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Sven Gastorf neues Mitglied am ZRKG

Sven Gastorf ist seit 2025 an der Katholischen Unversität Eichstätt-Ingolstadt als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Mittlere und Neue Kirchengeschichte, ThF, tätig. Seit Juni 2026 ist er assoziiertes Mitglied im ZRKG und engagiert sich im FF I.  Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der Reformationsforschung, u.a. Polemiken in reformatorischen und antireformatorischen Schriften. Im Interview mit dem ZRKG stellt er sich vor.

ZRKG: An welchem (Forschungs-)Projekt arbeiten Sie aktuell?

Gastorf:  Aktuell arbeite ich an meiner Dissertation über den Landshuter Franziskaner Kaspar Schatzgeyer († 1527), einen katholischen Kontroverstheologen der frühen Reformationszeit. Im Mittelpunkt des Projekts stehen seine theologischen Traktate und polemischen Schriften aus den Jahren 1520 bis 1526, die im Kontext der frühen reformatorischen Auseinandersetzungen entstanden sind.
Mein Untersuchungsansatz ist bewusst interdisziplinär angelegt. Während die theologische Analyse die inhaltlichen Positionen Schatzgeyers zu Themen wie der christlichen Freiheit, der Eucharistie oder dem Ordensleben und deren Einordnung in die theologischen Debatten der frühen Reformation herausarbeitet, verknüpfte ich diese mit sprachwissenschaftlichen Ansätzen. Mich interessiert besonders, mit welchen argumentativen und rhetorischen Strategien Schatzgeyer seine Leserinnen und Leser zu überzeugen versuchte: Wie nutzte Schatzgeyer die Macht der Sprache, um zu überzeugen, Gegner zu delegitimieren und theologische Inhalte sprachlich zu inszenieren? Ziel ist es, sowohl das theologische Profil als auch die Kommunikations-und Überzeugungsstrategien eines katholischen Autors in den konfessionellen Kontroversen des frühen 16. Jahrhunderts genauer herauszuarbeiten. Ich analysiere also nicht nur, was er argumentiert, sondern wie er argumentiert – welche argumentativen Muster er verwendet, wie er Invektiven strategisch einsetzt und wie er die reformatorischen Gegner rhetorisch bearbeitet.

ZRKG: Was motiviert Sie, einem interdisziplinären Forschungszentrum beizutreten? Gibt es Themen, die Ihnen dabei besonders wichtig sind?

Gastorf: Mich motiviert die Mitarbeit in einem interdisziplinären Forschungszentrum, weil ich davon überzeugt bin, dass sich viele wissenschaftliche Fragestellungen erst im Dialog verschiedener Disziplinen wirklich erschließen. Der Austausch über Fachgrenzen hinweg eröffnet neue Perspektiven, schärft den Blick für die eigenen methodischen Voraussetzungen und führt oft zu Fragestellungen, die innerhalb der eigenen Disziplin gar nicht in den Blick geraten wären. Auch für mein eigenes Forschungsprojekt, das in der Reformationsforschung verortet ist, gilt, dass sich gerade an der Schnittstelle von Theologie, Geschichts- und Sprach- bzw. Literaturwissenschaften neue Erkenntnisse ergeben, die bei einer isolierten Betrachtung kaum zugänglich wären. Obwohl es in der Kirchengeschichte verortet ist, profitiert es in hohem Maße von geschichts- und sprachwissenschaftlichen Ansätzen. Ohne die Geschichtswissenschaften wäre eine Einordnung in die politischen und sozialen Strukturen der frühen Neuzeit nicht möglich: Nur dadurch lassen sich theologische Positionen in den Kontext der sozialen, politischen und religiösen Situation des frühen 16. Jahrhunderts einordnen.
Eine ebenso zentrale Rolle spielen in diesem Kontext die Sprach- bzw. Literaturwissenschaften. Die Reformationsgeschichte ist untrennbar mit einem massiven medialen und sprachlichen Wandel verbunden. Die Analyse ermöglicht es, die spezifische Rhetorik, die argumentativen Strukturen und die volkssprachliche Wirkmächtigkeit der antireformatorischen Schriften zu entschlüsseln. Sprachwissenschaftliche Methoden helfen dabei, Nuancen und Bedeutungsverschiebungen zu erfassen und Invektiven zu identifizieren. So wird deutlich, wie theologische Konzepte durch die Wahl der Bilder und Wörter kommuniziert und vermittelt wurden. Die Verbindung unterschiedlicher Methoden und Perspektiven ermöglicht es, die Quellen differenzierter zu erschließen und ihre historischen Kontexte genauer zu berücksichtigen. Deshalb ist mir der wissenschaftliche Austausch wichtig, der nicht an den Grenzen einzelner Fächer Halt macht. Ich freue mich darauf, im ZRKG mit Forschenden aus unterschiedlichen Disziplinen ins Gespräch zu kommen, voneinander zu lernen und gemeinsam neue Perspektiven auf religions- und kulturgeschichtliche Fragestellungen zu entwickeln.

ZRKG: Gibt es eine Disziplin neben Ihrem eigenen Fach, der Sie sich besonders verbunden fühlen? Und wenn ja – warum?

Gastorf: Neben der Kirchengeschichte fühle ich mich insbesondere der Geschichtswissenschaft eng verbunden. Beide Disziplinen verbindet eine ähnliche methodische Herangehensweise: Die kritische Arbeit mit Quellen, ihre Einordnung in historische Kontexte und die sorgfältige Interpretation von Überlieferungen bilden in beiden Fächern die Grundlage wissenschaftlichen Arbeitens. Diese methodischen Gemeinsamkeiten erleichtern den interdisziplinären Austausch und machen ihn besonders fruchtbar. Hinzu kommen zahlreiche inhaltliche Berührungspunkte. Theologische Fragestellungen sind häufig eng mit historischen Entwicklungen verwoben und lassen sich nur vor dem Hintergrund ihrer Entstehungs- und Wirkungsgeschichte angemessen verstehen. Umgekehrt eröffnet die Auseinandersetzung mit religiösen Ideen, Praktiken und Institutionen wichtige Perspektiven für die Geschichtswissenschaft. Für meine eigene Forschung ist dieser Dialog äußerst gewinnbringend: Die geschichtswissenschaftlichen Methoden und Erkenntnisse erweitern meinen Blick auf kirchengeschichtliche Fragestellungen und tragen dazu bei, sie differenzierter und kontextsensibler zu bearbeiten.

ZRKG: Vielen Dank für das Gespräch!