Wer das Buch Jesus Sirach wissenschaftlich lesen will, steht vor einer Herausforderung: Der Text existiert nicht nur in einer Fassung, sondern liegt in mehreren Sprach- und Überlieferungstraditionen vor. Die nun fertiggestellte Synopse bringt diese Textgeschichte zusammen. Sie bietet die hebräischen, griechischen, lateinischen und syrischen Fassungen des Sirachbuchs im direkten Vergleich und ergänzt sie durch eine deutsche Übersetzung. Das Buch Jesus Sirach gehört zu den Weisheitsschriften des Alten Testaments beziehungsweise zu den deuterokanonischen Schriften. Es entstand um 200 v. Chr. in hebräischer Sprache und wird dem jüdischen Gelehrten Jesus Sirach, auch Ben Sira genannt, zugeschrieben. Inhaltlich verbindet das Werk religiöse Reflexion mit lebenspraktischen Ratschlägen zu Themen wie Bildung, Frömmigkeit, Freundschaft, Familie und gesellschaftlichem Verhalten.
Für die bibelwissenschaftliche Forschung ist das Buch seit langem besonders interessant, weil es in mehreren antiken Sprachfassungen überliefert ist, die in einem komplexen Verhältnis zueinanderstehen. Neben hebräischen Fragmenten aus der Kairoer Geniza, aus Qumran und Masada existieren eine griechische Fassung, die später Teil der Septuaginta wurde, eine syrische Übersetzung sowie lateinische Texttraditionen. Dazu gehören die „Vetus Latina“, also ältere lateinische Bibelübersetzungen aus der frühen Kirche, und die „Vulgata“, die im westlichen Christentum über viele Jahrhunderte maßgebliche lateinische Bibelfassung.