DFG-gefördertes Graduiertenkolleg "Practicing Place. Soziokulturelle Praktiken und epistemische Konfigurationen" (GRK 2589)

Im Juli 2020 hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) die Einrichtung und Förderung eines internationalen, interdisziplinären Graduiertenkollegs mit dem Titel "Practicing Place – Soziokulturelle Praktiken und epistemische Konfigurationen" (GRK 2589/1) an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt beschlossen. Das auf eine Laufzeit von zunächst viereinhalb Jahren (54 Monate) angelegte Kolleg, das von einer Gruppe von neun Professoren/innen und erfahrenen Wissenschaftlern/innen gemeinsam betreut und geleitet wird, wird voraussichtlich zum 01.04.2021 seine Arbeit aufnehmen und Graduierten aus unterschiedlichen sozial-, geistes- und kulturwissenschaftlichen Disziplinen exzellente Bedingungen zur Bearbeitung interdisziplinärer Fragestellungen sowie hervorragende Möglichkeiten zur wissenschaftlichen Qualifizierung, Karriereentwicklung und internationalen Vernetzung bieten. Zu diesem Zweck werden wissenschaftliche Mitarbeiterstellen für zehn Doktorandinnen und Doktoranden für jeweils drei Jahre sowie eine Postdoktorandenstelle bereitgestellt, die bis zum Start des KoIlegs in einem kompetitiven Auswahlverfahren besetzt werden sollen.

Beschreibung:

Das Kolleg widmet sich der interdisziplinären Reflexion der Konzepte Ort und Verortung, denn gerade im Kontext zunehmender globaler Interdependenzen und grenzenlos gewordener medialer Kommunikation gewinnen Orte und Prozesse der (Neu-)Verortung sozial, kulturell und politisch an Brisanz. Leitgedanke des Kollegs ist, dass Orte nur dynamisch, als practicing place gedacht werden können. Entsprechend werden sowohl spezifische Praktiken der Herstellung von Orten und ihre epistemischen Konfigurationen (z.B. das Erfassen, Kartographieren, Imaginieren, Erfahren und Erschreiben von Orten) als auch Situiertheit und Lokalität als Aspekte jeglicher Praxis in den Blick genommen. Jede Praxis ist durch vorgefundene und zugleich durch performativ neu konstituierte und entworfene topoi, Orte und Ortsbezüge gekennzeichnet. Ein erlebter Ort lässt sich nicht statisch im Singular denken oder (etwa als ‚die eine Heimat’) affirmieren; vielmehr muss er als vielfältig und kontrovers entworfenes und erfahrenes, kommunikatives, affektives Bezugssystem analysiert werden. Jede Praxis ist mit Strategien der Relationierung über-, unter- und nebengeordneter Orts-, Raum- und Zeitstränge verbunden: Vereinnahmung, Aneignung, Teilhabe und Ausgrenzung sind Aspekte situativer Verortungen, die in sozialen, ökonomischen, imaginativen, fiktionalen, künstlerischen und medialen Praktiken fortlaufend (re-)produziert werden. Die Leitfrage des Kollegs ist entsprechend, wie Orte in Konfigurationen sedimentierter und gelebter Praxis hergestellt, (de-)stabilisiert, reproduziert und modifiziert werden und wie die so hervorgebrachten Orte wiederum künftige (Verortungs-)Praktiken prägen. Anders gesagt: Die das Kolleg tragende Fragestellung ist weniger an der Frage „Wo und was ist ein Ort?“ interessiert, die eher traditionellen Zugängen entspricht, sondern sie stellt die „Wie“-Frage nach den Verortungspraktiken ins Zentrum des wissenschaftlichen Interesses.

Die besondere interdisziplinäre Zusammensetzung der das Kolleg tragenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ermöglicht eine innovative Verbindung und gegenseitige Fruchtbarmachung von Praxissoziologie, Philosophie, Humangeographie und Literatur- und Kulturwissenschaften. Im Kolleg arbeiten Promovierende, Postdoktorandinnen und Postdoktoranden mit den betreuenden Hochschullehrerinnen und -lehrern, Projektpartnerinnen und -partnern eng zusammen; letztere stehen für verschiedene, seit langem kontinuierlich ausgebaute disziplinäre Netzwerke. Die Arbeit des Kollegs ist darauf ausgerichtet, die Theoriebildung kreativ und in interdisziplinärem Austausch voranzutreiben und damit junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aktiv in das akademische Arbeiten und in gemeinsames Forschen einzubinden.

Voraussichtlicher Förderzeitraum:

01.04.2021 - 30.09.2025

Geldgeber:

Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG; Förderkennzeichen GRK 2589)

Anzahl der Kollegiaten:

11 + 14 (assoziierte)

Website:

tbd

Qualifizierungskonzept

Die Aufnahme in das Graduiertenkolleg Practicing Place bietet die Möglichkeit einer wissenschaftlichen Weiterqualifizierung unter strukturierten Rahmenbedingungen, inklusive vielfältiger Möglichkeiten zum fachlichen, interdisziplinären und internationalen Austausch. Neben einer intensiven fachlichen Betreuung durch die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ist eine aktive Beteiligung der Kollegiatinnen und Kollegiaten am Forschungsprogramm, beispielsweise im Rahmen der Vorbereitung und Durchführung von größeren Tagungen oder auch in Form selbstorganisierter Arbeitstreffen, vorgesehen. Das Graduiertenkolleg ist durch verschiedene Kooperationen mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern im In- und Ausland vernetzt und unterstützt den Auf- und Ausbau persönlicher Netzwerke unter anderem auch durch Externships an anderen Universitäten und Forschungseinrichtungen. Neben dem fachlich-inhaltlichen Angebot des Graduiertenkollegs besteht Zugang zu den vielfältigen zentralen Angeboten der KU zur Förderung wissenschaftlicher Karrieren.

Ansprechpersonen

Kerstin Schmidt
Prof. Dr. Kerstin Schmidt
Lehrstuhl für Amerikanistik, Mitglied des Leitungsgremiums
Robert Schmidt
Prof. Dr. Robert Schmidt
Inhaber der Professur für Prozessorientierte Soziologie
Gebäude Kapuzinerkloster  |  Raum: KAP-105