Was bedeutet das Mentoringprogramm für Sie persönlich – und würden Sie es weiterempfehlen?
Es ist für mich persönlich sehr wertvoll, dass ich durch das Programm die Möglichkeit habe, interessante Wissenschaftlerinnen aus verschiedenen Disziplinen kennenzulernen und wir unsere Erfahrungen austauschen und voneinander lernen können. Zudem weiß ich den Zugang zu professionellen Trainings und Coachings, beispielsweise zu Führungskompetenzen in der Wissenschaft, sehr zu schätzen. Den größten Gewinn stellt für mich der gegenseitige Austausch mit den Teilnehmenden und die Zusammenarbeit mit meiner Mentorin dar, die mich sehr unterstützt und ihr Wissen und ihre Erfahrungen zu unterschiedlichsten Themen mit mir teilt.
Ich würde das Mentoringprogramm weiterempfehlen, weil es ermöglicht, das eigene Netzwerk innerhalb und außerhalb der KU zu erweitern, und gute sowie relevante Trainings für Nachwuchswissenschaftlerinnen bietet, um sie in unterschiedlichen Phasen ihrer wissenschaftlichen Karriere zu unterstützen.
Woran forschen Sie aktuell und warum ist das Thema relevant?
Ich arbeite an mehreren Forschungsprojekten an der Schnittstelle von Dienstleistungsforschung, Wirtschaftsinformatik und Human Resource Management und untersuche dabei Phänomene im Rahmen von technology-infused service interactions. Dabei bedenke ich Auswirkungen auf die ökonomische, soziale und ökologische Nachhaltigkeit. Ein größeres Projekt untersucht beispielsweise, welche Rolle die Art, wie KI mit Menschen kommuniziert, für die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Mensch und KI spielt. Mensch und KI arbeiten immer selbstverständlicher in ganz verschiedenen Aufgaben zusammen. Diese Zusammenarbeit besser zu verstehen, nachhaltig zu gestalten und zu verbessern, halte ich für sehr relevant und zeitgemäß.
Wie erleben Sie Ihre Arbeit als Wissenschaftlerin – insbesondere im Hinblick auf Ihre Rolle als Frau in der Wissenschaft?
Ich empfinde die Arbeit als Wissenschaftlerin als großes Privileg und liebe meine Arbeit (fast immer). An Themen zu arbeiten, die mich interessieren, und Lösungen auf komplexe Fragestellungen in Zusammenarbeit mit internationalen Forschenden und der Praxis zu erarbeiten sowie die Arbeit mit Studierenden sind wichtige Aspekte, die die Arbeit so spannend und positiv herausfordernd machen. Nichtsdestotrotz ist das Wissenschaftssystem nicht perfekt und birgt Herausforderungen für Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler. Die große Stellenunsicherheit sowie die Abhängigkeit von externen Bewertungen (bspw. Reviews), die entscheidend für die eigenen Karrierechancen sind, berühren mich und schüren Zweifel, ob man es im Wissenschaftssystem schaffen kann.
Obwohl ich nicht denke, dass ich als Frau eine besonders andere Erfahrung als meine männlich gelesenen Kollegen mache, empfinde ich es schon so, dass Frauen in bestimmten Lebensphasen möglicherweise größere Hürden haben und das System darüber hinaus Verhaltensweisen, die eher typisch für Männer sind, belohnt. So gibt es beispielsweise Studien, die zeigen, dass Frauen nach der Geburt eines Kindes signifikant weniger publizieren als Männer, die Vater geworden sind. Darüber hinaus spielen Netzwerke sowie eine gesunde Selbstdarstellung eine wichtige Rolle für Karrierechancen. In beiden Bereichen sind Männer im Schnitt besser als Frauen, weshalb Programme wie das Mentoringprogramm für Nachwuchswissenschaftlerinnen an der KU gute Initiativen sind, um Frauen im bestehenden System zu fördern.
Neben den Anstrengungen des Individuums sind natürlich auch Veränderungen im System wichtig. Das Bewusstsein für die Thematik ist da, und Karrierewege in der Wissenschaft werden differenzierter (bspw. mehr Tenure-Track-Programme, Dauerstellen werden diskutiert), was ich als positives Zeichen empfinde, dessen Wirkung sich aber erst langfristig zeigen wird.
Welchen persönlichen Rat würden Sie Nachwuchswissenschaftlerinnen mit auf den Weg geben?
Versuchen Sie die Möglichkeiten und Vorteile, die der Beruf bietet, zu fokussieren und weniger Fokus auf die Hürden und Unsicherheiten zu legen. Wenn man die Flexibilität mitbringt, denke ich, wird es einen Job (in welcher Form auch immer) in der Wissenschaft und im Zweifel auch außerhalb geben. Es wäre schade, wenn wir talentierte Wissenschaftlerinnen schon am Start verlieren.
Informationen für Nachwuchswissenschaftlerinnen an der KU:
Hier finden Sie Informationen zum Mentoringprogramm der KU und hier zum Stipendienprogramm.
Die Bewerbungsfrist für beide Programme läuft noch bis zum 31.05.2026.