Kerstin Hartnagel

Die Verstehbarkeit der historischen Sprachstufen des Deutschen aus Perspektive des Gegenwartsdeutschen: Eine Studie zum Althochdeutschen, Mittelhochdeutschen und Frühneuhochdeutschen

Fachgebiet: Deutsche Sprachwissenschaft

Betreuer: Prof. Dr. Sebastian Kürschner

Abstract:

Das angestrebte Dissertationsprojekt ist im Bereich der Verstehbarkeitsforschung angesiedelt. Die Verstehbarkeitsforschung liefert grundlegende Erkenntnisse zu den menschlichen Sprachverarbeitungskapazitäten, insbesondere zum rezeptiven Umgang mit Variation in der Sprache. Die Höhe der Verstehbarkeit zwischen zwei oder mehr Sprachen bzw. Varietäten wird dabei empirisch getestet und inner- und außer-sprachliche Faktoren identifiziert, die eine Aussage darüber treffen lassen, in welchem Ausmaß ein Verstehen gelingt und welche Gründe dafür angeführt werden können.

Das vorliegende Dissertationsprojekt beschäftigt sich mit der Verstehbarkeit der historischen Sprachstufen des Deutschen aus Perspektive des Gegenwartsdeutschen. Anhand eines empirischen Erhebungsvorhabens soll die Verstehbarkeit vergleichbarer Texte des Althochdeutschen, des Mittelhochdeutschen und des Frühneuhochdeutschen untersucht werden. In diesem Zusammenhang wird angestrebt, eine umfangreiche und vielseitige Datenerhebung zum Sprachverstehen auf drei Ebenen (Wort-, Satz- und Textebene) durchzuführen. Konkret soll getestet werden, inwieweit Probanden mit Deutsch als Muttersprache, aber ohne Kenntnisse historischer Sprachstufen spontan mit historischen Wörtern, Sätzen und Texten des Deutschen zurechtkommen. Vier Fragen sind dabei forschungsleitend: Zunächst ist von Interesse, wie hoch die Verstehbarkeit der einzelnen Sprachstufen des Deutschen ausfällt. In diesem Zusammenhang soll ferner geklärt werden, welche Art von Variation mühelos, welche nur mit größerem Aufwand verarbeitet werden kann, welche sprachlichen Faktoren also den Verstehbarkeitsgrad bedingen oder hemmen (beispielsweise soll untersucht werden, wie gut Unterschiede in Schreibung und Lautung, in der Wortstellung etc. verarbeitet werden). Auf dieser Grundlage kann dann untersucht werden, ob sich beim Vergleich der historischen Sprachstufen Unterschiede im Grad der Verstehbarkeit zeigen und falls ja, welche Ursachen dafür angeführt werden können. Abschließend soll – empirisch untermauert – geklärt werden, ob die Verstehbarkeit (erwartbarerweise) als ein Kriterium zur Periodisierung der deutschen Sprachgeschichte herangezogen werden kann.

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Kerstin Hartnagel
Doktorandin