DFG-geförderte Projekte (Auswahl)

Abtasttheorie und Basen aus Exponentialfunktionen: neue Techniken in den Grundlagen der Nachrichtentechnik

Antragsteller:
Prof. Dr. Götz Pfander (Mathematisch-Geografische Fakultät; Lehrstuhl für Wissenschaftliches Rechnen)

Beschreibung:
Die Abtasttheorie ist ein aktives Forschungsgebiet der Mathematik und spielt eine zentrale Rolle in den angewandten Wissenschaften und der Elektrotechnik. In den letzten Jahren wurden grundlegende Fortschritte in der klassischen Abtasttheorie und in der Theorie von Basen und Frames aus Exponentialfunktionen erzielt. Zu diesem Zweck wurden neue konstruktive Methoden entwickelt und funktionalanalytische Erkenntnisse, die in den bahnbrechenden Arbeiten zum Kadison-Singer Problem entwickelt wurden, angewendet.Aufbauend auf verschiedenen neuen Konstruktionen von Riesz-Basen von Exponentialfunktionen auf endlichen Vereinigungen von Intervallen werden wir Hierachien von Riesz-Basen für entsprechende Hierarchien von Hilberträumen von Funktionen konstruieren. Darüber hinaus werden wir Ergebnisse bezüglich fehlender gleichmäßiger Konvergenz der Whittaker-Shannon-Interpolationsformel für nicht-quadratintegrierbaren Funktionen auf Rekonstruktionsformeln ausweiten, die auf unregelmäßigen Abtastwerten basieren, wie sie beispielsweise von Papoulis entwickelt wurden. Die positiven Lösung des Kadison-Singer-Problems etablierte die Existenz von Frames aus Exponentialfunktionen für jeden Raum von quadratintegrablen Funktionen auf Mengen mit endlichem Maß. Wir hoffen für diese und ähnliche Anwendungen der Lösung des Kadison-Singer-Problems auf Barrier-Methoden zurückgreifen zu können um verfeinerte und/oder konstruktive Resultate zu erhalten. Wir erwarten, dass die vielfältigen und eng verwandten Forschungsschwerpunkte in diesem Projekt zu einer signifikanten gegenseitigen Befruchtung führen werden.Die hier behandelten Fragen beziehen sich auf Grundlagen der Nachrichtentechnik und haben einen direkten Bezug zu aktuellen Fragestellungen der Datenübertragung. Zum Beispiel zeigt der Satz von Balian-Low für Unterräume, dass das Balian-Low Phänomen selbst für Gabor-Systeme mit nicht-kritischer Dichte nicht vollständig vermeiden kann. Dies kann Auswirkungen auf die Mobilkommunikation der fünften Generation haben, in welcher Zeit-Frequenz-Übertragungsverfahren, wie zum Beispiel Orthogonal-Frequency-Division-Multiplexing, verwendet werden. Wir orientieren uns an diesen Fragestellungen und hoffen, von unserer Zusammenarbeit mit Elektrotechnikern in der Abtasttheorie und der Nachrichtentechnik zu profitieren

Förderer:
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) (Sachbeihilfe)

Laufzeit:
2020 -

Projektwebseite:
 

GEPRIS:
gepris.dfg.de/gepris/projekt/437115893

Accounting und transformatorische Effekte im Profifußball. Eine empirisch-ethnografische Studie zur Soziologie zahlen- und datenbasierter Praktiken des Bewertens und Kritisierens

Antragsteller:
Prof. Dr. Robert Schmidt (Geschichts- und Gesellschaftswissenschaftliche Fakultät; Lehrstuhl Prozessorientierte Soziologie)

Beschreibung:
Das Projekt untersucht die Herstellung, die Verbreitung und die Gebrauchsweisen von Spiel- und Leistungsdaten im professionellen Fußball und bearbeitet zentrale Desiderate der soziologischen Accounting- und Bewertungsforschung. Ausgehend von mikrosoziologischen und ethnografischen Analysen tatsächlicher Datengenerierungs- und Analysepraktiken sowie der damit verknüpften Kontroversen und Konflikte um Deutungsansprüche und Bewertungsprinzipien zielt das Projekt darauf ab, die Forschungen zur Performativität von Accounting empirisch weiterzuentwickeln. Mit der Exploration der (Rück-)Wirkungen zahlenbasierter Analysen und Bewertungen auf Training, Wettkampf, Rekrutierungs- und Vermarktungsstrategien werden zudem sportsoziologische Forschungslücken auf der Gegenstandsebene geschlossen. Das empirische Forschungsdesign kombiniert mobile Verfahren der Multi-Sited Ethnography mit stationären mikroanalytischen Verfahren der Workplace Studies. Die Feldforschung erkundet konkrete Orte der Datenproduktion und Kritik (Vereine, Spielanalysefirmen, Sportmedien, Fanblogs etc.) und beschreibt die Zirkulationswege von Zahlen, Daten und Analysen. Erwartet werden neue Erkenntnisse bezüglich der wirklichkeitserzeugenden und transformierenden Effekte von zahlen- und datenbasierten Accountingpraktiken, die für die sozial- und kulturwissenschaftliche Bewertungs-, Datafizierungs-, Digitalisierungs- und Mediatisierungsforschung von großer Bedeutung sind.

Förderer:
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) (Sachbeihilfe)

Laufzeit:
2019 -

Projektwebseite:
 

GEPRIS:
gepris.dfg.de/gepris/projekt/421870369

Adaptive Kontrolle des Arbeitsgedächtnisses

Antragsteller:
Prof. Dr. Marco Steinhauser (Philosophisch-Pädagogische Fakultät; Lehrstuhl für Allgemeine Psychologie)

Projektbeteiligte:
Prof. Dr. Miriam Gade (MSB Medical School Berlin - Hochschule für Gesundheit und Medizin)

Beschreibung:
Das menschliche Arbeitsgedächtnis (AG) ist ein hochgradig flexibles System, das für die Unterstützung zielgerichteter (kognitiver) Handlungen optimiert ist. Der Preis dieser Flexibilität ist eine strikte Kapazitätsbegrenzung, welche es erforderlich macht, dass der Inhalt des AG kontinuierlich an aktuelle Abrufanforderungen angepasst wird. Das vorliegende Projekt untersucht wie dies mittels Mechanismen der adaptiven Kognitiven Kontrolle erreicht wird. Wir betrachten hierzu drei bekannte Phänomene aus der Literatur zur Kognitiven Kontrolle: der Frequenz-Kongruenz-Effekt, der Kongruenz-Sequenz-Effekt und Post-Fehler Anpassungen. Diese drei Effekte wurden bisher verwendet, um zu beschreiben, wie adaptive Kognitive Kontrolle Aufmerksamkeit zwischen relevanten und irrelevanten Reizen in der Umwelt gewichtet. In diesem Projekt betrachten wir äquivalente Effekte in deklarativen AG-Aufgaben, um zu untersuchen, wie AG-Inhalte modifiziert werden, um sich kontinuierlich an zukünftige Abrufanforderungen anzupassen. Mittels Verhaltens- und EEG-Studien untersuchen wir, (1) auf welchen Ebenen der Repräsentation deklarative AG-Inhalte während Phasen der Enkodierung und Aufrechterhaltung adaptiv modifiziert werden, (2) wie proaktive und retroaktive Kontrollprozesse diese Adaptivität erreichen, und (3) ob die Überwachung von Fehlern und Konflikten in derselben Art zu dieser Fähigkeit beitragen wie dies bei der adaptiven Kontrolle der Aufmerksamkeit der Fall ist. Schließlich soll das Projekt auch bestehende komputationale Modelle des AG weiterentwickeln, indem konflikt-basierte Kontrollmechanismen eingefügt und anhand unserer Daten validiert werden.

Förderer:
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) (Sachbeihilfe)

Laufzeit:
2018 - 2021

Projektwebseite:
fordoc.ku-eichstaett.de/2472/

GEPRIS:
gepris.dfg.de/gepris/projekt/396716553

Archäologische Untersuchungen zu einer Bronzegusswerkstatt in Gerasa (Jordanien) im Licht der Entwicklung der Metallverarbeitungstechnologien während der römischen Kaiserzeit

Antragsteller:

Prof. em. Dr. Gerhard Zimmer (Sprach- und Literaturwissenschaftliche Fakultät; ehemals Professur für Klassische Archäologie)

Beschreibung:

Die französischen Grabungen unter der Leitung von Jacques Seigne auf dem Plateau des Zeustempels in Gerasa haben Teile einer Werkstatt für den statuarischen Bronzeguß freigelegt. Ihre Arbeitszeit liegt in der Mitte des zweiten Jahrhunderts und ist in Verbindung mit der Errichtung des gewaltigen Zeustempels zu sehen. Reste von Schmelzanlagen zeugen von einer neuen Technologie, Formmantelfragmente deuten auf den Guß überlebensgroßer Statuen. Das Zentrum dieser Werkstatt befand sich in der verschütteten nördlichen Kryptoportikus und zwar in deren westlichen Teilstück. Geplant ist die Freilegung dieser Portikus in zwei Etappen. Bei der Werkstatt handelt es sich um den ersten ausführlicherhaltenen Werkstattkomplex römischer Zeitstellung, den wir kennen.Wir wissen um die verschiedenen Arbeiten, die in einer solchen Gießerei stattfanden und können deshalb gezielt nach bestimmten Befunden suchen. Da wir durch jahrelange Forschungsarbeit über die Technologie in griechischen Werkstätten von der Archaik bis zumspäten Hellenismus gut informiert sind, können wir auf dieser Grundlage die Unterschiede der römischen Technologie herausarbeiten. Damit erscheinen die bisherigen römerzeitlichenFunde in einem neuen Licht. Dies erscheint besonders wichtig, weil bisher die Meinung vertreten wird, die Römer seien gerade im Bereich der Bronzekunst wenig innovativ gewesen. Bei der Suche nach der Veränderung von Parametern in der angewandten Technologie wird die numerische Rechnung eine Rolle spielen, wie sie sich bei der Wiedergewinnung griechischer Gußtechnik als hilfreich erwiesen hat.Die Zusammenarbeit mit Gießern, Metallurgen und Archäometern ist abgesprochen. Parallel dazu sollen die bisherigen Funde neu bewertet werden. So ist z.B. der Frage nachzugehen, wie die Entlüftung der rekonstruierten großen Formfragmente bewerkstelligt wurde. Mit Hilfe digitalisierter Aufnahmen der Formmantelfragmente soll über geeignete Programme versucht werden, Aussagen über die Größe der gegossenen Statuen und eventuell auch Hinweise auf das Aussehen zu gewinnen. Wegen der starken Typengebundenheitrömischer Statuen im 2. Jh. besteht hier durchaus die Chance eines Erkenntnisgewinnes. Jacques Seigne wird seine Ergebnisse und die Dokumentation der früheren Grabung ebenso in das Projekt einbringen wie Thomas Weber seine Erfahrung mit den Restaurierungsarbeiten an den Formfragmenten. Es besteht die große Chance bei diesem Projekt Erkenntnisse für die römische Bronzegußtechnologie im östlichen Teil des Reiches zu gewinnen.

Förderer:

Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) (Sachbeihilfe)

Laufzeit:

2020 -

Projektwebseite:

 

GEPRIS:

https://gepris.dfg.de/gepris/projekt/435345043

Behandlung der anhaltenden Trauerstörung mit einer auf anhaltende (prolongierte) Trauer fokussierten Kognitiven Verhaltenstherapie (PROGRID I)

Antragstellerin:

Prof. Dr. Rita Rosner (Philosophisch-Pädagogische Fakultät; Lehrstuhl Klinische und Biologische Psychologie)

Beschreibung:

Prolonged grief disorder (PGD) is a persistent and disabling grief reaction following the death of a significant other, which will be included in the upcoming ICD-11. The prevalence of PGD is estimated to be around 5%, with high comorbidity rates. Cognitive behavioural treatment (CBT) has been shown to be effective in targeting prolonged grief symptoms, but less so with secondary outcomes, e.g., depression and overall mental health. Results of our pilot study showed that somatoform disorders inparticular were surprisingly prevalent in PGD patients, and that an otherwise highly effective griefspecific cognitive behavioural treatment (PG-CBT) was less effective in somatization. This randomized controlled trial will evaluate PG-CBT enhanced with an additional treatment module for somatoform symptoms in comparison to a supportive control condition with basic therapeutic elements (Present- Centered Therapy, PCT). 204 PGD patients will be randomized to either PG-CBT or PCT to show arelevant minimal clinical difference of 5.5 points in mean change at the PG-13 severity scale between baseline and 12 month follow-up between the groups, with a power of 80%, alpha level of 5%. The procedure is designed to avoid bias as much as possible (stratification, blind outcome assessment, ITT analysis, balanced treatment dose, control for allegiance effects). Results will advance and inform the development of treatment guidelines for this new diagnosis internationally as well as nationally.

Förderer:

Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) (Klinische Studien)

Laufzeit:

2017 -

Projektwebseite:

http://fordoc.ku-eichstaett.de/2326/

GEPRIS:

https://gepris.dfg.de/gepris/projekt/286629540

Behandlung der anhaltenden Trauerstörung mit einer auf anhaltende (prolongierte) Trauer fokussierten Kognitiven Verhaltenstherapie (PROGRID II)

Antragstellerin:

Prof. Dr. Rita Rosner (Philosophisch-Pädagogische Fakultät; Lehrstuhl Klinische und Biologische Psychologie)

Beschreibung:

Prolonged grief disorder (PGD) is a persistent and disabling grief reaction following the death of a significant other, which will be included in the upcoming ICD-11. The prevalence of PGD is estimated to be around 5%, with high comorbidity rates. Cognitive behavioural treatment (CBT) has been shown to be effective in targeting prolonged grief symptoms, but less so with secondary outcomes, e.g., depression and overall mental health. Results of our pilot study showed that somatoform disorders inparticular were surprisingly prevalent in PGD patients, and that an otherwise highly effective griefspecific cognitive behavioural treatment (PG-CBT) was less effective in somatization. This randomized controlled trial will evaluate PG-CBT enhanced with an additional treatment module for somatoform symptoms in comparison to a supportive control condition with basic therapeutic elements (Present- Centered Therapy, PCT). 204 PGD patients will be randomized to either PG-CBT or PCT to show arelevant minimal clinical difference of 5.5 points in mean change at the PG-13 severity scale between baseline and 12 month follow-up between the groups, with a power of 80%, alpha level of 5%. The procedure is designed to avoid bias as much as possible (stratification, blind outcome assessment, ITT analysis, balanced treatment dose, control for allegiance effects). Results will advance and inform the development of treatment guidelines for this new diagnosis internationally as well as nationally.

Förderer:

Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) (Klinische Studien)

Laufzeit:

2021 - 2023

Projektwebseite:

 

GEPRIS:

gepris.dfg.de/gepris/projekt/286629540

Besteuerung und Unternehmensproduktivität

Antragstellerin:

Prof. Dr. Dominika Langenmayr (Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät; Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre, insb. Finanzwissenschaft)

Beschreibung:

Die Entwicklung der Produktivität von Firmen ist ein entscheidender Faktor für ein langfristiges Wirtschaftswachstum. Während sich die Firmenproduktivität in Europa über die Zeit zum Teil recht unterschiedlich entwickelt hat, wurden diese Unterschiede in der Literatur bisher weitgehend ignoriert. Inwieweit die Politik und insbesondere die Steuerpolitik auf das Produktivitätswachstum Einfluss nehmen kann, ist daher eine noch unerforschte Frage. Ziel dieses Forschungsvorhabens ist es folglich, sich eingehender mit der Rolle der Steuerpolitik bei der Erklärung und Förderung des Produktivitätswachstums auseinanderzusetzen. Hierzu werden drei zusammenhängende Forschungsfragen beantwortet werden. Im ersten Schritt werden mithilfe eines simplen Modells mit heterogenen Firmen potenzielle Produktivitätskanäle erklärt und der Zusammenhang zwischen Produktivität und Steuern empirisch getestet. Dabei werden alle relevanten Determinanten des zukunftsorientierten Effektivsteuersatzes untersucht, zu denen auch Maßnahmen gegen Steuervermeidung gehören (z.B. Thin-Capitalization-Regeln, Earnings-Stripping-Regeln). Zur empirischen Identifikation werden große Steuerreformen genutzt, um die möglichen Veränderungen in der Produktivitätsverteilung zu analysieren. Ein konkretes Ziel ist, besser zu verstehen, ob sich diese potenziellen Unterschiede auf Änderungen in der Steuerpolitik oder auf Veränderungen der Unternehmensmerkmale wie Größe oder internationale Aktivitäten multinationaler Konzerne beziehen.In einem zweiten Schritt sollen dann die Auswirkungen des Systems der internationalen Besteuerung (weltweites vs. territoriales Steuersystem) auf die gemessene Unternehmensproduktivität analysiert werden. Als natürliches Experiment dient hier eine große Steuerreform aus dem Jahr 2009, in der das Vereinigte Königreich die Besteuerung von im Ausland erzielten Gewinnen abgeschafft und ein territoriales Steuersystem eingeführt hat. Das Forschungsdesign wird damit dem Differenz-in-Differenzen-Ansatz folgen, bei dem Tochtergesellschaften britischer multinationaler Unternehmen mit Tochtergesellschaften multinationaler Unternehmen mit Sitz in anderen Ländern verglichen werden. Schließlich soll die Rolle von Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten, die ihrerseits durch steuerliche Anreize angetrieben werden, bei der Erklärung der Produktivität von Unternehmen untersucht werden. Um die Auswirkungen von Steueranreizen im Zusammenhang mit Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten zu untersuchen, wird ein theoretisches Modell mit endogener Unternehmensproduktivität entwickelt. Ziel des letzten Arbeitspakets ist es, eine Reihe neuer Vorhersagen über das Zusammenspiel von Firmenheterogenität, Größe und dem Standort von (im)materiellen Vermögenswerten und steuerlichen Anreizen zu treffen.

Förderer:

Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) (Teilprojekt zu FOR 2738:  Die Wirkung von internationalen Steuerinstitutionen auf das Verhalten von multinationalen Unternehmen)

Laufzeit:

2019 -

Projektwebseite:

www.ku.de/wfi/vwf/forschung/drittmittel

GEPRIS:

https://gepris.dfg.de/gepris/projekt/428872966

Rezeptionsorientierte Edition der Kirchenjahrespredigten Taulers

Antragsteller:

Prof. Dr. Rudolf Kilian Weigand (Forschungsstelle für geistliche Literatur des Mittelalters)

Beschreibung:

Im beantragten Projekt soll eine umfassend kommentierte rezeptionsorientierte Edition der im ersten Teil des Basler Taulerdrucksüberlieferten Kirchenjahrespredigten erarbeitetwerden. Eine Edition dieser Predigten ist wegen ihrer herausragenden rezeptionsgeschichtlichen Bedeutung ein besonders dringliches Forschungsdesiderat. Sie wurden nämlich anders als die Heiligenpredigten Taulers von beiden Konfessionen der Neuzeit intensiv rezipiert.Indem die geplante Edition einen Quellenbestand erschließt, der für die Erforschung Taulers und seiner Rezeption zentrale Bedeutung besitzt,sollsie die Grundlage bereitstellen für künftige germanistische, historische und theologischeUntersuchungen sowie für die Arbeit angrenzender Disziplinen.

Förderer:

Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) (Sachbeihilfe)

Laufzeit:

2018 - 2021

Projektwebseite:

http://fordoc.ku-eichstaett.de/2423/

GEPRIS:

https://gepris.dfg.de/gepris/projekt/324327054

Ein Humanist beim Aktenstudium: Albrecht von Eyb (1420-1475) als Rechtsgelehrter

Antragsteller:

Prof. Dr. Thomas Wetzstein (Geschichts- und Gesellschaftswissenschaftliche Fakultät; Lehrstuhl Mittelalterliche Geschichte)

Beschreibung:

Der fränkische Adlige Albrecht von Eyb kann als der wohl bekannteste deutsche Frühhumanist gelten. Wie zahlreiche Altersgenossen aus wohlhabenden Familien begab er sich für sein Jurastudium nach Italien, von wo er nach Aufenthalten in Padua, Bologna und Pavia erst fünfzehn Jahre später (1459) endgültig zurückkehrte. Seine heutige Bekanntheit gründet sich dabei ausschließlich auf seine frühen Leistungen als Humanist, während seine in zahlreichen Rechtsgutachten handschriftlich überlieferte Tätigkeit als Jurist und damit auch der ursprüngliche Grund seines Italienaufenthalts weitgehend unerforscht sind. Das Vorhaben möchte diese seit langem beklagte Forschungslücke schließen und dabei nicht nur unsere Kenntnisse der Biographie und des juristischen Wirkens des deutschen Frühhumanisten wesentlich erweitern, sondern darüber hinaus auch ermitteln, ob die humanistischen Neigungen des Albrecht von Eyb sich im Spiegel seiner Gutachten als Teil eines umfassenden Transfers gelehrter Kultur interpretieren lassen, die der Gelehrte in ihrer Gesamtheit aus Italien mitbrachte. Das Vorhaben erfordert große methodische Vielfalt, da es äußere Form und gelehrte Inhalte der Eybschen Gutachten gleichermaßen berücksichtigt um die Person Albrechts von Eyb in einen in den letzten beiden Jahrzehnten immer besser bekannten historischen Kontext einzuordnen. Eine solide prosopographische Aufarbeitung der Gutachten wird helfen, die bislang unbekannten Personennetze seiner juristischen Tätigkeit den gut bekannten Humanistenkontakten Albrechts gegenüberzustellen, während die etablierten Methoden kodikologischer, paläographischer und rechtshistorischer Forschung ihr Potential vor allem im Vergleich der Handschriften Albrechts mit Handschriften italienischer und deutscher Autoren entfalten werden. Die interdisziplinären Herausforderungen des Vorhabens ermöglichen dabei eine enge Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern aus den Bereichen Rechtsgeschichte, lateinische Philologie und Bildungsgeschichte und bilden die konzeptionelle Grundlage einer internationalen Tagung mit Vertretern der beteiligten Fachdisziplinen. Das Vorhaben versteht sich als Beitrag zu einer empirischen Fundierung der gelehrten Welt des europäischen Spätmittelalters und kontextualisiert praktische Anwendungsfelder gelehrten Wissens jener Zeit in ihren vieldimensionalen Bezügen.

Förderer:

Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) (Sachbeihilfe)

Laufzeit:

2020 -

Projektwebseite:

GEPRIS:

https://gepris.dfg.de/gepris/projekt/433810631

Englische Komparativ-Korrelativ Konstruktionen: The more data, the better

Antragsteller:
Prof. Dr. Thomas Hoffmann (Sprach- und Literaturwissenschaftliche Fakultät; Lehrstuhl Englische Sprachwissenschaft)

Beschreibung:
Eine der beeindruckendsten Eigenschaften menschlicher Sprache ist, dass Sprecher neue grammatische Äußerungen tätigen können, die sie selber so noch nie zuvor gehört haben. Aufgrund dieser Tatsache gehen die meisten Linguisten davon aus, dass die mentalen Grammatiken von Sprechern komplexe Systeme sind, die abstrakter sind als der Input, den Sprecher bekommen. Wie abstrakt die mentalen Repräsentationen von Sprechern allerdings sein müssen, um diese sprachliche Kreativität zu erlauben, ist umstritten. Um dieser Frage nachzugehen, konzentriert sich die vorliegende Studie auf einen bestimmten Konstruktionstyp, den sogenannten englischen Komparativ Korrelativ Konstruktionen: (1) [the [more]comparative phrase1 you eat,]C1 [the [fatter]comparative phrase2 you will get]C2 Die Konstruktion in (1) besteht aus zwei Teilsätzen (C1: the more you eat/C2: the fatter you will get), von denen der zweite C2 als abhängige Variable interpretiert wird, die von der abhängigen Variable C1 abhängt (the more you eat->the fatter you will get). Die Bedeutungsebene der Konstruktion weist sowohl asymmetrische (die Konditionale C1->C2 Beziehung) als auch symmetrische Züge auf (die parallele Bedeutungsberechnung innerhalb eines Intervalls, in dem mehr und mehr gegessen (C1), bzw. mehr und mehr Gewicht zugelegt wird (C2)). Während frühere Studien nur auf Introspektionsdaten bzw. einer geringen Zahl von authentischen Daten basierten, verbindet die geplante Studie experimentelle Zugänge mit Daten aus großen Korpora. Dies ermöglicht es, strukturelle Eigenschaften der Konstruktion zu untersuchen, die bisher kontrovers in der Forschungsliteratur diskutiert wurden. Daneben wird die Studie den Theorierahmen der gebrauchsbasierten Konstruktionsgrammatik mit sogenannten New Englishes Ansätzen verbinden. Dies erlaubt es, folgende Fragen zu beantworten: (1) Wie sieht die abstrakte mentale Repräsentation der Konstruktion aus? (2) Finden sich in allen Varietäten identische Repräsentationen oder besitzen Sprecher unterschiedlicher Varietäten unterschiedliche Repräsentationen? (3) Korreliert die Entwicklungsstufe einer New Englishes Varietät mit bestimmten Komparativ Korrelativ Konstruktionen? Der Vergleich von Erst- und Zweitsprachvarietäten des Englischen erlaubt se, den Einfluss von Typen- und Tokenfrequenz sowie Prozessierungsstrategien auf die mentale Repräsentation zu untersuchen. Des Weiteren legen das so-genannte Dynamic Model sowie gebrauchsbasierte Konstruktionsgrammatikansätze nahe, dass syntaktische Innovationen in New Englishes nicht auf der abstraktesten syntaktischen Ebene zu finden sind, sondern sich zuerst auf einer mittleren Schemaebene manifestieren. Das vorliegende Projekt trägt somit zur kognitiven Modellierung der untersuchten syntaktischen Struktur bei. Darüberhinaus wird es wichtige Erkenntnisse für die Kognitive Linguistik und die New Englishes Studien liefern.

Förderer:
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) (Sachbeihilfe)

Laufzeit:
2017 - 2020

Projektwebseite:
fordoc.ku-eichstaett.de/2496/

GEPRIS:
gepris.dfg.de/gepris/projekt/317670788

Fraktalität und die Dynamik jüdischer Lebensformen im Süden des Alten Reichs im 17. und 18. Jahrhundert

Antragsstellerin:

Prof. Dr. Sabine Ullmann (Geschichts- und Gesellschaftswissenschaftliche Fakultät; Professur Vergleichende Landesgeschichte und Geschichte der Frühen Neuzeit)

Beschreibung:

Obwohl sich die Forschungen zur deutsch-jüdischen Geschichte für das 17. und 18. Jahrhundert in den letzten beiden Jahrzehnten intensiviert haben, sind zentrale Merkmale jüdischer Existenz noch nicht ausreichend erklärt und begründet: Dies ist zum einen die frappierend hohe Dichte jüdischer Siedlungen in politischen Landschaften mit kleinräumigen Herrschaftsstrukturen; zum anderen die komplexe Verflochtenheit des jüdischen Schutzstatus zwischen gemeindlicher, landesherrlicher und kaiserlicher Ebene; zum dritten die Ambivalenzen der lokalen Koexistenz von Juden und Christen, die einerseits ähnliche soziale Praktiken der Abgrenzung und Interaktion wie in gemischtkonfessionellen Gesellschaften zeigen, andererseits aber deutliche Unterschiede dazu aufweisen. Ziel des Projekts ist es erstmals einen umfassenden Erklärungsansatz für die Traditionen jüdischer Siedlungsweise in bestimmten Regionen des Reiches zu liefern und diese räumlichen Ausprägungen mit den sozialen Praktiken der jüdischen Akteure in Beziehung zu setzen. Den Ausgangspunkt bildet dabei die Annahme, dass eine Wechselwirkung zwischen komplexen territorialpolitischen Raumstrukturen, der daraus erwachsenden Vielschichtigkeit obrigkeitlicher Schutzverhältnisse über die Juden und einer dynamisierten sozialen Praxis der jüdischen Minderheit besteht, die sich insbesondere in leistungsstarken Netzwerken der jüdischen Elite zeigte.Konzeptionell greift das Projekt auf das jüngst von Falk Bretschneider und Christophe Duhamelle in die Reichsgeschichtsforschung eingeführte mathematische Modell des Fraktals zurück, das den Zusammenhang von sozialen Handlungslogiken und räumlichen Logiken innerhalb komplexer Strukturen fokussiert. Im Mittelpunkt des Projekts steht dabei die Frage, wie die bevorzugte Existenz von Juden in diesen Räumen zu erklären ist und auf welche Weise die jüdischen Akteure ihre Netzwerke darin ausrichteten und durch ihr Handeln die Eigenlogiken dieser Räume mittrugen. Das Modell der Fraktalität betont weiterhin die grundsätzliche Relevanz von Grenzen in fraktalen Strukturen und eröffnet damit systematische Erkenntnisperspektiven zu sozialen Praktiken religiöser Grenzziehung bzw. deren Überschreitung, wie sie für die jüdisch-christliche Koexistenz prägend waren.Um die Untersuchungsergebnisse auf eine breite empirische Basis zu stellen, wird über drei Fallanalysen ein typologischer Vergleich verschiedener Herrschaftsräume vorgenommen, die Juden bevorzugt Schutz gewährten: der Kondominatsort Fürth, die reichsritterschaftliche Herrschaft Mitwitz und das Herrschaftsgebiet des Deutschen Ordens in der Ballei Franken und im Meistertum Mergentheim. Die Ergebnisse der drei Teilprojekte werden in Form von drei Monographien (Dissertationen) publiziert. Darüber hinaus werden die prosopographischen Einzelbefunde aus den Teilprojekten in Form einer Online-Datenbank verknüpft, um so die Netzwerke der jüdischen Eliten offenzulegen und die Daten für weitere Forschungen zur Verfügung zu stellen.

Förderer:

Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) (Sachbeihilfe)

Laufzeit:

2020 -

Projektwebseite:

GEPRIS:

https://gepris.dfg.de/gepris/projekt/422408615

Geographien der Qualifizierung im globalisierten Weinmarkt

Antragsteller:
Dr. Gerhard Rainer und Prof. Dr. Christian Steiner  (Mathematisch-Geografische Fakultät; Lehrstuhl für Humangeographie)

Beschreibung:
Das beantragte Forschungsprojekt widmet sich der Untersuchung von Qualifizierungsprozessen in der Weinwirtschaft, in der sich in den letzten Jahrzehnten ein besonders dynamischer Globalisierungsprozess nachzeichnen lässt, der sowohl in Weinregionen der Alten als auch der Neuen Welt zu tiefgreifenden Umstrukturierungen geführt hat. Damit einher geht eine Neukonfiguration von Wertschöpfungsketten in der sich globalisierenden Wein- und Getränkeindustrie. Um das Netzwerk aus diversen Akteuren, Technologien und Apparaturen, die zur Qualifizierung und Re-Qualifizierung von Weinen beitragen, analytisch fassen zu können, beabsichtigt das Projekt über ein vergleichendes, qualitativ-ethnographisches Untersuchungsdesign, den Qualifizierungs- und Requalifizierungsprozessen von spezifischen Weinen aus dem Premium- wie auch Tankweinsegment aus drei vom Ort des Endverkaufs an den Konsumenten über Marktintermediäre, Weinwettbewerbe, Marketingabteilungen, Weingüter, etc. bis zurück zum Traubenanbau zu folgen. Dazu führt es Fallstudien durch in den Erzeugerregionen Neuseeland, Chile und Deutschland sowie zwei der größten Weinimporteure, Deutschland und Großbritannien.

Förderer:
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) (Sachbeihilfe)

Laufzeit:
2020 -

Projektwebseite:
fordoc.ku-eichstaett.de/2862/

GEPRIS:
gepris.dfg.de/gepris/projekt/437115893

Kommentar zur Tabula Peutingeriana

Antragsteller:

Prof. Dr. Michael Rathmann (Geschichts- und Gesellschaftswissenschaftliche Fakultät; Lehrstuhl Alte Geschichte)

Beschreibung:

Die Tabula Peutingeriana (TP) ist ein einzigartiges Zeugnis der Kartographiegeschichte. Die uns vorliegende Pergamentrolle ist die um 1200 n. Chr. entstandenen Kopie eines spätantiken Originals. Da sie die einzige großformatige Karte ist, die wir aus der Antike besitzen, ist offensichtlich, wie essentiell ihre Analyse für unser Verständnis der antiken Raumauffassung ist. Singulär ist bereits das kuriose Format: Mit einer Länge von knapp 6,80 m und einer Höhe von lediglich 33 cm bildet die TP die Oikumene von Spanien bis Indien in einer extremen Verzerrung ab. Wir fassen hier eine antike Traditionslinie nichtmaßstäblicher Karten außerhalb der hochelitären mathematischen Geographie, die Rückschlüsse auf das geographische Wissen eines breiteren Publikums innerhalb der antiken Elite erlaubt. Wegen ihrer Einzigartigkeit ist sie seit 250 Jahren Gegenstand einer regen Forschungsdiskussion, weiter angeheizt durch den spatial turn, der transdisziplinär Raumwahrnehmung in ihrer kulturellen Abhängigkeit erforscht. Kontroversen bestehen vor allem zu den Aspekten: Zeitstellung und Entstehungsstufen, Bezüge zu anderen bezeugten Karten und schriftlichen Quellen, Design, Korrektheit und Benutzbarkeit, Funktion und Publikum, Kopierfehlern sowie mittelalterlichen Modifikationen. Diese Problemlage erfordert eine wissenschaftliche Kommentierung der rund 4000 Toponyme, die bislang nicht existiert und die die Grundlage für alle weiteren Forschungen auf diesem Gebiet bilden würde (z.B. für eine Neubearbeitung des Barrington Atlas / TIR). Die veralteten, unvollständigen und fehlerbehafteten Arbeiten von Desjardins und Miller können dies nicht leisten. Auch eine Zusammenschau der archäologischen Einzelergebnisse rund um die TP fehlt bislang. Diese Lücke soll der geplante Kommentar füllen, der u. a. von Anfang an in Form einer open access Internetpräsentation dargeboten wird, die fortlaufend aktualisiert wird. Der bei der Kommentierung und Auswertung gewählte Ansatz ist in vielerlei Hinsicht innovativ: Die gängigen Theorien zu Datierung, Quellen und Zweck der TP werden in Frage gestellt. So wird eine frühhellenistische Ur- TP angenommen, woraus sich Konsequenzen für die Geschichte der antiken Kartographie insgesamt ergäben. Die TP wäre nicht mehr Resultat einer griechisch-römischen Kartographie sondern als Frühprodukt dieser Entwicklungsgeschichte zu sehen. Ferner soll statt einer fixen Datierung die verschiedenen Bearbeitungsstufen im Vordergrund stehen und die TP als work in progress gedeutet werden, deren Zweckbestimmung mit den sich wandelnden historisch-kulturellen Hintergründen wechselte. Gestützt auf moderne Raumtheorien soll sie als Kulturzeugnis verstanden werden, das dokumentiert, wie Menschen diese besondere Form der Darstellung eines geographischen, aber auch gesellschaftlichen, politischen und religiösen Raumes im Wandel der Zeit genutzt haben. Ihre Deutung als Wissensspeicher erlaubt Rückschlüsse auf Wege des Generierens und Tradierens von Wissen.

Förderer:

Deutsche Forschungsgemeinschaft (Sachbeihilfe)

Laufzeit:

2017 -

Projektwebseite:
 

GEPRIS:

https://gepris.dfg.de/gepris/projekt/319254113

Liturgiereform und Orden. Zur Rezeption des Zweiten Vatikanischen Konzils in männlichen Ordensgemeinschaften des deutschen Sprachgebietes

Antragsteller:
Prof. Dr. Jürgen Bärsch (Theologische Fakultät; Professur für Liturgiewissenschaft)

Beschreibung:
Für die Liturgiegeschichte der katholischen Kirche des lateinischen Ritus kann die Bedeutung des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) kaum überschätzt werden. Das Vorhaben, „eine allgemeine Erneuerung der Liturgie sorgfältig in die Wege zu leiten“ (SC 21) hat die Arbeiten an der Reform des Gottesdienstes und des kirchlichen Lebens stark beeinflusst, nicht nur in der katholischen Kirche. Am Prozess der Reform sind verschiedene Institutionen und Organe beteiligt, angefangen bei den römischen Stellen über Kommissionen der Sprachgebiete bis hin zu Akteuren in Bistum, Pfarrei oder in der jeweiligen Ordensgemeinschaft. Grundlegend waren zwar die Erneuerung der liturgischen Ordnungen und eine neue gottesdienstliche Gesetzgebung. Die eigentliche liturgische Erneuerung bestand aber nicht in den amtlich vorgelegten liturgischen Büchern, sondern in der Erneuerung der liturgischen Praxis der Kirche vor Ort. In den vergangenen zehn Jahren wurden die Rezeption der Liturgiekonstitution und der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils in den Ortskirchen des deutschen Sprachgebietes erforscht. Neben der territorialen Gliederung der Kirche in Bistümern und Pfarreien, das heißt den „örtlichen Gemeinden der Gläubigen“ (LG 28), haben jedoch die Ordensgemeinschaften als personale Untergliederungen eine eigene Rezeptionsgeschichte, die bisher noch nie näher untersucht wurde. Das Projekt „Liturgiereform und Orden“ fragt danach, wie in den verschiedenen Ordensgemeinschaften die Liturgie nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil erneuert und damit die von diesem Konzil angestoßene Liturgiereform rezipiert wurde. Das Forschungsprojekt möchte hier paradigmatische Sondierungen vornehmen, um so die Parallelitäten und Unterschiede zu den Bistümern und der Ordensgemeinschaften untereinander beschreiben zu können. Diese liturgiegeschichtliche Bestandsaufnahme ist ein notwendiger Baustein zur Wahrnehmung der kirchlichen Transformationen im deutschen Sprachgebiet der Nachkriegszeit. Das Projekt soll arbeitsorganisatorisch auf drei Säulen ruhen, die untereinander vernetzt sind und ihre Forschungsergebnisse jeweils gegenseitig vermitteln. Eine erste Säule konzentriert sich auf die Erstellung einer elektronischen open-access Bibliographie der gedruckten Ordensritualien im deutschen Sprachgebiet, die bisher ein Desiderat darstellt. Die zweite Säule nimmt mit den Benediktinern und Franziskanern zwei in der Kirchen- und Ordensgeschichte besonders herausragende und einflussreiche Gemeinschaften in den Blick. Eine dritte Säule schließlich widmet sich der Koordination von Forschungsarbeiten der mit dem Projekt kooperierenden Forscher, die aus dem Blickwinkel verschiedener Ordensgemeinschaften jeweils Fallstudien zur Rezeption der Liturgiereform erarbeiten, das Bild damit deutlich ausweiten und die Möglichkeit zu einer vergleichenden Zusammenschau eröffnen.

Förderer:
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

Laufzeit:
2019 -

Projektwebseite:
http://fordoc.ku-eichstaett.de/2183/

gepris.dfg.de/gepris/projekt/417679491

 

Organisatorische und technologische Neuerungen im Markt für Stromspeicher

Antragsteller:
Professor Dr. Hans-Martin Zademach (Mathematisch-Geographische Fakultät; Lehrstuhl für Wirtschaftsgeographie)

Beschreibung:
Neben dem Ausbau erneuerbarer Energien ist eine Erhöhung der Speicherkapazität, gerade auch für dezentral erzeugten Strom, ein gewichtiger Baustein der Energiewende in Deutschland. Tatsächlich erfährt der Markt für dezentrale Solarstromspeicher aktuell ein ausgesprochen dynamisches Wachstum, gekennzeichnet vom Eintritt neuer Hersteller und rapide steigenden Verkaufszahlen. Dabei ist dieser Markt nicht nur von rasantem technischen Fortschritt geprägt, sondern auch von wesentlichen organisatorischen Neuerungen. Dies betrifft insbesondere die Vernetzung einer Vielzahl von kleinen, meist in Bürgerhand befindlichen Wind- und Sonnenkraftwerken mithilfe digitaler Technologien, die es den Mitgliedern solcher Plattformen bzw. Communities ermöglichen, ihren selbst erzeugten Strom ohne die etablierten Energiekonzerne untereinander zu teilen. Das im vorliegenden Antrag skizzierte Forschungsvorhaben möchte in diesem Kontext das Zusammenspiel und die Erfolgsfaktoren der (kollaborativen) Entwicklung technischer und organisatorischer Neuerungen genauer ergründen und damit unser Wissen über das gemeinsame Auftreten von verschiedenen Innovationen im Allgemeinen und die Entstehung und Durchsetzung von Nachhaltigkeitstransitionen im Besonderen erweitern. In einem Mixed-Methods-Design, das sich ebenso auf quantitative wie auf qualitative Verfahren stützt (insbesondere soziale Netzwerkanalyse und problemzentrierte Interviews, ferner teilnehmende Beobachtung auf Branchentreffen und in unternehmensübergreifenden Workshops), sollen Einblicke in die Praxis der Zusammenarbeit von Unternehmen (einschl. Financiers) und politischen Verbänden bei koevolutionären Innovationsprozessen auf Mikro-Ebene erlangt und darauf aufbauend unternehmensbezogene und industriepolitische Handlungsempfehlungen abgeleitet werden. Mit der besonderen Berücksichtigung politischer Interessen(-skonflikte) und dem Einbezug von Fragen der Finanzierung adressiert das Projekt wohl dokumentierte Forschungslücken in der (geographischen) Innovations- und Nachhaltigkeitsforschung und birgt entsprechende Potentiale, diese Felder nicht nur empirisch, sondern auch konzeptionell zu bereichern.

Förderer:
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) (Sachbeihilfe)

Laufzeit:
2019 -

Projektwebseite:
 

GEPRIS:
gepris.dfg.de/gepris/projekt/432274419

PollenPALS – Biotische und abiotische Einflüsse auf die Pollenproduktion und -allergenität der Birke und deren Auswirkungen auf die Gesundheit

Antragstellerin:

Prof. Dr. Susanne Jochner-Oette (Mathematisch-Geographische Fakultät; Professur für Physische Geographie / Landschaftsökologie und nachhaltige Ökosystementwicklung)

Beschreibung:

Obwohl einige Studien von einer Zunahme der Pollenmenge und Pollenallergenität unter wärmeren Bedingungen berichten, existieren auch Untersuchungen, die das Gegenteil zeigen. Bis zum jetzigen Zeitpunkt ist wenig über zusätzliche biotische und abiotische Einflüsse bekannt, die diese Polleneigenschaften verändern. Möglicherweise besteht ein deutlicher Unterschied hinsichtlich des Einflusses der Pollen auf Menschen, welcher sowohl von der Produktion als auch von dem allergischen Potential der Pollen bestimmt ist. Das Hauptaugenmerk der Studie richtet sich auf eine höchst allergene Baumart in Nord-, Mittel- und Osteuropa: die Birke (Betula spp.). Eine besondere Innovation ist die Analyse von Umwelteinflüssen auf Pollen von geklonten Birken frei von genetischen Unterschieden in Internationalen Phänologischen Gärten in Europa. Zudem schließt die Untersuchung von Pollen geklonter Individuen in einer Samenplantage in Bayern den Einfluss der genetischen Diversität sowie auch des Baumalters und des Mikroklimas aus. Die Analyse von Birken entlang von einem Höhengradienten in den Nordalpen deckt zudem eine Vielfalt an klimatischen sowie genetischen Bedingungen ab. Neben der Untersuchung von abiotischen Einflüssen auf die Pollenproduktion und -allergenität (z.B. Lufttemperatur, relative Luftfeuchte, Luftschadstoffe), fokussieren wir auch biotische Einflüsse wie Virusinfektionen (Cherry leaf roll virus) oder das Mikrobiom der Pollen und untersuchen die in vivo Relevanz der Pollenallergenität mit Hilfe von Skin Prick Tests. Erzielt werden soll ein detailliertes Wissen über das künftige, durch den Klimawandel möglicherweise veränderte Allergiepotential in Europa. Eine interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern der Landschaftsökologie, der Phytomedizin und der Humanmedizin soll dabei klären, wie biotische und abiotische Faktoren zu einer Veränderungen in der Pollenproduktion und -allergenität und schließlich der allergischen Reaktion führen.

Förderer:

Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) (Sachbeihilfe)

Laufzeit:

2019 -

Projektwebseite:

http://fordoc.ku-eichstaett.de/2614/

GEPRIS:

https://gepris.dfg.de/gepris/projekt/411096677

 

Polyglotte Textsynopse der antiken Versionen des jüdischen Weisheitsbuches Jesus Sirach (Ben Sira) mit vollständiger deutscher Übersetzung

Antragsteller:

Prof. Dr. Burkard Zapff (Theologische Fakultät; Lehrstuhl für Alttestamentliche Wissenschaft)

Projektbeteiligte:

Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn; Universität des Saarlandes

Beschreibung:

Das Projekt hat das Ziel, die hebräische, griechische, syrische und lateinische Textüberlieferung des Sirach-Buches in synoptischer Darstellung mit deutscher Übersetzung zu bieten, um auf diese Weise ein Basis-Tool für die zukünftige Sirach-Forschung zu erstellen. Dabei werden neben der Erstübersetzung einzelner Texte (syrische Peshitta, Vetus Latina) auch Interdependenzen zwischen den verschiedenen Textlinien erkennbar werden. Zugleich bildet diese Synopse das Portal für weitere Forschungen im Bereich der spätbiblischen hellenistischen Weisheitsliteratur.

Förderer:

Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) (Sachbeihilfe)

Laufzeit:

2015 -

Projektwebseite:

http://fordoc.ku-eichstaett.de/2087/

GEPRIS:

https://gepris.dfg.de/gepris/projekt/271083821

Schätzung von Kovarianzmatrizen unter sparsity-Annahmen

Antragsteller:
Prof. Dr. Götz Pfander (Mathematisch-Geografische Fakultät; Lehrstuhl für Wissenschaftliches Rechnen)

Projektbeteiligte:
Dr.-Ing. Volker Pohl (Technische Universität München; Lehrstuhl für Theoretische Informationstechnik)

Beschreibung:
Der große Erfolg von Compressive Sensing (CS) basiert auf der Beobachtung, dass hoch-dimensionale Signale häufig durch eine sehr kleine Anzahl von vom Signal abhängigen Parametern beschrieben werden können. Unser Projekt stellt einen CS-basierten Ansatz zur Schätzung der zweiten Ordnungsstatistik von Zufallsvektoren und stochastischen Folgen vor. Wir setzen dabei voraus, dass die zweiten Ordnungsstatistiken dieser Vektoren und Folgen „sparse“ sind. Beispielsweise betrachten wir Ordnungsstatistken mit niedrigem Rang oder solche die dünn besetzt sind.Obwohl das Schätzproblem von Kovarianzmatrizen scheinbar auf ein gewöhnliches lineares CS-Problem reduziert werden kann, verhindert die Kronecker-Struktur der zugrundeliegenden Messmatrix die Verwendung von gebräuchlichen, auf Kohärenz oder der eingeschränkten Isometrie Eigenschaft beruhenden CS-Methoden. Es müssen daher alternative Ansätze und Algorithmen entwickelt werden; die „sparsity“ Voraussetzungen an die Kovarianzmatrizen können dabei eine recht komplizierte Form annehmen.Wir werden, motiviert durch Anwendungen aus der Kommunikationstechnik, Zeit-Frequenz strukturierte Messmatrizen im Detail untersuchen. Aus stochastischer Sicht führt dies zur Fragestellung der Kovarianzschätzung von sogenannten WSSUS Kanälen. Aus Sicht der Übertragungstechnik betrachten wir sowohl stochastische Operatoren mit einzelnen Ein- und Ausgängen aber auch Kanäle mit mehreren Ein- und Ausgängen und mit korrelierten Unterkanälen.Bei der Schätzung von stationären stochastischen Folgen auf Basis einer limitierten Anzahl von Messwerten werden wir auch auf Methoden des CS zurückgreifen. Des Weiteren wenden wir uns dem Identifikationsproblem von nicht-stationären "underspread" Prozessen zu.

Förderer:
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) (Schwerpunktprogramme, Teilprojekt zu SPP 1798)

Laufzeit:
2015 -

Projektwebseite:
 

GEPRIS:
gepris.dfg.de/gepris/projekt/273496688

SEHAG - Räumliche und zeitliche Veränderungen in der geomorphologischen Prozessdynamik auf Hängen der Zentralalpen seit der kleinen Eiszeit

Antragsteller:
Prof. Dr. Michael Becht (Mathematisch-Geographische Fakultät; Lehrstuhl Physische Geographie)

Projektbeteiligte:
Dr. Florian Haas (Mathematisch-Geographische Fakultät; Fachgebiet Geographie)

Beschreibung:
Geosysteme des Hochgebirges reagieren sehr sensitiv auf die Klimaerwärmung und die damit verbundene Veränderung der Niederschlagsbedingungen. Dies beinhaltet das schnelle Rückschmelzen der Gletscher, die Veränderungen im Permafrost und Veränderungen in der alpinen Vegetation. Diese Veränderungen wiederum beeinflussen die Abflussregime der Gebirgsflüsse und haben einen hohen Einfluss auf die Sedimentlieferung von den Hängen durch z.B. fluviale Erosion oder Muren. Allerdings ist die Reaktion der Geosysteme auf klimatische Veränderungen sehr komplex und variiert wegen der Heterogenität der natürlichen Bedingungen sehr stark in Raum und Zeit. Veränderungen in den klimatischen Bedingungen führen zu Veränderungen in den damit verknüpften Geosystemen, was dann beispielsweise Auswirkungen auf die Sedimentverfügbarkeit hat. Als Folge kann auf der einen Seite die Sedimentlieferung in Gerinne durch die Aufarbeitung frei werdender Sedimentdepots ansteigen. Auf der anderen Seite können Veränderungen in den alpinen Höhenstufen auch zur Stabilisierung der Sedimentdepots und damit zu einem Rückgang der Sedimentlieferung führen. Eine sich verändernde geomorphologische Dynamik auf Hängen muss aber nicht zwingend nur Folge der Klimaerwärmung oder sich verändernder Geosysteme sein. Vielmehr agieren die einzelnen geomorphologischen Prozesse in komplexen Kaskadensystemen, die zahlreiche Interaktionen aufweisen können, so dass eine sich verändernde geomorphologische Dynamik auch durch solche systeminterne Reaktionen hervorgerufen sein kann.Die Forschergruppe SEHAG will daher das Verständnis der Reaktionen von Geosystemen und der geomorphologischen Prozessdynamik auf Klimaänderungen seit dem LIA entscheidend verbessern und führt ihre Untersuchungen in 3 unterschiedlich vergletscherten Tälern der Zentralalpen nördlich und südlich des Alpenhauptkammes durch. Innerhalb der Forschergruppe wird sich Subprojekt 3 auf die geomorphologischen Prozesse auf den Hängen konzentrieren. Für die Erfassung der aktuellen und der historischen Prozessdynamik in verschiedenen Zeitabschnitten seit 1850 werden hierfür historische Fotos, sowie existierende und neu erhobene LiDAR Daten eingesetzt. Zusätzliche Untersuchungen beinhalten die Erfassung der geomorphologischen Prozesse auf Hängen mit hoher Magnitude und geringer Frequenz. Durch die Kombination der Ergebnisse dieser Untersuchungen mit den Ergebnissen der anderen Subprojekte der Forschergruppe können dann die erwarteten Veränderungen in der geomorphologischen Dynamik in den Kontext der Klimaänderungen und der Veränderung in den Geosystemen gestellt werden. Da für alle Täler Ergebnisse zu diesen Fragestellungen erarbeitet werden, kann zudem überprüft werden, ob Unterschiede in den Systemreaktionen in unterschiedlichen Bereichen der Zentralalpen existieren. Alle Ergebnisse der ersten Förderperiode sollen es dann ermöglichen während der zweiten Förderperiode die zukünftigen Entwicklungen bis ins Jahr 2050 mit Modellen vorherzusagen.

Förderer:
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) (Teilprojekt Forschergruppe FOR 2793)

Laufzeit:
2019 - 2022

Projektwebseite:
fordoc.ku-eichstaett.de/2692/

GEPRIS:
gepris.dfg.de/gepris/projekt/409531136

SEHAG - Sedimentkonnektivität, Sedimentverlagerung und die Weitergabe von Veränderungen in hochalpinen Geosystemen

Antragsteller:
Prof. Dr. Michael Becht (Mathematisch-Geographische Fakultät; Lehrstuhl Physische Geographie)

Projektbeteiligte:
Dr. Tobias Heckmann (Mathematisch-Geographische Fakultät; Fachgebiet Geographie)

Beschreibung:
Das Projekt befasst sich damit, in welchem Maße lokale, auf Teilgebiete oder –systeme beschränkte Reaktionen auf den Klimwandel zu messbaren Veränderungen in den Haupttälern und am Einzugsgebietsauslass führen. Dies betrifft z.B. Veränderungen des Abtrags durch verschiedene Prozesse auf den Hängen, infolge derer Bäche in den Haupttälern verstärkt Sedimente ablagern oder abtragen, womit sich auch die Sedimentfracht am Ausgang der Täler verändern kann. Beeinflusst wird die Fortpflanzung von Änderungsimpulsen durch die Systemeigenschaft "Konnektivität", die den Grad bezeichnet, zu dem Teilsysteme der Einzugsgebiete im Hinblick auf Sedimenttransport miteinander gekoppelt sind. TP 8 hat folgende Ziele: (1) Änderungen in den Einflussfaktoren der Konnektivität wie die Vegetation und Geländeformen ab 1850 sollen erfasst und analysiert werden. Dieses Ziel wird mithilfe historischer Photographien verfolgt, die alle TP in Archiven sammeln, und die photogrammetrisch bearbeitet und digital ausgewertet werden. Auf der Maßstabsebene ganzer Einzugsgebiete ist die systematische und quantitative Auswertung solcher Daten bislang beispiellos. (2) Mithilfe von Indizes soll die räumliche Verteilung und die zeitliche Veränderung der (Ent-)Kopplung lokaler Veränderungen an das Hauptgerinnenetz analysiert werden. Die Indizes werden mithilfe der Daten aus (1) und digitaler Höhenmodelle (DHM) berechnet. (3) Veränderungen der Sedimentlieferung von den Hängen sowie des Abflusses der Bäche in den Haupttälern sollten sich in beobachtbaren Veränderungen im Bereich dieser Bäche niederschlagen. Das Projekt wird Oberflächenveränderungen seit 1850 aus historischen Photos und DHM kartieren und messen. DHM der Vergangenheit werden photogrammetrisch aus historischen Luftbildern ermittelt, seit 2006 gibt es Daten aus der flugzeuggestützten Laservermessung, die durch eigene Befliegungen und drohnengestützte Luftbilder ausgewählter Talbereiche fortgesetzt werden. Veränderungen im Gerinnebereich werden vor dem Hintergrund der Änderungen des Abflusses, der Sedimentverfügbarkeit und der Transportkapazität der Bäche interpretiert. Zudem wird die Sedimentmasse bestimmt, die pro Jahr die Gebiete verlässt. (4) Als Synthese der Ergebnisse aller TP erstellt und analysiert TP8 Netzwerkmodelle der Sediment-Transportwege, in denen Informationen zur Formungsaktivität von Teilen des Einzugsgebietes, zu deren Sensitivität im Bezug auf Veränderungen und zur Konnektivität zusammenlaufen. Wenn und wo besonders aktive und/oder sensitive Flächen besonders gut an die Bäche gekoppelt sind, erwarten wir eine deutliche Reaktion im Bezug auf den Sedimenttransport und –export im Tal. Eine solche graphentheoretische Analyse ist innovativ und eröffnet Vergleichs- und Deutungsmöglichkeiten auf verschiedenen Maßstabsebenen. Das Verständnis von Veränderungen und ihrer Fortpflanzung in der Vergangenheit wird dazu beitragen, die Folgen zukünftiger Veränderungen besser abzuschätzen.

Förderer:
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) (Teilprojekt Forschergruppe FOR 2793)

Laufzeit:
2019 - 2022

Projektwebseite:
fordoc.ku-eichstaett.de/2695/

GEPRIS:
gepris.dfg.de/gepris/projekt/396716553

Sicher oder unsicher: Wie entsteht Konfidenz in perzeptuellen Entscheidungen?

Antragsteller:
Dr. Manuel Rausch (Philosophisch-Pädagogische Fakultät; Fachgebiet Psychologie)

Projektbeteiligte:
Prof. Dr. Michael Zehetleitner (Philosophisch-Pädagogische Fakultät; Lehrstuhl Arbeits-, Umwelt- und Gesundheitspsychologie)

Beschreibung:
Menschen müssen häufig auf externe Objekte reagieren, obwohl die Wahrnehmung dieser Objekte unvollständig oder gestört ist. Dabei ist es notwendig, basierend auf der Wahrnehmung des Objekts eine Entscheidung zu treffen, welches von den verschiedenen möglichen Objekten vermutlich aktuell vorliegt. Solche Entscheidungen weisen im Allgemeinen drei Eigenschaften auf: Erstens können Menschen eine richtige oder eine falsche Entscheidung darüber treffen, welches Objekt tatsächlich vorhanden ist. Zweitens dauert es eine verschieden lange Zeitspanne, bis eine Entscheidung getroffen werden kann. Drittens empfindet Menschen bei der Entscheidung einen größeren oder geringeren Grad an Sicherheit, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Jedoch sind die existierenden mathematischen Entscheidungstheorien nicht in der Lage, Richtigkeit, Entscheidungszeit und Konfidenz gleichzeitig zufriedenstellend zu erklären: In unseren Vorarbeiten haben wir beobachtet, dass Konfidenz in falschen Antworten mit der physischen Qualität der Stimulation steigt, was mit keiner der existierenden Theorien vereinbar ist. Daher ist es das Ziel dieses Projekts, eine Theorie zu erstellen, die Richtigkeit, Entscheidungszeit und Konfidenz gleichzeitig erklären kann. Dafür soll eine von uns vorgeschlagene statische Theorie, das Gewichtete Evidenz-und-Sichtbarkeits-Modell, um eine zeitliche Dimension erweitert werden. Die Grundidee lautet, dass eine Entscheidung getroffen wird, indem solange sensorische Evidenz gesammelt wird, welches Objekt von den möglichen Objekten aktuell vorliegt, bis eine Entscheidungsschwelle überschritten wird. Konfidenz dagegen setzt sich aus zwei Größen zusammen, nämlich erstens aus der sensorischen Evidenz über das Objekt und zweitens aus der sensorischen Evidenz über die physische Qualität der Stimulation. In unserem Projekt soll diese neue Theorievariante überprüft werden, wofür eine neue, unabhängige Stichprobe, einer gründlichen mathematischen Modellierung, sowie eine Serie an Kontrollexperimenten vonnöten ist. In einem zweiten Schritt des Projekts soll dann überprüft werden, welche Konsequenzen diese Theorie für diejenigen Forschungsfelder mit sich bringt, in denen Konfidenzberichte verwendet werden, um die Wahrnehmungsfähigkeit einer Person zu messen.

Förderer:
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) (Sachbeihilfe)

Laufzeit:
2019 - 2022

Projektwebseite:
fordoc.ku-eichstaett.de/2609/

GEPRIS:
gepris.dfg.de/gepris/projekt/414076635

Ursachen und Konsequenzen von Fehlern in Doppelaufgaben

Antragsteller:

Prof. Dr. Marco Steinhauser (Fachgebiet Psychologie; Lehrstuhl Allgemeine Psychologie)

Beschreibung:

Effiziente Aufgabenbearbeitung erfordert ein Fehlerüberwachungssystem, das Fehler detektiert und Anpassungen von Kontrollprozessen initiiert um zukünftige Fehler zu verhindern. Diese Mechanismen sind umso wichtiger, wenn mehrfache Teilaufgaben gleichzeitig oder in rascher Folge bearbeitet werden müssen, da Interferenz zwischen Teilaufgaben solche Doppelaufgaben besonders fehleranfällig macht. Das Projekt untersucht, wie zuverlässige Fehlerüberwachung unter Doppelaufgabenbedingungen erzielt wird und wie Fehler durch adaptive Kognitive Kontrollprozesse vermieden werden können. Das Projekt fokussiert auf vier Forschungsfragen: Erstens wird untersucht, wie Fehler auf der Ebene von Teilaufgaben und Doppelaufgabe gleichzeitig überwacht werden. Zweitens wird untersucht, wie die Fehlerüberwachung das Credit Assignment Problem löst, welches entsteht wenn multiple Fehlersignale korrekt den zugehörigen Teilaufgaben zugeordnet werden müssen. Drittens wird betrachtet, wie dynamische Veränderungen der visuellen Aufmerksamkeit nach Fehlern zu adaptiven Kontrollanpassungen und fehlerinduzierter Interferenz bei Doppelaufgaben beitragen. Schließlich wird untersucht, wie die erfolgreiche Bearbeitung von Doppelaufgaben durch vorausgehende Vorbereitung erzielt werden kann. Unser methodischer Ansatz ist die Untersuchung von Verhaltensdaten und ereigniskorrelierten Potentialen im Paradigma der Psychologischen Refraktärperiode. Unsere Studien sollen unser grundlegendes Verständnis der Architektur der Fehlerüberwachung sowie die Funktionsweise kognitiver Kontrolle bei Doppelaufgaben verbessern.

Förderer:

Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) (Sachbeihilfe)

Laufzeit:

2018 -

Projektwebseite:

http://fordoc.ku-eichstaett.de/2577/

GEPRIS:

https://gepris.dfg.de/gepris/projekt/274923622