Lernen durch Engagement für eine nachhaltige Entwicklung

Im diesjährigen Projektseminar des Zusatzstudiums Nachhaltige Entwicklung der KU haben 27 Studierende mit 8 externen Partnern (BRK, Malteser, Organic Garden, Stadt Eichstätt, Weltladen Ingolstadt, Klimagarten Eichstätt, Foodsharing Ingolstadt, Einfach so! Unverpacktladen Eichstätt) Service-Learning-Projekt durchgeführt.

Ziel des Projektseminars war es, fachliches Lernen zu Herausforderungen einer nachhaltigen Entwicklung – orientiert an den 17 Nachhaltigkeitszielen der UNESCO – mit gesellschaftlichem, gemeinwohlorientiertem Engagement zu verbinden und so, entsprechend des neuen Leitbildes der KU, Brücken zu bauen zwischen Universität und Gesellschaft.
Konkret bedeutet Service Learning, dass Studierende durch ihr Engagement im Projekten gesellschaftliche Verantwortung übernehmen und bei der Lösung realer Probleme helfen bzw. Unterstützung bei realen Bedarfen bieten und gleichzeitig innerhalb des Seminars diese Lernerfahrungen mit Fachwissen verbinden und reflektieren.

Nach einem Aufruf per E-Mail innerhalb der Nachhaltigkeitsnetzwerke „fairEInt – Initiative nachhaltige Region Eichstätt“ und „INzukunft – Nachhaltigkeitsnetzwerk Ingolstadt“ durch die Seminarleiterin Ina Limmer (wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Professur für Geographiedidaktik und Bildung für nachhaltige Entwicklung und Nachhaltigkeitskoordinatorin der KU), folgte von den angefragten Kooperationspartnern ein überwältigender Rücklauf. Mehr als 16 Organisationen, Vereine, Initiativen und Unternehmen brachten unzählige Projektideen und Bedarfe ein, die ihre Aktivitäten im Rahmen einer nachhaltigen Entwicklung unterstützen würden. Im April hatten nun die Studierenden des Projektseminars die Möglichkeit die potentiellen Kooperationspartner sowie deren Projektideen virtuell kennenzulernen. Gleichzeitig hatten sie die Qual der Wahl sich unter den vielen spannenden Projekten für eines zu entscheiden, dass sie die kommenden drei Monate allein oder in Kleingruppen unterstützen möchten.
Nach einigen Monaten engagierter Projektarbeit, die in engem Austausch mit den Projektpartner*innen erfolgte, wurden die Ergebnisse der Arbeit in den vergangenen Wochen innerhalb des Seminars den Kommilitoninnen und den Projektpartnern vorgestellt und diskutiert.

Innerhalb des Projektseminars erfolgte zudem eine persönlich-reflexive Begleitung des Engagements in den Projekten sowie eine fachliche Vertiefung zu Aspekten der nachhaltigen Entwicklung, zu denen sich die Studierenden gerne austauschen wollten, wie beispielsweise individuellen Handlungsfeldern nachhaltiger Entwicklung, Herausforderungen der großen Transformation zur Nachhaltigkeit, Agilem Projektmanagement und Social Impact Assessment.
Der Service-Learning-Charakter des Seminars wurde aufbauend auf den Erfahrungen der letzten Jahre weiter ausgebaut. Dies erfolgte mit Unterstützung des Teams vom Transferprojekt UNISERVITATE der KU, welches durch die Porticus-Stiftung finanziert und durch das lateinamerikanische „Center for Solidary Service Learning“ (CLAYSS) in Argentinien geleitet wird. Durch eine Onlinebefragung der Studierenden sowie der Projektpartner*innen soll zudem ein Beitrag geleistet werden, um ein valides Evaluationsinstrument für Service Learning Seminare zu erproben. Die wissenschaftliche Begleitung dieser Befragung liegt bei der Frankfurt University of Applied Science und dem Hochschulnetzwerk Bildung durch Verantwortung, bei dem die KU im Vorstand vertreten ist und die Geschäftsstelle leitet.

 

Projekte des Seminars

Einmal ohne Bitte

Stadt Eichstätt: Sophie Schmidt;
Studentinnen der KU: Alla Petrova, Sophia Große und Janina Neu


Die Problematik der übervollen Mülleimer in Eichstätt ist nicht erst seit gestern bekannt und sollte im Rahmen einer nachhaltigen Städtegestaltung überdacht werden. Diesen Gedanken hatte auch die Stadt Eichstätt und wollte diese Problematik gemeinsam mit Studierenden in Angriff zu nehmen und dabei gleichzeitig ein Projekt des vergangenen Jahres („Müllfrei in Eichstätt“ https://faireint-eichstaett.de/konzepte/) fortsetzen.
Das Ziel bestand darin, die Menge an Verpackungsmüll in der Stadt Eichstätt zu reduzieren und damit die Stadt Eichstätt nachhaltiger zu gestalten. Das Projekt, das die Studentinnen in Kooperation mit der Stadt Eichstätt durchführten, fokussierte die Einführung des Konzeptes „Einmal ohne Bitte“. Dabei werden Geschäfte und Lokale durch das Anbringen von Stickern an deren Ladentür oder Theke sichtbar gemacht, die es Ihren Kund*innen anbieten, verpackungsfrei einzukaufen. Hierzu betrieb die Projektgruppe Teilnehmerakquise und Öffentlichkeitsarbeit, sodass bis jetzt 5 Läden in Eichstätt als Kooperationspartner teilnehmen.

Foodsharing Ingolstadt auf der Landesgartenschau

Foodsharing Ingolstadt: Anja Sprotte;
Student der KU: Paul Kammerbauer

Der durchschnittliche Deutsche wirft im Jahr 75 Kilo Lebensmittel in den Müll – das ist zu viel! Deswegen hat sich die Organisation Foodsharing zum Ziel gesetzt, gegen die Lebensmittelverschwendung vorzugehen und noch genießbare Lebensmittel vor dem Müll zu bewahren.

Um auch die breite Masse auf die Missstände in unserem Umgang mit Lebensmitteln hinzuweisen und zum Umdenken anzuregen, bespielte Foodsharing Ingolstadt bei der Landesgartenschau den Open Container.

Am Vortag gerettete Lebensmittel sorgten für eine frische, sommerliche Atmosphäre und lockten die Besucher an. Sofort entstanden die ersten Gespräche. Die Reaktionen der Besucher auf die Menge der aussortierten Lebensmittel waren teils überrascht, teils bestürzt. Aber in einem waren sie sich einig: die ausgestellten Lebensmittel hätten niemals in den Müll gehört.

#GönnDirWandel

Weltladen Ingolstadt: Gabriele Schredl, Karin Swientek;
Studierende der KU: Stefan Frey, Franziska Hulin

Tapetenwechsel im Weltladen Ingolstadt
Die Projektgruppe hat die Social-Media-Kanäle Facebook und Instagram für den Weltladen Ingolstadt übernommen. Den Startpunkt dazu bildete der Weltladentag am 8. Mai 2021 unter dem Motto „Die Welt braucht einen Tapetenwechsel“. Anschließend wurde die #GönnDirWandel-Kampagne des Weltladen Dachverbandes umgesetzt. Mit motivierenden Aktionen, Informationsposts und Gewinnspielen rund um die Themen Nachhaltigkeit, Solidarität und fairer Handel konnten wir neue Follower*innen gewinnen und die Reichweite des Weltladen Ingolstadt vergrößern. Durch Kooperationen mit lokalen Organisationen, wie der Hochschulgruppe DenkNachhaltig! und dem BRK Kreisverband Eichstätt, versuchten wir ein größeres Netzwerk aufzubauen.

Biodiversität im Klimagarten

Kapuzinergarten Eden – Klimagarten Eichstätt: Esther Zimmer, Hannah Lachmann;
Studentinnen der KU: Projekt Totholzbiotop –  Irina Merz, Mira Vontz, Lea Aigner, Johanna Völkel; Projekt Insektenhotel – Franziska Prinz, Jenny Weinert, Sina Reichl und Nina Rieger


Im Kapuzinergarten Eden, dem Klimagarten der KU waren zwei Projektgruppen kooperativ eingebunden. Eine Gruppe errichtete ein Totholzbiotop, das aus zwei Elementen besteht: einem Totholzhaufen und einem Reisigzaun. Beide Biotope bieten Rückzugsorte, Lebensraum und Nährstoffquellen für Insekten, Reptilien, Amphibien und Säugetiere und schützen vor Erosion.

Eine zweite Gruppe widmete sich der Restaurierung und Konstruktion von Insektenhotels. Nach umfangreicher Recherchearbeit zu verschiedenen Materialien und ihren Vor- und Nachteilen für Insekten, wurden in drei Phasen im Mai und Juni die Insektenhotels restauriert. Alte Materialien wurden entfernt, die Hotels gereinigt, neue Materialien und Gitter zum Schutz vor Vögeln, in den Insektenhotels angebracht.

In Kooperation der beiden Projektgruppen wurde außerdem eine Informationstafel für den gerade entstehenden Lehrpfad im Kapuzinergarten entworfen. Zudem bot eine Anfang Juli stattfindende Bildungsveranstaltung zum Thema Insekten und Nützlingen allen Interessierten die Möglichkeit, die Projektergebnisse zu bewundern und Hintergründe zu erfahren. Außerdem wurde die Veranstaltung von Johann Bauch von „Eichstätt summt“ durch einen Fachvortrag zu Wildbienen und Biodiversitätsverlust bereichert.
Durch diese Projekte möchten die Studierenden auf die Bedeutung von Insekten und das in den letzten Jahren immer drastischer werdenden Biodiversitätsverlust aufmerksam machen sowie dazu anregen, im eigenen Garten oder auf dem Balkon, selbst aktiv zu werden und Maßnahmen zum Schutz unserer Insekten zu ergreifen. Die Projektergebnisse können jederzeit im Kapuzinergarten Eden in der Ostenstraße, Eichstätt bewundert werden.

Nachhaltigkeit aus der Sicht von marginalisierten Personen

Malteser Integrationsdienste: Janka Böhm;
Studentinnen der KU: Alana Bark, Jessica Breu, Maike Holtstiege, Klara Wippenbeck

Mit Unterstützung des Malteser Integrationsdienstes bildeten die Studentinnen dieser Projektgruppe  Zweier-Tandems mit einer Person mit Flucht- oder Migrationserfahrung. In wöchentlich stattfindenden Treffen lernten sich die Tandems kennen und tauschten sich inhaltlich zu Themen der Nachhaltigkeit, insbesondere zu Bildung und Geschlechterungleichheiten aus. Durch Unterhaltungen auf Augenhöhe, bei denen beide Partner*innen die Möglichkeit hatten Meinungen, Erfahrungen und Ideen einzubringen, wurde eine De- Professionalisierung von Themen eingeleitet, die uns alle betreffen. Die Einbeziehung nicht-akademischen Wissens und Erfahrungen aus erster Hand und der Aufbau eines Vertrauensverhältnisses zu den Partner*innen war für alle Beteiligte bereichernd. Interessante Einblicke in die Erfahrungswelt der Zweier-Tandems werden in den kommenden Wochen veröffentlicht.

Nutritainment

Organic Garden AG: Rebecca Böhm, Dimana Mitova;
Studierende der KU: Projekt Education – Lina Estermann, Dorothea Kläs, Antonia Glaum; Projekt Entertainment – Carina Antonin, Christian Schuth

Wir denken Ernährung neu – das ist die Vision der Organic Garden AG, die mit einem ganzheitlichen Nachhaltigkeitsmodell viele Menschen für gesunde Ernährung und umweltbewusstes Handeln begeistern möchte. In zwei Projektgruppen arbeiteten Studierende ein „Nutritainment“-Repertoire. Hierfür wurde für Schüler*innen zielgruppengerechter Content für die Kommunikationskanäle des Unternehmens erstellt, denn bereits jetzt werden 2500 Schüler*innen täglich von Organic Garden mit gesunden Gerichten versorgt.

Ein Teil der Studierenden übernahm den Entertainment Part auf Social Media in Form von kurzen Videoclips, in denen verschiedene saisonale Gerichte mit regionalen Produkten zubereitet wurden. Die anderen Studierenden bereiteten wissenswerte Inhalte bezüglich einer nachhaltigen Ernährung ansprechend auf. Wussten Sie beispielsweise, dass Äpfel schwimmen, weil sie zu 25% aus Luft bestehen? Das Format Nutritainment dient dazu, Kinder und Jugendliche für eine nachhaltige und gesunde Ernährung zu begeistern, indem Wissen durch kreative Beiträge weitergegeben wird.

Der vorbereitete Content wird in nächster Zeit Stück für Stück auf den Kanälen von Organic Garden und verschiedenen Schulkanälen veröffentlicht.

unverpackt regional

Unverpacktladen Eichstätt: Silke Beck;
Studentin der KU: Lena Bauch

Eine Studentin im Seminar nutzte ihre Vorerfahrungen im Grafik Design, um dem Unverpackt-Laden „Einfach So“ aus Eichstätt bei der Bildungs- und Informationsarbeit zu nachhaltigem, vor allem regionalem Einkaufen zu unterstützen. Hierfür wurde eine Regionalkarte gestaltet, auf der alle regionalen Lieferanten verortet sind. Diese soll den Kund*innen auf einen Blick zeigen, wo die Produkte herkommen und wie lang ihr Transportweg bis in den Laden war. Ein besonderer Fokus wurde hierbei auf den Landkreis Eichstätt gelegt, da der Laden viele seiner Produkte direkt aus Eichstätt und umliegenden Ortschaften bezieht. Für genauere Informationen zu den Lieferanten wurde zudem ein Regionalordner gestaltet, in dem jeder Hersteller mit einem kleinen Steckbrief dargestellt wird.

#WirHelfenAuf

BRK Kreisverband Eichstätt: Elisabeth Kehr, Heike Hönig, Marija Lukac;
Studentinnen der KU: Sarah Hildebrand, Stephanie Mitterer, Andrea Schmidl

Das Team rund um den Hausnotruf des Bayerischen Roten Kreuzes Kreisverband Eichstätt und drei Studentinnen der KU haben die Crowdfunding-Kampagne #WirHelfenAuf auf der Plattform WirWunder ins Leben gerufen. Mit der Kampagne sollen die Anschaffungskosten in Höhe von 31.000 EUR für zehn Hebekissen finanziert werden.

Derzeit stürzen im Kreisverband Eichstätt täglich Menschen, die allein nicht mehr aufstehen können. Der Hausnotruf-Service hilft den Kunden nach der Betätigung eines Hausnotrufknopfes wieder auf. Aktuell sind die Helfenden allein auf ihre Muskelkraft angewiesen, was zu schweren Verletzungen führen kann. Die aufblasbaren Hebekissen können hier für eine Entlastung sorgen.
Mehr zur Crowdfunding-Kampagne finden Sie unter: https://www.wirwunder.de/projects/94999