Wie reagieren landwirtschaftlich genutzte Moorböden auf Starkregen – und was bedeutet das für eine mögliche Wiedervernässung des Donaumooses? Mit dieser Frage beschäftigt sich ein aktuelles Wissenstransferprojekt der KU in Zusammenarbeit mit dem Donaumoos-Team und dem Donaumoos-Zweckverband. Ziel des Projektes ist es, die Hydrologie landwirtschaftlich genutzter Moorstandorte besser zu verstehen und dabei erstmalig Beregnungssimulationen auf ausgewählten Moorböden durchzuführen.
Gesunde Moore bestehen aus kaum zersetztem organischem Material (Torf), dessen Abbau an wassergesättigten Standorten unter anaeroben Bedingungen stark eingeschränkt ist. Sie stellen damit nicht nur einen besonderen Lebensraum dar, sondern liefern gleichzeitig einen der größten Kohlenstoffspeicher der Erde. In Deutschland wurden bereits rund 95 % aller Moore für die landwirtschaftliche Nutzung oder zur Gewinnung von Torf trockengelegt, mit der Folge, dass zunehmend große Mengen Kohlenstoffdioxid in die Atmosphäre freigesetzt werden. Im Zuge der Trockenlegung und jahrzehntelanger Umnutzung setzen Abbauprozesse ein und die Torfe verlieren Teile ihrer grundlegenden Eigenschaften. So wird die Wasseraufnahmefähigkeit von Torf oft mit einem Schwamm verglichen, welcher das Wasser aufnimmt, speichert und zeitverzögert wieder abgibt.
Genau diese Wasseraufnahme- und Wasserleitfähigkeit steht im Mittelpunkt des Projekts. Während gesunde Torfböden Niederschläge ähnlich einem Schwamm aufnehmen, ist bislang nur wenig darüber bekannt, wie sich heutige Landnutzungsformen, mögliche Bodenverdichtungen und unterschiedliche Vegetationsbedeckungen auf dieses Verhalten auswirken. Die Beregnungssimulationen sollen diese Wissenslücke schließen.
Die Untersuchungen finden auf zwei Grünland- und zwei Ackerflächen statt, welche zum Flächeninventar des Donaumoos-Zweckverbandes gehören. Geleitet werden die Feldversuche von Dr. Peter Fischer vom Fachgebiet für Bodengeographie und Bodenerosion, der auf eine langjährige Erfahrung in der Durchführung von Beregnungsexperimenten zurückblickt
Mit einer mobilen Beregnungsanlage der KU wird auf einem Quadratmeter an verschiedenen Zeitpunkten im Frühjahr, Sommer und Herbst ein Starkregenereignis simuliert. Damit können verschiedene Anfangswassergehalte, Grundwasserstände und Bodenbedeckungen abgebildet werden. Die Niederschlagsmengen orientieren sich dabei an für die Region typischen Starkregenintensitäten. Während der Regensimulation wird der Wasserstand in der Mitte der beregneten Fläche anhand eines automatischen Wasserstandsloggers gemessen, mit den so erhobenen Daten können Rückschlüsse auf die Infiltrations- und Drainagefähigkeit der jeweiligen Standorte gezogen werden. Ergänzende Laboranalysen liefern weitere Informationen zu den hydraulischen Eigenschaften der untersuchten Torfe.
Unterstützt wird das Projekt von der Professur für Geographiedidaktik und Bildung für nachhaltige Entwicklung unter Leitung von Prof. Dr. Jan Hiller. Ziel ist es, die wissenschaftlichen Ergebnisse nicht nur innerhalb der Forschung zu nutzen, sondern auch für Bildungs- und Vermittlungsformate aufzubereiten.
In diesem Rahmen ist unter anderem eine öffentliche Beregnungssimulation mit einer Schulklasse im Sommer 2026 geplant. Darüber hinaus bietet das Projekt allen Moor-Begeisterten und Torf-Interessierten die Möglichkeit, bei einem weiteren Termin live an den Beregnungsversuchen teilzunehmen. Begleitende Informationsveranstaltungen sollen zusätzlich Einblicke in die Moorboden-Hydrologie und die Besonderheiten des Donaumooses geben.