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Aktuelle Themen für Abschlussarbeiten

Bei Interesse an einem der folgenden Themen kontaktieren Sie bitte den entsprechenden Dozenten / die entsprechende Dozentin.


 

Fehler-Entdeckung in visuellen Suchaufgaben

Vielen Suchaufgaben mit hoher gesellschaftlicher Relevanz haben die gemeinsame Eigenschaft, dass die beteiligten Menschen seltene Zielreize korrekt detektieren müssen, so zum Beispiel bei der Sicherheitskontrolle an Flughäfen oder bei Untersuchung von Röntgenaufnahmen nach Tumoren. Frühere Studien legen nahe, dass Menschen dann dazu neigen, einen großen Anteil an Zielreizen dann zu verpassen, wenn die Zielreize nur selten vorkommen (Wolfe, Horowitz, & Kenner, 2005). Für diesen low prevalence effect wurden zwei verschiedene Erklärungen vorgeschlagen. Nach (Wolfe et al., 2007) verpassen die Menschen viele Zielreize, weil sie in der Erwartung, der Zielreiz sei ohnehin abwesend, die Suche frühzeitig abbrechen. Im Gegensatz dazu schlagen Fleck und Mitroff (2007) vor, dass seltene Zielreize doch entdeckt werden, aber seltene Zielreize dazu führen, dass die Versuchspersonen in Experimenten häufig die falsche Taste drücken. In dieser Abschlussarbeit sollen diese beiden Hypothesen überprüft werden.

Anforderungen:

  • Datenerhebung von 30 Versuchspersonen
  • Eigenständiges Arbeiten
  • Interesse an experimentalpsychologischen Fragestellungen, insb. Visuelle Suche und Fehlerentdeckung

Betreuer: Dr. Manuel Rausch (manuel.rausch(at)ku.de)

Literatur

Fleck, M. S., & Mitroff, S. R. (2007). Rare targets are rarely missed in correctable search. Psychological Science, 18(11), 943–947. doi.org/10.1111/j.1467-9280.2007.02006.x

Wolfe, J. M., Horowitz, T. S., & Kenner, N. M. (2005). Rare targets are often missed in visual search. Nature, 435(7041), 439–440. doi.org/10.1038/435439a

Wolfe, J. M., Horowitz, T. S., Wert, M. J. Van, Kenner, N. M., Place, S. S., & Kibbi, N. (2007). Low target prevalence is a stubborn source of errors in visual search tasks. Journal of Experimental Psychology: General, 136(4), 623–638. doi.org/10.1037/0096-3445.136.4.623


 

Metaanalyse Konfidenz und Entscheidungszeit

Entscheidungen über externe Objekte müssen häufig auf Basis gestörter Wahrnehmung getroffen werden. In diesem Fall kann man das betreffende Objekt länger betrachten oder eine andere Person nach ihrer Meinung fragen. Um zu erkennen, wann solche Strategien angemessen sind, wird Wissen darüber benötigt, mit welcher Wahrscheinlichkeit eine Entscheidung richtig sein wird. Die subjektive Überzeugung, wie wahrscheinlich eine Entscheidung richtig ist, bezeichnet man als Konfidenz (Pouget, Drugowitsch, & Kepecs, 2016). Es wurde vorgeschlagen, dass Konfidenz eng mit der für eine Entscheidung benötigte Zeitspanne zusammenhängt: Je weniger sicher man sich mit einer Entscheidung ist, desto länger sollte man für die Entscheidung benötigen (Kiani, Corthell, & Shadlen, 2014). Die Confidence Database, eine freie Sammlung von Datensätzen von Konfidenzexperimenten umfasst jedoch sowohl Experimente mit sehr hohen Korrelationen als auch Experimente ohne einen nennenswerten Zusammenhang von Konfidenz und Entscheidungszeit (Rahnev et al., 2020). Diese Abschlussarbeit soll mittels einer exploratorischen Datenanalyse der Confidence Database untersuchen, anhand welcher Variablen die Unterschiede zwischen den verschiedenen Studien erklären werden könnte.

Anforderungen:

  • Einarbeitung in die freie Statistiksoftware R
  • Interesse an allgemeinpsychologischen Fragestellungen, insb. perzeptuelle Konfidenz

Betreuer: Dr. Manuel Rausch (manuel.rausch(at)ku.de)

Literatur

Kiani, R., Corthell, L., & Shadlen, M. N. (2014). Choice Certainty Is Informed by Both Evidence and Decision Time. Neuron, 84, 1329–1342.

Pouget, A., Drugowitsch, J., & Kepecs, A. (2016). Confidence and certainty: distinct probabilistic quantities for different goals. Nature Neuroscience, 19, 366–374.

Rahnev, D., Desender, K., Lee, A. L. F., Adler, W. T., Aguilar-Lleyda, D., Akdoğan, B., … Zylberberg, A. (2019). The Confidence Database. Nature human behaviour. doi.org/10.1038/s41562-019-0813-1


 

Ist die bewusste visuelle Wahrnehmung binär oder graduell?

Nach der Global-Workspace-Theorie ist der Zugang zum Bewusstsein binär: Entweder ist ein Stimulus zu schwach, um die Schwelle zur bewussten Wahrnehmung zu überschreiten, oder er überschreitet die Schwelle, und genau dann wird ein Stimulus bewusst (Dehaene & Naccache, 2001; Sergent & Dehaene, 2004). In einer maskierten numerischen Diskriminationsaufgabe wurde beobachtet, dass ein hoher und niedriger Grad an Sichtbarkeit häufig und ein mittlerer Grad an Sichtbarkeit nur sehr selten berichtet wurde, was als Evidenz für die Global-Workspace-Theorie interpretiert wurde (Del Cul, Baillet, & Dehaene, 2007). Allerdings stellt sich die Frage, ob die seltenen Fälle mit mittlerer Sichtbarkeit bedeuten, dass mittlere Sichtbarkeit existiert und Bewusstsein deswegen doch nicht binär ist, oder sie als Messfehler betrachtet werden können. Es gibt jedoch eine neue Methode zu testen, ob die bewusste Wahrnehmung binär ist (Kellen & Klauer, 2015): Wenn Wahrnehmung binär ist, dann sollte die subjektive Sichtbarkeit in falschen Antworten unabhängig von der Stärke des Stimulus sein. In dieser Abschlussarbeit soll diese Hypothese überprüft werden.  

Anforderungen:

  • Datenerhebung von 30 Versuchspersonen
  • Eigenständiges Arbeiten
  • Interesse an allgemeinpsychologischen Fragestellungen, insb. visuelles Bewusstsein

Betreuer: Dr. Manuel Rausch (manuel.rausch@ku.de)

Literatur:

Dehaene, S., & Naccache, L. (2001). Towards a cognitive neuroscience of consciousness: basic evidence and a workspace framework. Cognition, 79, 1–37.

Del Cul, A., Baillet, S., & Dehaene, S. (2007). Brain Dynamics Underlying the Nonlinear Threshold for Access to Consciousness. PLoS Biology, 5(10), e260. doi.org/10.1371/journal.pbio.0050260

Kellen, D., & Klauer, K. C. (2015). Signal Detection and Threshold Modeling of Confidence-Rating ROCs: A Critical Test With Minimal Assumptions. Psychological Review, 122(3), 542–557.

 

Sergent, C., & Dehaene, S. (2004). Is Consciousness a Gradual Phenomenon? Evidence for an All-or-None Bifurcation During the Attentional Blink. Psychological Science, 15(11), 720–728.