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Räume ethischer Bildung – Ein interdisziplinärer Austausch über Wahrnehmung, Emotion und Haltung

Zum Ende des Wintersemesters 2025/26 fand vom 10. bis 12. Februar 2026 an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt eine dreitägige interdisziplinäre Veranstaltungsreihe mit Workshops und Vorträgen zum Thema „Räume ethischer Bildung“ statt, die vom ZRKG unterstützt wurde. Im Zentrum des Programms, das von Imke von Maur und Katharina Zöpfl organisiert wurde, stand die Frage, wie das Lehren und Lernen von Philosophie und Ethik jenseits reiner Theorie als lebendige, verkörperte Praxis gestaltet werden kann. Ein gezielter Schwerpunkt war dabei die wechselseitige Verschränkung von emotionaler Bildung und der Haltung von Lehrpersonen, die nicht nur als Wissensvermittelnde, sondern als verkörperte Akteure mit gesellschaftlicher Verantwortung zu verstehen sind.

Ein weiterer Fokus lag auf dem Konzept des Service Learning als Praxis ethischer Bildung. Dabei wurden Potenziale und Grenzen dieser Methode im Hinblick auf gesellschaftliche Wirksamkeit und individuelle Haltungsentwicklung erarbeitet. Service Learning wurde dabei als Form des erfahrungsorientierten Lernens definiert, bei dem Studierende in Projekten gesellschaftliche Bedarfe adressieren und diese Erfahrungen durch gezielte Reflexion mit akademischen Inhalten verknüpfen. Die Veranstaltung wurde hauptsächlich von Lehramtsstudierenden und Ethiklehrkräften, aber auch anderen Studierenden, wie zum Beispiel aus dem Studiengang „Transformation – Nachhaltigkeit – Ethik“, besucht.

Den Auftakt bildete der Workshop „Körper – Raum – Haltung: Verkörperte Präsenz und Positionierung im Ethikunterricht“ unter der Leitung von Tula Böschen und Matthias Richter. Die Teilnehmenden lernten anhand körperbezogener und affektiver Übungen, was es bedeutet, als Ethiklehrkraft Haltung zu zeigen, wie die eigene Präsenz im Klassenzimmer die Vermittlung ethischer Inhalte beeinflusst und wie sich eine authentische, reflektierte Position (sowohl körperlich, affektiv als auch pädagogisch) im Raum einnehmen lässt. Dabei galt es, Selbst- und Fremdwahrnehmung als Grundlage pädagogischer Haltung durch Verkörperung und Wahrnehmung erfahrbar zu machen.

Highlight der Veranstaltungsreihe war der öffentliche Vortrag „Learning to See Wounded Beauty: Service Learning, Disability, and the Formation of Ethical Vision“ von Yulia Vintoniv. Die Theologin von der Ukrainian Catholic University in Lviv analysierte dabei, wie ethisches Sehen erlernt werden kann. Anhand eigener Erfahrungen aus der Zusammenarbeit mit Menschen mit Behinderung verdeutlichte sie die Bedeutsamkeit von Wahrnehmung, Sensibilisierung und Haltung in ethischen Bildungsräumen.

Der abschließende Workshop mit Christiane Hoth de Olano (Universität Bern) und Florian Wobser (Universität Passau) widmete sich dem Thema „Wahrnehmung, Emotion, Haltung – Ethische Bildung als verkörperte Präsenz“.

Christiane Hoth de Olano betonte in ihrem Beitrag, dass ethische Bildung weit über das bloße Formulieren moralischer Urteile hinausgeht: Sie betrifft fundamental die Wahrnehmung, Affekte und die eigene Positionierung im sozialen Raum. Emotionen wie Irritation, Mitgefühl oder Scham fungieren dabei als „Motoren“ für Veränderungen in der Haltung. Am Beispiel von Projekten wie der Aufarbeitung der Geschichte der „Colonia Dignidad“ oder der Kooperation mit Kleinbauern im „Café Garittea“ wurde gezeigt, wie die Begegnung mit sozialen Realitäten transformatives Lernen ermöglicht. Hoth de Olano hob dabei hervor, dass Reflexion das entscheidende Bindeglied ist, um aus praktischer Erfahrung tatsächliche Erkenntnis zu gewinnen.

Florian Wobser ergänzte die theoretische Fundierung durch den Rückbezug auf John Dewey und das Konzept der „dritten Orte“ nach Ray Oldenburg. Solche Orte, wie beispielsweise Cafés, Bibliotheken oder öffentliche Plätze, dienen als informelle Begegnungsräume jenseits von Wohnen und Arbeiten und bieten ein hohes Potenzial für das „Community Building“ und den demokratischen Austausch. In seinem Vortrag stellte er Praxisbeispiele wie das „Projekt Verantwortung“ in Berlin oder den philosophischen Lesezirkel „Drinnen & Draußen“ in einer Justizanstalt vor. Er verdeutlichte, dass Service Learning es ermöglicht, durch die Erfahrung von Komplexität Vorurteile zu hinterfragen und die Persönlichkeitsentwicklung zu stärken. Besonders die Begegnung mit dem „Anderen“ wurde als notwendige ethische Erfahrung markiert, die Sozialität über reines Wissenslernen stellt.

Vor dem Hintergrund der Ethikdidaktik sowie bildungsphilosophischer und sozialethischer Perspektiven diskutierten die Teilnehmenden abschließend Fragen der Verantwortung und Wirkung sowie die entsprechenden Anforderungen an Ethiklehrkräfte. Der Lehrstuhl Philosophie freut sich über die gelungene, vielseitige Veranstaltungsreihe zur vertieften, praxisnahen und kritisch-theoretisch fundierten Auseinandersetzung mit ethischer Bildung.

Veronika Heinl