Forschung

Folgende Projekte werden/wurden am Lehrstuhl durchgeführt:

Projekt „Zusammenleben in der Stadt“

Projektleitung: Prof. Dr. Stefanie Eifler

Warum verschaffen sich Akteure Vorteile auf Kosten anderer? Warum nehmen oder behalten sie Wertgegenstände, die ihnen nicht gehören oder nicht zustehen, wenn sich im Rahmen alltäglicher Handlungsvollzüge spontan die Gelegenheit dazu bietet? – Das Projekt „Zusammenleben in der Stadt“ ist zugleich Fortsetzung und Erweiterung des Projekts „Kriminalität im Alltag“ (Katalog der UB Eichstätt-Ingolstadt). Es wird das Ziel verfolgt, Einflüsse der sozialen Situation von Akteuren auf ›kriminelle‹ und ›prosoziale‹ Handlungsentscheidungen mit Bezug auf verschiedene soziologische Analyseebenen zu spezifizieren und empirisch zu analysieren. Auf der Grundlage des ›Modells der Frame-Selektion‹ werden vor allem die Institutionelle Anomietheorie und die Theorie der sozialen Desorganisation in den Bezugsrahmen eines Makro-Mikro-Makro-Modells soziologischer Erklärungen integriert und auf die Selektion kriminellen und prosozialen Handelns bezogen. Am Beispiel jeweils einer Gelegenheit zur Fundunterschlagung und zur Hilfeleistung im Alltag wird dieser integrative Ansatz einer empirischen Analyse unterzogen. Eine ausführliche Methodendokumentation des Projekts ist in der Reihe Eichstätter Beiträge zur Soziologie erschienen.

Projekt "Sicherheit und Privatheit im öffentlichen Raum"

Projektleitung: Prof. Dr. Stefanie Eifler, Prof. Dr. Joost van Loon

Mitarbeiter: Hannah Schwarzbach, M.A., Edda Mack, M.A.

Das Projekt wurde in Zusammenarbeit der Lehrstühle „Soziologie I“ (Allgemeine Soziologie und soziologische Theorie) und „Soziologie II“ (Soziologie und empirische Sozialforschung) der KU Eichstätt-Ingolstadt entwickelt. Im Rahmen des Projekts wird eine methodische Weiterentwicklung des „Factorial Survey Approach“ angestrebt. Hierzu werden experimentelle Elemente in das Forschungsdesign integriert. Seitens der soziologischen Theoriebildung wird eine methodologische Erneuerung ermöglicht, in dem durch den verstärkten Fokus auf materielle und situative Bedingtheit eine erweiterte Grundlage für die Betrachtung der Zusammenhänge zwischen Fremdheit und Unsicherheit im öffentlichen Raum geschaffen wird. Untersucht werden Prozesse der Verortung von materiell-semiotischen Assoziationen im öffentlichen Raum. Es geht dabei vor allem um eine Erfassung der räumlichen Struktur und ihrer Zusammenhänge mit dem sozialen Leben an bestimmten öffentlichen Orten. Der Schwerpunkt liegt hierbei vor allem darauf, die materielle Bezogenheit von Unsicherheit herauszuarbeiten.

Pilot-Projekt: „Sicherheit im Stadtviertel“

Bei dem Pilot-Projekt handelt es sich um eine erste Testphase des entwickelten Forschungsinstruments im Rahmen einer Vorstudie.

Aktueller Fortschritt: Datenanalyse

Ansprechpartnerin: Prof. Dr. Stefanie Eifler

Projekt „Alltagsleben in der Pandemie“ (Forschungspraktikum 2020/2021)

Projektleitung: Prof. Dr. Stefanie Eifler; Julia Weymeirsch, M.Sc.

Das alltägliche Leben in Deutschland hat sich spätestens seit dem 11. März 2020 mit der offiziellen Erklärung zum Ausbruch der Covid19-Pandemie durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) maßgeblich verändert. Die daraufhin (meist staatlich) angeordneten Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung reichen von der Einführung von Hygienemaßnahmen für Betriebe, Schulen und Gastronomie bis hin zu allgemeinen Kontaktbeschränkungen im öffentlichen und privaten Raum.

Neben individuellen Nöten und Schicksalen werden im Zuge der öffentlichen Diskussionen um mögliche „Lockerungen“ vor allem die volkswirtschaftlichen direkten und indirekten Konsequenzen der Pandemie angeführt. Unklar bleiben bisweilen jedoch die sozialen Folgen der Pandemie - sowohl für den einzelnen Akteur als auch für das gesellschaftliche Zusammenleben.

Im Mittelpunkt des geplanten Projekts steht die Erhebung von Einstellungen und der Akzeptanz gegenüber staatlichen Maßnahmen im Kontext der Covid19-Pandemie. Dabei sollen sowohl der Einfluss der sozialräumlichen Struktur als auch der persönlichen Betroffenheit auf Handlungsentscheidungen für ein (Nicht-)Einhalten der Corona-Maßnahmen analysiert werden. Eine besondere Rolle kommt dabei der Wahrnehmung des direkten nachbarschaftlichen Umfeldes zu. Vor dem Hintergrund einer pandemischen Situation sollen Fragen zur Bedingtheit insbesondere von sozialem Vertrauen und sozialer Kohäsion untersucht werden. Das Projekt möchte dabei sowohl die Bedeutung von nachbarschaftlicher Wahrnehmung für Regelverstöße untersuchen als auch die dabei zugrundeliegenden Wirkmechanismen systematisch analysieren.

Projekt „Handlungstheoretische Ansätze zur Erklärung von Kriminalität (Leben in Frankfurt a. M.)“ (Forschungspraktikum 2018/19)

Projektleitung: Prof. Dr. Stefanie Eifler, Adrian Jakob

Soziologische Ansätze zur Erklärung des Handelns bedienen sich theoretischer Rahmungen, um die Hintergründe für Handlungsentscheidungen analysieren zu können. Die Herausforderung hierbei ist, dass Menschen als Forschungsgegenstand nicht nach physikalischen Gesetzmäßigkeiten handeln. Die Mechanismen hinter Handlungsentscheidungen sind entsprechend mit einer Vielzahl von theoretischen Ansätzen mit jeweils unterschiedlichen Schwerpunkten erklärbar. Von übergeordnetem Interesse ist, dass eine Theorie mit möglichst wenigen Annahmen möglichst präzise Erklärungen für soziales Handeln liefert. Ein besonderer Aspekt sozialen Handelns ist abweichendes und kriminelles Handeln, welches gegen formelle und informelle Normen verstößt. Das Ziel entsprechender Theorien ist, die Bedingungen dieser Handlungen zu analysieren und allgemeingültige Ansätze zu formulieren, mit denen die zugrunde liegenden Mechanismen des Handelns verstehbar werden.

Handlungsentscheidungen basieren auf den wahrgenommenen Begebenheiten und Eigenschaften der Situationen, in denen diese getroffen werden. Handlungen, die in dem Rahmen einer Situation getroffen werden, werden von der gleichen Person unter anderen Bedingungen nicht oder anders getroffen. Entsprechend muss der Situation in der Erklärung krimineller Handlungen eine besondere Bedeutung beigemessen werden. Allerdings kann die alleinige Betrachtung der Situation keine zufriedenstellende Antwort auf die Frage liefern, wieso es individuelle Unterschiede in der Wahl einer Handlungsalternative gibt. Hierzu müssen weitere Variablen herangezogen werden.

Self-Control ist eines der Konstrukte, welches individuelle Unterschiede in der Neigung zu kriminellen Handlungen erklären soll. Das Konstrukt wird bereits seit mehreren Jahrzehnten in der Soziologie verwendet. Es ist also keine neue Entdeckung, hat jedoch eine Vielzahl an weitergehenden Forschungsbemühungen nach sich gezogen. Zu Self-Control gibt es auch in angrenzenden Disziplinen wie der Psychologie und Sozialpsychologie entsprechende Aktivitäten. Diese ausdifferenzierte Forschungsaktivität führte zu mehreren Konzeptionen des Begriffs, sowie verschiedenen Einbettungen in theoretische Zusammenhänge. Die inhaltliche Bedeutung sowie die Wirkungsweise von Self-Control ist ebenso uneinheitlich, wie die Verwendung des Begriffs (Bsp.: Effortful Control, Self-Regulation, Ego-Depletion, Willpower).

Die Studie hat das Ziel, eine Auswahl der Konstrukte, die als Self-Control bezeichnet werden, in Ihrer Wirkung auf Handlungstheoretischer Basis vergleichend zu untersuchen. Im Rahmen von Vignetten werden hierzu alltägliche Situationen geschildert, die in unterschiedlicher Ausprägung Gelegenheiten zu kriminellen Handlungen schildern. Der Effekt der Varianten von Self-Control wird dann getrennt auf der Basis der Wahrnehmung der Situation und der darauffolgenden Handlungsintention untersucht. Somit sollen Kenntnislücken hinsichtlich der Wirkungsweise der Varianten von Self-Control in Abhängigkeit der Bedingungen der Situation geschlossen werden.

Promotionsvorhaben Adrian Jakob

Projekt „Urbane Disorder-Phänomene und Kriminalitätsfurcht (Sicherheit im Stadtviertel)“ (Forschungspraktikum 2017/18)

Projektleitung: Prof. Dr. Stefanie Eifler

Unterprojekt von "Sicherheit und Privatheit im öffentlichen Raum"

Projekt „Empirische Analysen zur Soziologie des Opfers (Sicherheitsgefühl und Alltagshandeln in der Stadt)“ (Forschungspraktikum 2016/17)

Projektleitung: Prof. Dr. Stefanie Eifler, Dr. Heinz Leitgöb

näheres folgt

Projekt "Mode Effects in the Surveying of Sensitive Items (MESSI)"

Projektleitung: Dr. Heinz Leitgöb

Mittlerweile gilt es als gesicherte Erkenntnis der surveymethodologischen Forschung, dass in standardisierten Befragungen der Erhebungsmodus insbesondere bei sensitiven Fragestellungen einen relevanten Einfluss auf die Qualität der realisierten Daten ausübt. Das Auftreten systematischer Differenzen zwischen modespezifischen Schätzern interessierender Populationsparameter (z. B. deliktspezifischer Kriminalitätsraten in Surveys zu selbstberichteter Delinquenz) wird folglich als ›Mode-Effekt‹ bezeichnet. Dieser konstituiert sich nach der von Kury, Guzy & Leitgöb (2015, S. 80) vorgelegten ›weiten Definition‹ als Gesamtheit aller (i) mess- und (ii) repräsentationsbezogenen Unterschiede zwischen den Erhebungsverfahren. Während (i) sich auf den Befragungsprozess bzw. das Antwortverhalten der partizipierenden Befragten bezieht, umfasst (ii) jene erhebungsbezogenen Mechanismen, die überzufällige Divergenzen in der Komposition von Grundgesamtheit und realisierter Stichprobe zur Folge haben (z. B. Non-Coverage, Nonresponse).

Die Herstellung belastbarer empirischer Evidenzen für eine fundierte Weiterentwicklung von Erhebungs- und Messinstrumenten setzt die analytische Zerlegung von Mode-Effekten in ihre mess- und repräsentationsbezogenen Komponenten voraus. Ein solches auf ökonometrischen Prinzipien basierendes Verfahren wurde von Leitgöb (2017) vorgeschlagen. Bislang fehlt jedoch die geeignete empirische Datengrundlage, die eine ernstzunehmende Prüfung des Anwendungspotentials des Verfahrens erlaubt. Aus diesem Grund zielt das vom Zentrum für Forschungsförderung der Universität Eichstätt-Ingolstadt über die Förderlinie PROFOR geförderten Projekt auf der Durchführung eines modevergleichenden Surveyexperiments und die anschließende Anwendung des Kompositionsverfahrens auf die generierten Daten ab. Im Fokus der Befragung stehen sensitive Merkmale, die typischerweise in kriminologischen Viktimisierungsbefragungen enthalten sind (z. B. Kriminalitätsfurcht, spezifische Viktimisierungserfahrungen).

Literatur:
Leitgöb, H. (2017). Ein Verfahren zur Dekomposition von Mode-Effekten in eine mess- und eine repräsentationsbezogene Komponente. In S. Eifler & F. Faulbaum (Hrsg.), Methodische Probleme von Mixed-Mode-Ansätzen in der Umfrageforschung. Schriftenreihe der Arbeitsgemeinschaft Sozialwissenschaftlicher Institute (ASI) (S. 51–98). VS Verlag:Wiesbaden.
Kury, H., Guzy, N. & Leitgöb, H. (2015). Effekte des Erhebungsmodus. In N. Guzy, C. Birkel & R. Mischkowitz (Hrsg.), Viktimisierungsbefragungen in Deutschland. Band 2: Methodik und Methodologie (S. 77–105). Bundeskriminalamt: Wiesbaden.

Projekt „Normen und Sanktionen“ (Forschungspraktikum 2013/14)

Projektleitung: Prof. Dr. Stefanie Eifler, Dr. Knut Petzold

Das alltägliche Zusammenleben in modernen, diversifizierten Gesellschaften wird zu einem nicht unerheblichen Teil durch informelle soziale Normen geregelt. Beispielsweise helfen Normen wie das Rechtsfahrgebot, Koordinationsprobleme im Straßenverkehr zu lösen und Normen der Fairness regeln kooperatives Verhalten im Alltag. Da die Einhaltung einer sozialen Norm jedoch mit Kosten verbunden ist, muss die Norm bei fehlender intrinsischer Motivation über Sanktionen durchgesetzt werden, die ebenfalls mit Kosten verbunden sind. Damit ergibt sich die Frage, welche Bedingungen die Durchsetzung sozialer Normen fördern.

Die Durchsetzung sozialer Normen wird häufig mithilfe von Labor- und Feldexperimenten untersucht, in denen reales Verhalten als Reaktion auf begangene Normbrüche beobachtet wird. Für viele soziologische Fragestellungen sind solche Designs jedoch aus ethischen oder forschungspraktischen Gründen nicht umsetzbar. Daher werden auch Befragungsdaten aus groß angelegten Erhebungen und surveyexperimentelle Forschungsdesigns eingesetzt. Ein zentraler Nachteil in der Untersuchung der Geltung und Durchsetzung sozialer Normen mittels Befragungen liegt jedoch in dem Umstand, dass nur selbstberichtete Verhaltensabsichten gemessen werden können. Bisherige Validierungsstudien, in denen mittels Vignetten gemessene Verhaltensabsichten mit unaufdringlich beobachtetem realem Verhalten verglichen wurden, haben allerdings nur die Einhaltung sozialer Normen untersucht und liefern darüber hinaus uneindeutige Befunde.

Die vorliegende Studie soll zu dieser Forschungslücke beitragen, indem die Bedingungen der Durchsetzung informeller Norm sowohl in Feld- und Vignettenexperimenten untersucht und die Ergebnisse anschließend miteinander verglichen werden. Es wird auf Szenarien zurückgegriffen, mit denen speziell Statuseffekte bei der Normdurchsetzung im Alltag erfasst werden können. Dabei handelt es sich um Varianten des bekannten Hup-Experiments, in dem die Bedingungen der Durchsetzung formeller und informeller Normen im Straßenverkehr und in der U-Bahn variiert werden. Handelt es sich bei den Feld- und Vignettenexperimenten um echte Experimente, in denen aufgrund der Manipulation und der Randomisierung keine Verzerrungen durch unbeobachtete Heterogenität zu erwarten sind, muss ihre Vergleichbarkeit auf der übergeordneten Ebene in der statistischen Analyse erst hergestellt werden. Erste Analysen lassen sowohl Unterschiede als auch Gemeinsamkeiten in den erzielten Ergebnissen erkennen.