungsprojekt SEHAG seine Dissertation an. In diesem Projekt erforscht er die Veränderungen hochalpiner Geosysteme und die dort ablaufenden geomorphologischen Prozesse in Bezug zum Klimawandel.

2019: Katharina Goßmann

Katharina Goßmann

In ihrer Masterarbeit mit dem Titel „Der Einfluss von Postmigrationsfaktoren auf die tägliche psychische Befindlichkeit junger Flüchtlinge in Bayern – Eine Ambulatory Assessment Untersuchung“ hat Katharina Goßmann die bis dahin erste Ambulatory Assessment-Erhebung mit jungen Flüchtlingen durchgeführt.

Das Studiendesign umfasste ein Interview  zu demografischen Variablen, erlebten Traumata, posttraumatischen Belastungssymptomen, psychisch-pathologischen Symptomen für Depression, Angst, externalisierenden sowie internalisierenden Auffälligkeiten und kritischem Drogenkonsum sowie zu Diskriminierungserfahrungen, sozialen Unterstützungssystemen und Ressourcen. Im Anschluss folgten über zwei Wochen hinweg dreimal täglich Befragungen der Jugendlichen per Smartphone zu psychischer Befindlichkeit, Schlafqualität und -dauer, zu sozialen Interaktionen, Diskriminierungserfahrungen sowie positiven Aktivitäten.

In der Studie zeigte sich unter anderem, dass sich die berichteten Symptome auch in der täglichen Befindlichkeit der Jugendlichen wiederfanden: Diejenigen mit einer hohen symptomalen Belastung im Interview berichteten auch im Alltag über mehr innere Unruhe, intensivere schlechte Stimmung, mehr Müdigkeit und geringere Schlafqualität. Die im Rahmen der Masterarbeit durchgeführte Untersuchung gibt einen Hinweis darauf, dass junge Flüchtlinge oftmals multiple Traumata erlebt haben und die damit zusammenhängenden psychischen Symptome deren Alltag prägen. Der hohe Unterstützungsbedarf dieser sensiblen Gruppe wird im Rahmen der Studie deutlich.

Katharina Goßmann wurde 1991 in Talmenka in der russischen Region Altai geboren. Sie wuchs in Neumarkt in der Oberpfalz auf. Nach ihrem Abitur und einer Auslandstätigkeit als Lehrerin in Indien studierte sie Lehramt an Grundschulen sowie Psychologie mit schulpsychologischem Schwerpunkt (erstes Staatsexamen und B. Sc. Psychologie) an der KU.

Anschließend absolvierte Katharina Goßmann ein Masterstudium Psychologie in Eichstätt und am Canisius College in Buffalo (USA). Seit 2019 ist Katharina Goßmann als Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Klinische und Biologische Psychologie der KU von Prof. Dr. Rita Rosner tätig.

Während ihres gesamten Studiums war Katharina Goßmann Mitglied im Gemeinderat der Katholischen Hochschulgemeinde Eichstätt. Außerdem engagierte sie sich bei der Studentenmission Deutschland, im Besuchsdienst des Eichstätter Krankenhauses, als Mentorin beim Arbeitskreis International sowie im Rahmen ihres Stipendiums bei der Stiftung der deutschen Wirtschaft.

2018: Frederica Frank und Stephan Fouquet

 

In 2018 ging der Preis für besondere Leistungen im Studium zu gleichen Teilen an Frau Frederica Frank und Herrn Stephan Fouquet.

Frederica Frank

Frederica Frank erhielt einen Preis für ihr besonderes Engagement im Rahmen ihres Masterstudiums in Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Marktorientierte Unternehmensführung, das sie mit Auszeichnung und als Beste ihres Semesters abgeschlossen hatte.

Während ihres Studiums an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der KU zog es Frederica Frank immer wieder ins Ausland. So absolvierte sie studienbegleitende Aufenthalte an Partneruniversitäten in Litauen, Japan und China. Parallel zum Studium engagierte sie sich in verschiedenen Organisationen. Dabei hat sie unter anderem Aufgaben in der studentischen Organisation „DenkNachhaltig! e.V.“ übernommen und war hier an der Organisation des „Dialogue on Sustainability“ beteiligt. Während mehrerer Semester übernahm sie als ehren­amtliche Tutorin die Betreuung von Austauschstudierenden. Hierbei hat sie die internationalen Studierenden bei administrativen Schritten sowie beim Einleben in Ingolstadt unterstützt und stand ihnen als Ansprechpartnerin zur Seite.

Um im Rahmen des Studiums erlerntes theoretisches Wissen in die Praxis umzusetzen, hat Frederica Frank zusätzlich als Werkstudentin und Praktikantin in verschiedenen Industrieunternehmen kontinuierlich wertvolle Praxiserfahrung gesammelt.

Frederica Frank wurde 1991 in Heilbronn geboren. Nach dem Abitur absolvierte sie ein Freiwilliges Soziales Jahr in einer gerontopsychiatrischen Tagespflegeeinrichtung, bevor sie ihr Bachelorstudium im Bereich Wirtschaftsrecht an der Universität Hamburg aufnahm. 2015 begann Frederica Frank schließlich ihr Masterstudium in Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt marktorientierte Unternehmensführung an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, das sie im Frühjahr 2018 erfolgreich abschloss. Seit Juni 2018 arbeitet sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Dienstleistungsmanagement von Prof. Dr. Jens Hogreve. Hier erforscht sie im Rahmen eines vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur geförderten Forschungsprojekts gesellschaftliche Aspekte des automatisierten Fahrens.

Stephan Fouquet

Stephan Fouquet

Die Inhalte des Forum K'Universale und der KU-Wintervortragsreihe zeigen die aktuelle Popularität des Populismus als Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen. Bislang weitgehend unerforscht, tagespolitisch aber relevanter denn je (siehe USA, Italien oder Brasilien) ist der Einfluss des Populismus auf Außenpolitik. Diese Thematik ergründete Stephan Fouquet in seiner Masterarbeit, die von Prof. Dr. Klaus Brummer betreut, und für die er nun mit dem Preis der Maximilian-Bickhoff-Universitätsstiftung ausgezeichnet wurde.

Zwei Dimensionen werden in der Arbeit besonders deutlich. Einerseits können populistische Regierungschefs komplexe außenpolitische Themen als einen dualen lnteressenskonflikt zwischen „dem Volk“ und einer (inter-)nationalen „Elite“ wahrnehmen und sich kompromisslos für die Präferenzen „ihres“ Volkes einsetzen. Andererseits dient eine entsprechend polarisierende und bewusst undiplomatische Rhetorik auch der Mobilisierung breiter innenpolitischer Unterstützung. Mit deren Legitimation kann die (außenpolitische) Entscheidungsgewalt gezielt an der Spitze der Exekutive zentralisiert werden. Beide Dimensionen stehen in einem Spannungsverhältnis, das die Interpretation typischer populistischer Handlungsmuster erschwert: Geht es Regierungschefs bei Konflikten mit multilateralen Organisationen tatsächlich um (ihre subjektive Idee) eines „wahren“ Volkswillen oder verfolgen sie letztendlich eher eine strategische Personalisierung ihrer Regie-rungsmacht? Dieser Frage widmet sich Fouquet weiterhin.

Stephan Fouquet (geb. Ernst) wurde 1989 in Kronach geboren. Nach dem Abitur 2008 und einer Ausbildung zum Fachmann für Systemgastronomie in Straubing studierte er seit 2011 BA International Management in Deggendorf und Buenos Aires sowie von 2015 bis 2017 im Master Internationale Beziehungen an der KU. Praxiserfahrung sammelte er bei Lufthansa in Frankfurt und bei den Think Tanks FIEL in Buenos Aires und SWP in Berlin. Daneben engagierte er sich in Eichstätt bei der christlichen Hochschulgruppe der Studentenmission Deutschland. Seit 2018 arbeitet er als Stipendiat der Konrad-Adenauer-Stiftung an einer Dissertation zu außenpolitischen Entscheidungsprozessen populistischer Regierungschefs und ist am Lehrstuhl für Internationale Beziehungen tätig.

2017: Maria Selmaier

Maria Selmaier

In ihrer Masterarbeit „entre deux – Zwischen Erzählern, Geschlechtern und Kulturen. Tahar Ben Jellouns Romane L’enfant de sable und La nuit sacrée“ behandelt Maria Selmaier zwei im späten 20. Jahrhundert erschienene Werke des 1944 in Fes (Marokko) geborenen und seit 1971 in Paris lebenden Autors Tahar Ben Jelloun. Er gilt als bedeutendster Vertreter der französischsprachigen Literatur aus dem Maghreb.

Tahar Ben Jellouns allein schon in seiner Biographie manifest werdende Zwischenstellung zwischen zwei Kulturkreisen lässt ihn, wie so viele maghrebinische Autoren französischer Sprache, durch sein Schreiben in der Sprache des ehemaligen Kolonisators zu einem Grenzgänger zwischen den Kulturen werden, was ihn förmlich zwingt, sich mit den Problemen und Konflikten des Kontakts der Kulturen auseinanderzusetzen. Dies äußert sich in den beiden für diese Arbeit ausgewählten Werken durch eine Vielzahl von identitären, kulturellen, gesellschaftlichen, literarischen und ästhetischen Fragestellungen und Problematisierungen.

Auch wenn L’enfant de sable (1985, deutsch: Sohn ihres Vaters) und La nuit sacrée (1987, deutsch: Die Nacht der Unschuld) als voneinander unabhängige Romane erschienen sind, können sie wegen ihrer zahlreichen inhaltlichen, bildlichen und motivischen Verbindungen als semantische Einheit gelesen werden. Wie bei einem Diptychon, einem zweigeteilten Gemälde, das durch Scharniere verbunden ist, können beide Teile zwar isoliert voneinander betrachtet werden, gewinnen jedoch durch die Einbeziehung des jeweils anderen zusätzliche Facetten hinzu.

Leitendes Konzept der Untersuchung der beiden Romane durch Maria Selmaier ist, wie der Titel ihrer Masterarbeit bereits ankündigt, das entre-deux, die Zwischenposition, welche die Texte selbst in vielerlei Hinsicht einnehmen. So befassen sich beide Texte mit der Frage von Oralität und Literalität, den Modalisierungen des Erzählens und des Erzählten, den komplexen Problemen der Geschlechtlichkeit im doppelten Wortsinn sowie der Funktion der Intertextualität. Alle vier Ansatzpunkte zeugen zugleich von einem umfassenden Dialog der Kulturen, der nicht nur die Biographie des im französischen Exil lebenden Autors prägt, sondern, wie der abschließende Teil der Arbeit zeigt, die Literatur selbst zu einem Zwischen-Raum und einem „dritten Ort“ werden lässt.

Betreut wurde Selmaiers Masterarbeit von Prof. Dr. Barbara Kuhn am Lehrstuhl für Romanische Literaturwissenschaft I.

Maria Selmaier wurde 1991 in Landshut geboren. Nach ihrem Abitur am Karl-Ritter-von Frisch Gymnasium in Moosburg begann sie 2010 ihr Lehramtsstudium für Gymnasium mit den Fächern Französisch und Spanisch an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Das hier angebotene Studienmodell Lehramtplus ermöglichte es Maria Selmaier, neben dem Staatsexamen auch einen Bachelor- und einen Masterabschluss zu erwerben. Während des Bachelorstudiums verbrachte sie ein Auslandssemester in Südfrankreich am Institut Catholique de Toulouse.

Neben ihrem Studium engagierte sie sich im Besuchsdienst des Eichstätter Krankenhauses und in der Flüchtlingshilfe des Malteser Hilfsdienstes. In der Bigband der Universität spielte sie Saxophon.

Erste Erfahrungen in der Lehrtätigkeit sammelte Maria Selmaier als Tutorin an den Lehrstühlen für Romanistische Literatur- und Sprachwissenschaft der Katholischen Universität. Im Frühjahr dieses Jahres begann sie ihr Referendariat am Emil-von-Behring Gymnasium in Spardorf. Aktuell ist die Preisträgerin als Referendarin am Clavius-Gymnasium in Bamberg tätig.

2016: Katharina Henning

Katharina Henning

Vor allem in Zeiten der Krise sind sie gefragt: einfache Rezepte für garantierten Erfolg. In ihrer Masterarbeit mit dem Titel „Warum so negativ? Constructive News – ein neues Journalismus-Konzept und seine Umsetzung in Deutschland“ beschäftigt sich Katharina Henning mit der Tatsache, dass Massenmedien die Welt jeden Tag als einen Ort des Schreckens skizzieren. Die Arbeit entstand am Studiengang Journalistik und wurde von Prof. Dr. Klaus Meier betreut.

Gewalt bringt Quote. „Only bad news is good news“. Konstruktiver Journalismus steuert dem Mythos entgegen, dass der Erfolg von Massenmedien vom Einsatz einer gewissen Dosis Blut und Brutalität abhängig ist. Dabei handelt es sich um einen nicht ganz neuen, aber modernen Zugang für einen Journalismus, der neben den Schattenseiten auch das Positive zeigt, der das Gelingen und die guten Beispiele in den Vordergrund stellt und auf diese Weise viele neue Leser, Zuhörer und Zuschauer hinzugewinnen soll.

Häufig werden positive Entwicklungen oder potenzielle Lösungsansätze bei der Berichterstattung außen vor gelassen und dem Nachrichtenfaktor Negativität eine höhere Relevanz eingeräumt. Die Folge: Das Bild der Realität gerät in Schieflage und Menschen wenden sich von den Medien ab. Redaktionen in Skandinavien und den USA haben bereits gute Erfahrungen mit Konstruktivem Journalismus gemacht und berichten von einer deutlichen Reichweitensteigerung. Hierzulande findet der Ansatz zwar eher abseits der breiten Masse statt, dennoch setzen sich mittlerweile auch immer mehr Redaktionen von Mainstream-Medien damit auseinander: So sprachen sich 2015 mit ZDF-Moderator Claus Kleber und ARD-Aktuell-Chefredakteur Kai Gniffke zwei namhafte deutsche TV-Journalisten dafür aus, im Zuge der Flüchtlingsdebatte vermehrt konstruktiv zu berichten.

Katharina Henning befragte im Rahmen ihrer Masterarbeit Journalisten verschiedener deutscher Zeitungen und Magazine, die bereits Erfahrungen mit dem lösungsorientierten Ansatz gesammelt und diese Form der Berichterstattung bereits in ihren Arbeitsprozess integriert haben. Darunter Redakteure u. a. von Die Zeit, taz, brand eins, enorm, Perspective Daily und OYA.

Das Konzept wird jedoch häufig missverstanden. Es geht nicht darum, unkritisch zu sein, die Welt schönzufärben, oder um Wohlfühl-Journalismus, der Geschichten über süße Katzenbabys erzählt. Konstruktiver Journalismus benennt klar das Problem, geht aber noch einen entscheidenden Schritt weiter: Er weist auf Vorschläge für Alternativen hin und fragt nach Perspektiven. Die Befragten sahen keinen Widerspruch zur journalistischen Kernaufgabe als vierte Macht im Staat: Man könne gleichzeitig konstruktiv und kritisch über Themen mit gesellschaftlicher Relevanz berichten. Zudem bestehe großes Potenzial für die Entwicklung neuer Formate und Erzählformen, die mit Motivation oder positiven Assoziationen verbunden sind. Darüberhinaus könne man mit dem Konzept langfristige Trends und Entwicklungen deutlich machen und so die Wirkungsweise eines Lösungsansatzes besser erfassen.

Wo Dauerkrisen und Probleme sind, wächst die Sehnsucht nach potenziellen Lösungen. Immer mehr Journalisten interessieren sich für eine Erweiterung des Blicks in genau diese Richtung und wollen mehr zum gesellschaftlichen Wandel beitragen. Es ist wie Links- oder Rechtshänder zu sein: Wir bevorzugen eine Hand, können aber mit etwas mehr Mühe auch die andere verwenden. 

Katharina Henning wurde 1988 in Nürnberg geboren und studierte im Anschluss an das Abitur den Bachelor „Medien und Kommunikation“ an der Universität Passau. Durch zahlreiche Praktika und freie Mitarbeiten konnte sie ihr journalistisches Profil schärfen und schließlich den Master „Journalistik mit dem Schwerpunkt Innovation und Management“ an der KU in diesem Jahr absolvieren. Seitdem arbeitet Katharina Henning als Redakteurin u. a. für die Süddeutsche Zeitung und die ARD in München.

2015: Jonas Ludäscher

Jonas Ludäscher

In seiner von Prof. Dr. Bardo M. Gauly betreuten Bachelorarbeit im Fach Klassische Philologie beschäftigt sich Jonas Ludäscher mit dem ersten Buch der Amores Ovids, des chronologisch letzten Vertreters der subjektiven römischen Liebeselegie. Dieses 15 einzelnen Elegien sowie ein einleitendes Epigramm umfassende Buch analysierte und interpretierte er mittels der von Gerard Genette in den 1960er Jahren entwickelten narratologischen Kriterien. Dabei mag es zunächst gewagt erscheinen, eine anhand eines Romans von Marcel Proust (A la recherche du temps perdu dient Genette als Bezugswerk) entwickelte Theorie auf einen Text anzuwenden, der nicht nur etwa zweitausend Jahre älter ist, sondern darüber hinaus aus einzelnen, scheinbar unverbundenen Gedichten besteht. Allerdings erweisen sich Genettes Kategorien als epochenübergreifend anwendbar. Denn sowohl die Unterscheidung von „Geschichte“, verstanden als der eigentliche Inhalt, und „Erzählung“ (oder Narration), also der Art und Weise, wie dieser Inhalt vermittelt wird, als auch die von Genette entwickelten Merkmale einer Narration finden sich auch bei Ovid (und anderen antiken Autoren) wieder und lassen sich für eine Interpretation fruchtbar machen. Für Ludäschers Untersuchung am wichtigsten sind dabei die Fokalisierung (die Analyse dieser Kategorie beantwortet die Frage „wer sieht, fühlt oder weiß etwas?“) und vor allem die Stimme, also die Frage nach der Erzählerfigur und deren Rolle, Funktion und Status in Erzählung und Geschichte.

So konnte Jonas Ludäscher in seiner Arbeit in Abgrenzung zur älteren und in Ergänzung zur neueren latinistischen Forschung herausarbeiten, dass der Erzähler zwar die zentrale Figur der Amores ist, dass es aber nicht einen einzigen Erzähler gibt, sondern zwei verschiedene, die sich auch innerhalb des Werkes klar voneinander unterscheiden lassen. So tritt in den Randgedichten – also dem ersten und letzten des Buches – der Erzähler als Dichter auf, der über sich selbst, sein Werk und das Zustandekommen desselben reflektiert. Diese Gedichte bilden einen Rahmen um die – teils recht derb-frivole aber auch witzige – Liebesgeschichte, die in den übrigen Gedichten erzählt wird. Ging die ältere Forschung noch von einer stark autobiographischen Deutung des Werkes aus, konnte Jonas Ludäscher den fiktionalen, aber auch besonders den erzählerisch anspruchsvollen Charakter des Werkes betonen. Mit ihrer anspruchsvollen Fragestellung und mit ihrer selbständig erarbeiteten Lösung leistet die Untersuchung weit mehr, als man von einer Bachelorarbeit erwarten darf. Sie kann schon als eigenständige wissenschaftliche Leistung angesehen werden – die nach einer Fortsetzung verlangt.

Jonas Ludäscher wurde 1988 in Konstanz geboren. Am Heinrich-Suso-Gymnasium in Konstanz lernte er die Sprachen Latein, Englisch und Griechisch, und so bildete sich schon früh seine Neigung zu den Alten Sprachen aus. Im Schulorchester spielte er Oboe und er engagierte sich in der katholischen Gemeinde St. Gallus. Das Abitur legte Jonas Ludäscher im Jahr 2007 mit der Gesamtnote 1,1 ab; für seine sehr gute Gesamtleistung erhielt er einen Preis; zudem wurde er für seine Leistungen in den Alten Sprachen mit dem Preis der ehemaligen Schüler sowie einem Preis der Stiftung „Humanismus heute“ ausgezeichnet.

Im gleichen Jahr nahm Jonas Ludäscher das Studium der Fächer Germanistik und Klassische Philologie an der Albert-Ludwig-Universität Freiburg auf. Zum Sommersemester 2011 wechselte er an die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt und belegte die Studienfächer Latein und Geschichte. Oboe spielt er jetzt im Universitätsorchester. Als studentische Hilfskraft war Jonas Ludäscher in verschiedenen Universitätsbereichen tätig, so zum Beispiel in der Universitätsbibliothek und am Lehrstuhl für Alte Geschichte bei Prof. Dr. Michael Rathmann, wo er am Projekt „Gnomon bibliographische Datenbank“ mitwirkte. Seit November 2012 ist er am Lehrstuhl für Klassische Philologie beschäftigt.

2014: Sarah Bantzhaff und Rufina Gafeeva

 

In 2014 ging der Preis für besondere Leistungen im Studium zu gleichen Teilen an Frau Sarah Bantzhaff und Frau Rufina Gefeeva.

Sarah Bantzhaff

Sarah Bantzhaff

1990 in Illertissen geboren, hat an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt die Fächer Anglistik und Amerikanistik sowie Katholische Religionslehre für das Lehramt an Gymnasien studiert. Sie wird voraussichtlich im Herbst 2015 das erste Staatsexamen ablegen. Ihr berufsbegleitendes Praktikum, das sie beim Arbeiter­Samariter-Bund Ulm absolvierte, sowie Schulpraktika bestätigten sie darin, dass sie mit Menschen zusammenarbeiten und eigenes Engagement in ihren Beruf einbringen möchte.

Seit dem Sommersemester 2014 ist Sarah Bantzhaff als studentische Hilfskraft bei Prof. Dr. Burkhard Zapff am Lehrstuhl für Alttestamentliche Wissenschaft tätig. Seit September 2014 arbeitet sie als Nachhilfelehrerin, was sie immer wieder darin bestätigt, dass sie mit dem Lehramt die richtige Berufswahl getroffen hat.

Sarah Bantzhaff spielt Klarinette und unterstützt den Rollstuhl-Sport als Tischschiedsrichterin beim Rollstuhl-Rugby. Dieses Hobby liegt ihr besonders am Herzen, da Menschen mit Handicap durch das Rollstuhl­Rugby Lebensqualität und Inklusion erfahren.

In ihrer Bachelorarbeit, die von Herrn Prof. Dr. Ulrich Kropač (Lehrstuhl für Didaktik der Religionslehre, für Katechetik und Religionspädagogik) betreut wurde, beschäftigt sich Sarah Bantzhaff mit der theologischen Begründung der Inklusion von Behinderten und mit der Verbindung zwischen Inklusion und Religions-pädagogik, da aus christlicher Sicht die biblisch fundierte Menschenwürde Grundlage aller Menschenrechte ist. Seitdem die UN-Behindertenrechtskonvention im Jahr 2009 Inklusion zum Menschenrecht erklärt hat, sind alle Bildungseinrichtungen aufgefordert, Inklusion in der Bildung zu realisieren. Sarah Bantzhaff schlägt daher in ihrer Studie vor, Inklusion als Lerninhalt in die Schule zu bringen.

Ein weiterer zentraler Punkt ihrer Bachelorarbeit befasst sich mit den neutestamentlichen Heilungserzählungen, die oftmals exklusiv und somit unzureichend gedeutet werden. Die traditionelle Exegese läuft Gefahr, einen Tun-Ergehen-Zusammenhang zwischen Sünde und Behinderung herzustellen. Die Vermittlung einer theologischen Begründung von Inklusion und das Erlernen eines angemessenen Umgangs mit Behinderung im Kontext des Glaubens sind daher von besonderer Bedeutung.

Für eine an Inklusion ausgerichtete Religionspädagogik schlägt Sarah Bantzhaff einen Dreischritt vor, bestehend aus Irritation, Kontrast und Begegnung. Im Gespräch mit einem behinderten Menschen wird Schülerinnen und Schülern vor Augen geführt, was es heißt, auf Inklusion angewiesen zu sein, um ein erfülltes Leben führen zu können.

Physische Barrieren lassen sich durch Umbaumaßnahmen beseitigen. Um Inklusion jedoch zu verwirklichen, bedarf es der Arbeit an Einstellungen und Haltungen. Das im Rahmen ihrer Bachelor-Arbeit erstellte und durchgeführte Unterrichtskonzept trägt dazu bei, die Barrieren in den Köpfen der Menschen abzubauen, weil es die Heranwachsenden an das Menschenrecht Inklusion im Unterricht heranführt und sie Inklusion in der Begegnung erleben lässt.

Rufina Gafeeva

Rufina Gafeeva

1992 in Ufa in Russland geboren, hat Betriebswirtschaftslehre im Bachelor mit dem Schwerpunkt „Internationales Management“ sowie im Master mit dem Schwerpunkt „Marktorientierte Unternehmensführung“ an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Katholischen Universität Eichstätt­Ingolstadt studiert.

Die Masterarbeit „Cross cultural consumer behavior in the context of a global brand. An observational research study in China, United Kingdom, Russia, and Germany'“ entstand am Lehrstuhl für Internationales Management von Prof. Dr. Katja Gelbrich unter der Betreuung von Dr. Holger Roschk. Darin untersuche Rufina Gafeeva, ob Unterschiede im Konsumenten-verhalten aufgrund der jeweiligen kulturellen Orientierung existieren.

Die Idee zur Masterarbeit entstand während ihres Auslandssemesters an der Partneruniversität Sun Yat­Sen University in Guangzhou/China. Zur Generierung der Daten führte Rufina Gafeeva eine quantitative Beobachtungsstudie in vier Ländern und acht Städten durch: China (Peking, Guangzhou), Schottland (Edinburgh, St. Andrews), Russland (Moskau, St. Petersburg) und Deutschland (Berlin, München). In Kaffeehäusern der Starbucks Coffee Company wurde das Verhalten chinesischer, schottischer, russischer und deutscher Konsumenten untersucht.

Starbucks als Durchführungsort ermöglicht es aufgrund der standardisierten Produkt- und Dienstleistungsprozesse, Verhaltensunterschiede im Kundenverhalten direkt auf die Kultur zurückzuführen. Die reine Beobachtungsdauer umfasste insgesamt mehr als 250 Stunden. Die strukturierte Beobachtung lieferte quantitative Daten, deren Auswertung mit SPSS erfolgte; geprüft wurden dabei systematische Unterschiede zwischen den Ländergruppen unter anderem mit Hilfe einer Varianzanalyse.

Eine aktuelle Theorie besagt, dass persistente kulturelle Unterschiede existieren und Einfluss auf das Konsumentenverhalten ausüben. Im Einklang damit stellt die Studie von Rufina Gafeeva fest, dass die vier untersuchten Kulturgruppen signifikant unterschiedliche Konsumpraktiken haben. So wurde in der Studie gezeigt, dass russische und chinesische Konsumenten am ehesten digitale Bezahlformen nutzen, wohingegen deutsche Konsumenten Bargeldbezahlung bevorzugen. Britische Konsumenten sind am ehesten bereit innovative Bezahlformen wie das Mobile Payment zu nutzen.

Auch die Altersstruktur und die Begleitung der Kunden sowie deren Verhalten nach dem Kauf variierten stark zwischen den Ländern und können auf unterschiedliche Besuchsziele und Nutzungsformen der globalen Kaffeekette hinweisen. Mit der in der Studie gewonnenen Erkenntnis, dass die Unterschiede in der Kultur die wahrscheinlichste Erklärung für die Unterschiede im Konsumentenverhalten bieten, werden Implikationen und Vorschläge für die Forschung zum Konsumentenverhalten sowie für die Praxis zu internationalen Marketingstrategien für globale Unternehmen formuliert.

Das in der Masterarbeit entwickelte Interesse am wissenschaftlichen Arbeiten findet seine Fortsetzung in der Arbeit an der Promotion. Seit Oktober 2014 promoviert Rufina Gafeeva an der Cologne Graduate School in Management, Economics and Social Sciences mit dem Schwerpunkt „Comparative Social Research“ im Rahmen eines DFG-Promotionsstipendiums. Auch im Promotionsstudium möchte sie sich weiterhin mit marktorientierten Fragestellungen rund ums Konsumentenverhalten befassen an der Schnittstelle zwischen Psychologie, Wirtschafts- und anderen Sozialwissenschaften.

1991 - 2013

Von 1991 bis 2013 hat die Maximilian-Bickhoff-Universitätsstiftung insgesamt mehr als 150 Preise vergeben.