50 Jahre Jura-Museum: Freistaat will Eichstätter Museum weiter stärken

Festakt 50 Jahre Jura Museum
© Christian Klenk

Wer im Jura-Museum auf der Eichstätter Willibaldsburg über Fossilien staunt, blickt nicht nur tief in die Erdgeschichte, sondern auch auf eine Sammlung von weltweitem wissenschaftlichem Rang. Das 50-jährige Bestehen der naturkundlichen Ausstellung wurde nun mit zahlreichen Ehrengästen aus Politik, Wissenschaft, Kirche und Region gefeiert. Bayerns Wissenschaftsminister Markus Blume nutzte den Festakt, um dem Haus eine starke Zukunftsperspektive zuzusprechen.

Blume würdigte das Jura-Museum als „einzigartiges Erbe“ und als wissenschaftliches Aushängeschild Bayerns. Besonders hob er hervor, dass sich hier die Urzeit der Region an originalen Funden anschaulich erschließe: „Es ist begeisternd, wenn man sieht, wie Urzeitgeschichte hier nahegebracht wird. Und zwar nicht von irgendwoher in der Welt, sondern quasi unmittelbar unter unseren Füßen.“ Naturkundemuseen seien für Bayern von großer Bedeutung, weil sie Geschichte und Heimat erlebbar machten und zugleich für größere wissenschaftliche Zusammenhänge sensibilisierten, so Staatsminister Markus Blume in seiner Ansprache.

Markus Blume
© Christian Klenk Staatsminister Blume

Zugleich verband Blume seine Würdigung mit einer politischen Botschaft. Der wissenschaftliche Auftrag des Museums solle weiter gestärkt werden; dafür gebe es „unglaubliche Potenziale“ und „fantastische Funde, um die uns die Welt beneidet“. Das Jura-Museum zeige beispielhaft, wie Forschung und Vermittlung zusammengeführt werden könnten. Gemeinsam mit den Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns (SNSB) wolle der Freistaat dazu beitragen, „aus diesem Jura-Museum noch mehr zu machen“.

Prof. Dr. Jörg Overmann
© Christian Klenk SNSB-Generaldirektor Prof. Dr. Jörg Overmann

Diese Perspektive griff auch der Generaldirektor der SNSB auf. In seinem Grußwort betonte Prof. Dr. Jörg Overmann die wissenschaftliche Bedeutung der Eichstätter Sammlung. Die Solnhofener Fossilien seien „ein außergewöhnliches Schaufenster in eine Zeit vor 150 Millionen Jahren“. Die besonderen Erhaltungsbedingungen erlaubten Einblicke, die weit über gewöhnliche Fossilienfunde hinausgingen: Selbst Federn und Weichteile seien hier überliefert. Mit rund 100.000 Exponaten sei das Jura-Museum ein zentraler Ort sammlungsbasierter Forschung.

Overmann verwies darauf, dass moderne wissenschaftliche Methoden wie Computertomografie, UV-Analyse sowie chemische und isotopische Untersuchungen heute immer neue Fragen an die Bestände ermöglichten. Gerade deshalb sei es entscheidend, die Exponate nicht nur der Öffentlichkeit zu zeigen, sondern dauerhaft zu bewahren. Für die Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns sei das Jura-Museum ein wesentlicher Bestandteil eines enger vernetzten naturkundlichen Verbunds – ein Hinweis darauf, dass die Zusammenarbeit innerhalb der bayerischen Museumslandschaft künftig noch intensiver werden dürfte.

Ifrim und Blume
© Christian Klenk Museumsleiterin Christina Ifrim und Minister Blume vor dem Archaeopteryx

Die wissenschaftliche Leiterin des Jura-Museums, PD Dr. Christina Ifrim, zeichnete in ihrer Ansprache die Entwicklung des Hauses nach. Gegründet wurde das Museum 1976 als staatlich verwaltetes Museum in Trägerschaft des Bischöflichen Seminars St. Willibald. Das Priesterseminar stellte die bedeutenden Sammlungsbestände zur Verfügung, aus denen das Museum hervorging und die bis heute den wissenschaftlichen Kern des Hauses bilden. Ursprünglich habe das Museum vor allem den Fossilien aus diesen Beständen einen würdigen Rahmen geben sollen. Inzwischen sei daraus nicht nur eine Bildungsinstitution, sondern zunehmend auch ein Forschungsort geworden.

Dass das Jura-Museum beides sein kann – wissenschaftliche Einrichtung und Publikumsmagnet –, unterstrich Ifrim auch mit Zahlen. Bereits im Eröffnungsjahr 1976 kamen mehr als 25.000 Besucherinnen und Besucher auf die Burg. Insgesamt wurden seither rund 3,4 Millionen Gäste gezählt. Zugleich verwies Ifrim auf 900 wissenschaftliche Publikationen, die auf Material des Jura-Museums oder seiner Sammlung beruhen. Allein dies sei „eine harte Währung“ in der Wissenschaft.

Blume auf der Burg
© Christian Klenk Begrüßung von Minister Blume durch Vertreter von Stadt, Landkreis und Universität

Auch die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt war bei dem Jubiläum sichtbar präsent. Die Universität ist seit 2019 über ihre Stiftung Trägerin des Museums. KU-Präsidentin Prof. Dr. Gabriele Gien begrüßte die Ehrengäste gemeinsam mit Christina Ifrim und Jörg Overmann. Vor dem Festakt unterzeichnete sie zudem gemeinsam mit Markus Blume eine Urkunde für das Gästebuch des Jura-Museums. Der Minister trug sich außerdem in das Goldene Buch der Stadt Eichstätt ein. Unter den Ehrengästen beim Staatsempfang auf der Burg waren auch die Hochschulleitung der KU, mehrere Mitglieder des Stiftungsrats der KU sowie die Vorsitzende des Hochschulrats, Barbara Loos.

Zu den bekanntesten Exponaten des Hauses gehören das Eichstätter Exemplar des Archaeopteryx und der Juravenator, das weltweit einzige Exemplar dieses Raubdinosauriers. Dass von Eichstätt aus Wissenschaftsgeschichte geschrieben wird, stand an diesem Nachmittag außer Frage. Minister Markus Blume formulierte den Anspruch für die Zukunft so: Dem Haus solle nicht nur für die nächsten Jahre, sondern „mindestens für die nächsten 50 Jahre – ach was sage ich: für die nächsten 150 Millionen Jahre“ eine Perspektive gegeben werden.


Text: Christian Klenk

Gruppenbild
© Christian Klenk Staatsminister Blume mit einem Abguss des Juravenators (das Original hängt sicher im Museum), rechts davon Landtagsabgeordnete Tanja Schorer-Dremel sowie die Hochschulleitung der KU
Gründer
© Christian Klenk Hatten maßgeblichen Anteil an der Museumsgründung: der ehemalige Regens des Priesterseminars, Prof. Dr. Ludwig Mödl (l.), und der erste Museumsdirektor Dr. Günter Viohl
Goldenes Buch
© Christian Klenk Eintrag im Goldenen Buch der Stadt
Ehrengäste
© Christian Klenk Ehrengäste besuchen die Ausstellung