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Forschung zur Geschichte Lateinamerikas

Forschungsschwerpunkte und Spezialgebiete

Während die Lehre versucht, den Zeitraum seit der Entdeckung und Eroberung Lateinamerikas zumindest überblicksartig zu erfassen, konzentriert sich die Forschung an der Professur auf das 19. und 20. Jahrhundert. Der Inhaber der Professur hat folgende Forschungsschwerpunkte:

  • Entwicklungsprozesse in Lateinamerika
  • "Schwache Staaten" Lateinamerikas in asymmetrischen Machtkonstellationen
  • Wahrnehmungsmuster und Repräsentationen lateinamerikanischer Gesellschaften in Reiseberichten im 19. und in der ersten Hälfte des 20.Jahrhunderts
  • Transfer von europäischen und/oder US-amerikanischen Debatten nach Lateinamerika und deren Wirkung in nationalen Kontexten
  • Europäische Immigranten und transkultureller Wandel in Argentinien und Brasilien
  • Kulturen der Illegalität und der Gewalt in Lateinamerika
  • Kollektive Erinnerung und Identitätskonstruktion in Lateinamerika
  • Soziale Bewegungen und Jugendkulturen in Südamerika in den 1960er Jahren
  • Geschichte Lateinamerikas im Prozess der Globalisierung von der Entdeckung bis zum 20. Jahrhundert
  • Die Entstehung der Freizeit in Lateinamerika
  • Fußballkulturen und Geschichte
  • Visual turn
  • Körpergeschichte


Laufende Projekte

Monographien

Drogen in Lateinamerika - Ökonomie, Politik, Diskurs von der Kolonialzeit bis heute

Lateinamerika im Prozess der Globalisierung

La soberanía de los débiles. América Latina y la Liga de las Naciones

 

Forschungsprojekte

FluchtMigration und gesellschaftliche Transformationsprozesse

Im weiten Feld der Migrationsforschung hebt sich dieses interdisziplinäre, an der KU angesiedelte Projekt zum einen durch die Konzentration auf das Phänomen der FluchtMigration hervor, zum anderen durch den konsequenten Blick auf den Zusammenhang zwischen der Aufnahme von Geflüchteten und den Wandlungsprozessen der Gesamtgesellschaft. Unser Vorhaben ist damit ausdrücklich den in den letzten Jahren vielfach erhobenen, aber bisher kaum eingelösten Forderungen nach einer integrierten Betrachtung von Migrationsgruppen auf der einen Seite und den Aufnahmegesellschaften auf der anderen verpflichtet. Dieses Projekt fokussiert Flüchtlinge aus Argentinien (Diktatur von 1976-1983), Brasilien (1964-1985), Chile (1973-1989) und Uruguay (1973-1985) in Europa. Frankreich, die BRD, die DDR und die Schweiz werden genauer untersucht.

Bayern und Brasilien. Die Entstehung von (Natur-)Wissenschaft und Wissen aus der Perspektive der Verflechtungsgeschichte seit dem 19. Jahrhundert

Den Ausgangspunkt dieses Projektes stellt die wissenschaftliche Expedition nach Brasilien unter der Leitung von Johann Baptist von Spix, Carl Friedrich Philipp Martius sowie Thomas Ender von 1817-1820. Dabei soll neben den (natur-)wissenschaftlichen Forschungsaktivitäten  auch ihre sozio-kulturelle Dimension im Fokus der Untersuchung stehen. Insbesondere gilt es, die teils bereits zuvor bestehenden, teils auf der Reise sowie darüber hinaus mit längerfristiger Perspektive gebildeten Netzwerke von Wissenschaftlern sowohl in Brasilien als auch in Bayern, Deutschland und Europa zu rekonstruieren. Darüber hinaus  sollen die während der Expedition gesammelten und nach Bayern verbrachten Objekte, die später den Grundstock des Völkerkundemuseums sowie der Zoologischen und Biologischen Staatssammlungen in München bildeten, einen Schwerpunkt der Betrachtung bilden.

 

Abgeschlossene Projekte

Einwanderung und kultureller Wandel. Konstruktion der argentinidad

Dieses Projekt beschäftigt sich mit der Identitätskonstruktion und dem -wandel deutscher ImmigrantInnen in Argentinien im 20. Jahrhundert. Die Untersuchung legt einen Schwerpunkt auf die Erforschung der Institutionen der Einwanderer, d. h. ihrer Presse, Hilfsvereine, Klubs, Gewerkschaften und Interessenverbände, in denen sich Identitäten manifestierten, bestätigten und wandelten. Zwei weitere Immigranteninstitutionen, die bisher noch zu wenig in den Blick genommen wurden, sind von Bedeutung: Bildungseinrichtungen und Kirchen. Darüber hinaus sollen religiöse Praktiken, Gedenk- und Feiertage sowie die Freizeitkultur untersucht werden. Der empirische Teil der Studie wird sich auf eine Region, voraussichtlich Santa Fe, beschränken. Als Quellen steht das Schrifttum der Einwanderer, ihre Briefe, Geschichten, Festschriften und Zeitungen sowie Vereins-, Schul- und Kirchenarchive, zur Verfügung. Die Arbeit orientiert sich insbesondere an den Methoden der Sozialgeschichte von Gruppen sowie der Kultur- und Diskursgeschichte. (Bearbeiter: Valentin Kramer)

Die Entstehung der Arbeiterbewegungen Südamerikas und die europäische Massenimmigration. Transnationale Zusammenhänge und Konstruktion kollektiver Identitäten

Dieses Projekt untersucht die kollektiven Identitätskonstruktionen der entstehenden Arbeiterklasse im Zeitraum 1880 bis 1930 in Chile, Argentinien, Uruguay und Brasilien. Der Schwerpunkt der Untersuchung liegt in der Analyse der soziokulturellen Transformationsprozesse im transnationalen historischen Vergleich. Durch Untersuchung der Entwicklung anhand von Institutionen, Diskursen sowie performativen politischen und kulturellen Handlungsmustern sollen die transkulturellen Aspekte erforscht werden. Als Quellen stehen Briefe, Zeitungen, Organisations- und Kongressunterlagen sowie die zeitgenössische Presse zur Verfügung. Neben der Gründung von Gewerkschaften und Vereinen sollen die damit verbundenen kulturellen Einrichtungen wie Schulen, Theater und Bibliotheken sowie die Klubs und Vereine zur Alltags- und Freizeitgestaltung untersucht werden. Berücksichtigt werden hierbei die Entwicklung der Migration, Integrationsprozesse sowie die Rolle von Religionen und säkularen Ideologien als Wertemuster, welche die soziale Identitätskonstruktion der Arbeiterklasse beeinflussten. Die Arbeit orientiert sich an den Methoden der Sozial- und Kulturgeschichte und soll mit dem historisch-praxeologischen Ansatz die Subjektivierung der Arbeiterbewegung erforschen. (Bearbeiter: Dr. Tim Wätzold)