Dr Andrea Pierozzi

Dr. Andrea Pierozzi

Andrea Pierozzi promovierte 2023 an der Universität Florenz mit einer Dissertation über die Kelten in griechischen Quellen zwischen dem 6. und 4. Jahrhundert v. Chr. Anschließend war er als Postdoktorand an der Universität Mailand tätig, wo er sich mit der Redekunst im Athen des 4. Jahrhunderts v. Chr. beschäftigte, und wirkte als Gastdozent an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Derzeit ist er als Fachvertreter für Griechische Geschichte (L-ANT/02) an der Universität Florenz tätig. Seine Forschungsinteressen umfassen insbesondere die historische Geographie der Antike, die griechische Historiographie, Fragen von Identität (mit besonderem Bezug zur Keltologie) sowie die antike Rhetorik.

 

Ancient Geography and Late Antique Geography: a diachronic cultural dialogue

 

Das Projekt untersucht die Rezeption des klassischen und hellenistischen geographischen Denkens in lateinischen Quellen der Spätantike. Im Mittelpunkt steht dabei die Überlieferung und Transformation von Ethnonymen, die als zentrale Indikatoren für Kontinuitäts- und Transformationsprozesse des antiken geographischen Wissens verstanden werden. Dieser Prozess wird als eine Form kulturellen „Dialogs“ zwischen chronologisch weit auseinanderliegenden, zugleich aber eng miteinander verbundenen Kontexten interpretiert.

Als zentrale Fallstudie dient die Cosmographia des Julius Honorius (5. Jahrhundert n. Chr.), ein Text mit einem besonders reichen Repertoire an Ethnonymen, der sich in besonderer Weise dazu eignet, die Persistenz und Wiederverwendung von Klassifikationsmustern der griechischen Tradition zu untersuchen. Die Analyse erfolgt in vergleichender Perspektive, indem der Text mit den kompilatorischen Sammlungen von Autoren wie Marcian von Herakleia in Beziehung gesetzt wird, die als mögliche Vermittlungsinstanzen im Transfer geographischen Wissens zwischen der klassischen und hellenistischen Tradition und der Spätantike interpretiert werden.

Durch eine lexikalische und vergleichende Analyse der Ethnonyme und ihrer Verwendungskontexte zielt das Projekt darauf ab, Prozesse der Bewahrung, Anpassung und semantischen Neudefinition ethnischer Kategorien im Übergang zwischen den verschiedenen Phasen der Tradition zu bestimmen.