Bildung in Krisenregionen: KU und Jesuit Worldwide Learning eröffnen Wege zur Hochschulbildung

Jesuit Worldwide Learning
© Jesuit Worldwide Learning

Für viele junge Menschen in Krisenregionen, Flüchtlingslagern und prekären Lebenslagen bleibt Hochschulbildung unerreichbar. Die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt setzt gemeinsam mit Jesuit Worldwide Learning genau hier an und eröffnet Bildungswege für Menschen, denen akademische Teilhabe sonst verwehrt bliebe. Anlässlich des zehnjährigen Bestehens von Jesuit Worldwide Learning lädt die KU am 26. November zu einem Festakt in die Sommerresidenz in Eichstätt ein.

Die Kooperation zwischen der KU und Jesuit Worldwide Learning (JWL) ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie Hochschulbildung weit über den Campus hinauswirken kann. Bereits seit 2010 bot der internationale Jesuitenflüchtlingsdienst Studienprogramme für Menschen in Krisenregionen an. Als eigenes Projekt wurde JWL 2016 ins Leben gerufen. Seit 2019 bringt sich die KU mit ihrer fachlichen Expertise in dieses internationale Netzwerk ein. Ziel ist es, jungen Menschen in benachteiligten Lebenssituationen ein Studium unter Bedingungen zu ermöglichen, unter denen reguläre Bildungswege oft versperrt sind. Dabei geht es nicht nur um Wissensvermittlung, sondern auch darum, Menschen zu befähigen, Verantwortung zu übernehmen und in ihren Gemeinschaften Veränderung anzustoßen. „Noch immer hat nur ein kleiner Teil geflüchteter Menschen Zugang zu Hochschulbildung. Dabei verfügen viele von ihnen über das Potenzial, die Motivation und den Wunsch zu studieren“, sagt Dr. Rowena Roppelt von der School of Transformation and Sustainability der KU, die die Zusammenarbeit mit JWL akademisch leitet.

Akademische Qualität, lokale Verankerung und digitale Vernetzung

Was die Partnerschaft auszeichnet, ist das Zusammenspiel aus akademischer Qualität, lokaler Verankerung und digitaler Vernetzung. Die KU entwickelt Zertifikatskurse wie „Learning Facilitator“, „Educational Innovation and Leadership“ oder „Reimagining Democratic Foundations for Peace“, sorgt für wissenschaftliche Standards und stellt Dozierende, die Online-Formate konzipieren und umsetzen. JWL schafft über Lernzentren in den Krisen- und Konfliktregionen die Infrastruktur und begleitet die Studierenden. Der Schlüssel zum Erfolg ist das Blended-Learning-Modell: Teilnehmende in Kenia, Malawi, Sri Lanka, Irak oder anderen Ländern lernen in lokalen Zentren, arbeiten zugleich in virtuellen Klassenräumen und stehen im Austausch mit Lehrenden und Mitstudierenden aus verschiedenen Teilen der Welt.

Die Zusammenarbeit zwischen JWL und der KU begann 2019 mit einem Pilotprojekt, an dem 31 junge Menschen aus Afghanistan und dem Flüchtlingslager Kakuma in Kenia teilnahmen. Daraus entwickelte sich das Programm „Learning Facilitator“ zu einem zentralen Baustein der Kooperation. Es qualifiziert junge Menschen dafür, inklusive und lernförderliche Bildungsräume zu gestalten – oft in Regionen, in denen der Zugang zu lehramtsbezogener Ausbildung begrenzt ist. Die Wirkung reicht dabei weit über die einzelnen Teilnehmenden hinaus. Die ersten Absolventinnen und Absolventen hätten zugleich als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren gewirkt und ihr Wissen und ihre Erfahrungen in ihre Gemeinschaften weitergetragen, berichtet Roppelt.

Genau darin liegt aus ihrer Sicht der Kern des Projekts. „Es geht nicht nur darum, einzelnen Personen Bildung zu vermitteln, sondern darum, diese Bildung weiterzugeben und damit in die Gesellschaft zu wirken“, betont Rowena Roppelt. JWL-Absolventinnen und -Absolventen würden zu Lehrkräften, Mentorinnen und Mentoren, Moderatorinnen und Moderatoren oder zivilgesellschaftlichen Akteurinnen und Akteuren, die ihr Wissen in Dörfer, Schulen, Flüchtlingsgemeinschaften und lokale Initiativen hineintragen. Eine Evaluation des Programms zeigte zudem, dass viele Absolventinnen und Absolventen ihre Unterrichtspraxis grundlegend verändert haben: weg von autoritären und teils gewaltförmigen Formen des Lehrens, hin zu schülerzentrierten, unterstützenden und gemeinschaftsorientierten Ansätzen.

Bildung als Perspektive und stiller Widerstand

Sabira Saei
© Christian Klenk JWL-Absolventin Sabira Saei

Besonders sichtbar wird die Bedeutung des Projekts dort, wo Bildungschancen für Frauen massiv eingeschränkt sind. Für viele Frauen wird Bildung so nicht nur zu einer persönlichen Perspektive, sondern auch zu einer Form stillen Widerstands. Die Afghanin Sabira Saei etwa gehörte zu den frühen Absolventinnen des JWL-Programms, über das sie die KU kennenlernte. Heute studiert sie dank eines DAAD-Stipendiums in Eichstätt und arbeitet selbst im JWL-Programm mit, um anderen jungen Menschen am Rand der Gesellschaft Bildung zu ermöglichen. „Solche Bildungsbiografien zeigen, wie aus Teilnehmenden selbst Gestalterinnen von Wandel werden“, sagt Roppelt.

Über die Jahre ist die Partnerschaft stark gewachsen. Mehrere hundert junge Frauen und Männer nehmen an den verschiedenen Programmen teil, neben „Learning Facilitator“ auch an Kursen zu Bildungsinnovation, Friedensförderung, Tourismus und KI-Kompetenz. Für die KU ist diese Zusammenarbeit nicht nur ein internationales Engagement, sondern auch ein Prozess des wechselseitigen Lernens. „Diese Partnerschaft verändert auch die KU selbst“, sagt Roppelt. In Service-Learning-Formaten kommen Studierende aus Eichstätt mit JWL-Studierenden in Kontakt. „Dadurch entsteht gegenseitiges Lernen und oft auch persönlicher Kontakt und Freundschaft.“

Mehr Informationen über das Programm Jesuit Worldwide Learning
 

Jubiläumsveranstaltung

Diese Verbindung von globaler Verantwortung und persönlicher Begegnung soll beim Jubiläum sichtbar werden. Unter dem Motto „10 Jahre Hoffnung, Wirkung und Zukunft – JWL und KU gemeinsam für Bildung an den Rändern“ lädt die School of Transformation and Sustainability am 26. November in die Sommerresidenz in Eichstätt ein. Zwischen 14.00 und 16.30 Uhr geben Infostände Einblicke in die Geschichte und Wirkung der Partnerschaft. Um 17 Uhr beginnt im Holzersaal der Festakt mit einem Rückblick und Ausblick auf das Projekt sowie einer Podiumsdiskussion. Außerdem wird das Buchprojekt „Where the Tulips Still Grow“ mit Beiträgen junger Afghaninnen vorgestellt.

Um Anmeldung zum Festakt bis 20. November wird gebeten per E-Mail an dekanat-sts(at)ku.de


Text: Christian Klenk

Das Programm Jesuit Worldwide Learning im Film

Vorschau JWL

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(Video aus dem Jahr 2022)