Professur für Historische und Vergleichende Pädagogik

 

Die Professur für Historische und Vergleichende Pädagogik widmet sich in Lehre und Forschung der nationalen, internationalen und globalen Geschichte und Theorie von Erziehung und Bildung sowie von Pädagogik und Erziehungswissenschaft, insbesondere auch mit Blick auf die sogenannte nicht-westliche Welt, mit einem Schwerpunkt auf Lateinamerika. Dabei ist das Erkenntnisinteresse der historischen und vergleichenden Auseinandersetzungen stets pädagogisch motiviert und orientiert.

Im Zug der Überwindung eurozentrischer Perspektiven im Bereich der Bildungsgeschichte richtet sich ein Fokus auf den europäischen Kolonialismus und seine bis heute nachwirkenden Folgen (u.a. Kolonialität, Rassismus). In diesem Zusammenhang findet eine vertiefte Auseinandersetzung mit modernen, kolonialen, postkolonialen sowie dekolonialen Konzepten von Erziehung und Bildung statt, die als Beitrag zur epistemischen Dekolonialisierung der deutschsprachigen Erziehungswissenschaft verstanden wird.

Im Sinne einer internationalen und möglichst globalen Ausrichtung von Lehre und Forschung widmet sich die Professur internationalen, globalen, interkulturellen und hyperkulturellen Pädagogiken, insbesondere auch politischen Pädagogiken wie etwa Global Citizenship Education (GCE) oder Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE).

Neben der kritischen Auseinandersetzung mit pädagogischen Grundbegriffen, Konzepten und Theorien aus unterschiedlichen Zeiten, Ländern und Kulturen liegt ein Schwerpunkt von Lehre und Forschung im Bereich Wissenschaftstheorie und Forschungsmethoden bzw. Epistemologie und Methodologie. Zentrale Gegenstände der Auseinandersetzung sind hier u.a. die Pädagogische Hermeneutik und die Kulturwissenschaftliche Hermeneutik, metatheoretische Konzepte der Vergleichenden Erziehungswissenschaft sowie qualitative Methoden empirischer Bildungsforschung.

Im Sinne der Formulierung und Etablierung eines zeitgemäßen Verständnisses pädagogisch orientierter Bildungsforschung richtet sich ein Schwerpunkt der aktuellen Forschungstätigkeit auf die Entwicklung von Konzepten Konsumästhetischer Bildung und Konsumästhetischer Bildungsforschung. Damit rückt nicht nur die im Zuge der Ausbreitung eines ästhetischen Kapitalismus in nahezu allen Lebensbereichen gestiegene pädagogische Bedeutung von ästhetisch und kulturell aufgeladenen und inszenierten Konsumprodukten und -praktiken für individuelle und kollektive Prozesse der Identitätsbildung in den Blick, sondern zeigen sich insbesondere auch neue Formen kultureller Steuerung von Bildungsprozessen, die unter dem Stichwort Governance untersucht und kritisch analysiert werden.

Dabei richtet sich der Fokus insbesondere auf solche konsumästhetisch induzierten und inszenierten Formen der Werteorientierung, Moralisierung und Gefühlsbildung, die einen engen Bezug zum Themenkomplex der Identitätspolitik aufweisen. Da die Engführung gesellschaftlicher und politischer Auseinandersetzungen auf identitätspolitische Positionen zunehmend als problematisch begriffen wird, spielt der Zusammenhang von Identität und Bildung in der Erforschung und Konzeptualisierung der (post-) modernen sowie (post-) kolonialen europäischen Bildungsgeschichte eine zentrale Rolle.

Kontakt zur Professur Historische und Vergleichende Pädagogik

Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Philosophisch-Pädagogische Fakultät
Professur für Historische und Vergleichende Pädagogik
Ostenstraße 26
85072 Eichstätt

Sekretariat:
Frau Elisabeth Moßburger
elisabeth.mossburger(at)ku.de
Telefon: +49 8421 93-21455
Raum KGB-015