Die Kooperation zwischen der KU und Jesuit Worldwide Learning (JWL) ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie Hochschulbildung weit über den Campus hinauswirken kann. Bereits seit 2010 bot der internationale Jesuitenflüchtlingsdienst Studienprogramme für Menschen in Krisenregionen an. Als eigenes Projekt wurde JWL 2016 ins Leben gerufen. Seit 2019 bringt sich die KU mit ihrer fachlichen Expertise in dieses internationale Netzwerk ein. Ziel ist es, jungen Menschen in benachteiligten Lebenssituationen ein Studium unter Bedingungen zu ermöglichen, unter denen reguläre Bildungswege oft versperrt sind. Dabei geht es nicht nur um Wissensvermittlung, sondern auch darum, Menschen zu befähigen, Verantwortung zu übernehmen und in ihren Gemeinschaften Veränderung anzustoßen. „Noch immer hat nur ein kleiner Teil geflüchteter Menschen Zugang zu Hochschulbildung. Dabei verfügen viele von ihnen über das Potenzial, die Motivation und den Wunsch zu studieren“, sagt Dr. Rowena Roppelt von der School of Transformation and Sustainability der KU, die die Zusammenarbeit mit JWL akademisch leitet.
Akademische Qualität, lokale Verankerung und digitale Vernetzung
Was die Partnerschaft auszeichnet, ist das Zusammenspiel aus akademischer Qualität, lokaler Verankerung und digitaler Vernetzung. Die KU entwickelt Zertifikatskurse wie „Learning Facilitator“, „Educational Innovation and Leadership“ oder „Reimagining Democratic Foundations for Peace“, sorgt für wissenschaftliche Standards und stellt Dozierende, die Online-Formate konzipieren und umsetzen. JWL schafft über Lernzentren in den Krisen- und Konfliktregionen die Infrastruktur und begleitet die Studierenden. Der Schlüssel zum Erfolg ist das Blended-Learning-Modell: Teilnehmende in Kenia, Malawi, Sri Lanka, Irak oder anderen Ländern lernen in lokalen Zentren, arbeiten zugleich in virtuellen Klassenräumen und stehen im Austausch mit Lehrenden und Mitstudierenden aus verschiedenen Teilen der Welt.
Die Zusammenarbeit zwischen JWL und der KU begann 2019 mit einem Pilotprojekt, an dem 31 junge Menschen aus Afghanistan und dem Flüchtlingslager Kakuma in Kenia teilnahmen. Daraus entwickelte sich das Programm „Learning Facilitator“ zu einem zentralen Baustein der Kooperation. Es qualifiziert junge Menschen dafür, inklusive und lernförderliche Bildungsräume zu gestalten – oft in Regionen, in denen der Zugang zu lehramtsbezogener Ausbildung begrenzt ist. Die Wirkung reicht dabei weit über die einzelnen Teilnehmenden hinaus. Die ersten Absolventinnen und Absolventen hätten zugleich als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren gewirkt und ihr Wissen und ihre Erfahrungen in ihre Gemeinschaften weitergetragen, berichtet Roppelt.
Genau darin liegt aus ihrer Sicht der Kern des Projekts. „Es geht nicht nur darum, einzelnen Personen Bildung zu vermitteln, sondern darum, diese Bildung weiterzugeben und damit in die Gesellschaft zu wirken“, betont Rowena Roppelt. JWL-Absolventinnen und -Absolventen würden zu Lehrkräften, Mentorinnen und Mentoren, Moderatorinnen und Moderatoren oder zivilgesellschaftlichen Akteurinnen und Akteuren, die ihr Wissen in Dörfer, Schulen, Flüchtlingsgemeinschaften und lokale Initiativen hineintragen. Eine Evaluation des Programms zeigte zudem, dass viele Absolventinnen und Absolventen ihre Unterrichtspraxis grundlegend verändert haben: weg von autoritären und teils gewaltförmigen Formen des Lehrens, hin zu schülerzentrierten, unterstützenden und gemeinschaftsorientierten Ansätzen.
Bildung als Perspektive und stiller Widerstand