KU-Präsidentin Gabriele Gien begrüßt Reform der Lehrkräftebildung

KU-Präsidentin Gabriele Gien sieht im bayerischen Masterplan zur Reform der Lehrkräftebildung einen wichtigen Schritt, warnt aber vor einem rein quantitativen Ausbau der Praxisanteile. „Mehr Praxis heißt nicht automatisch mehr Qualität“, sagte Gien in einem Interview mit dem „Donaukurier“. Entscheidend sei, wie eng Schulen und Universitäten die angehenden Lehrkräfte begleiten und wie konsequent Praxiserfahrungen wissenschaftlich reflektiert würden.

Der von Kultusministerin Anna Stolz und Wissenschaftsminister Markus Blume vorgestellte Masterplan sieht vor, Studium, Vorbereitungsdienst und Fortbildung stärker zu verzahnen und die Ausbildung praxisnäher auszurichten. Herzstück ist ein neues „Praxisjahr intensiv“ mit 300 Stunden schulischer Praxis und mindestens 20 eigenen Unterrichtsversuchen. Die vollständig reformierten Studiengänge sollen zum Wintersemester 2029/30 starten. Gien bezeichnet das Vorhaben als die „entscheidendste Reform“, seit sie selbst in der Lehrerbildung tätig sei. Der Freistaat reagiere damit auf die verbreitete Kritik, dass das Lehramtsstudium zu wenig auf den Schulalltag und den sogenannten Praxisschock vorbereite. Ob die Reform dieses Problem spürbar abmildere, hänge aus ihrer Sicht aber vor allem von der politischen und organisatorischen Umsetzung ab.

Die KU-Präsidentin fordert insbesondere ein eng abgestimmtes Vorgehen von Kultus- und Wissenschaftsministerium. Beide Häuser müssten „am gleichen Strang“ ziehen und die Reform synchron vorantreiben. Nötig seien aus ihrer Sicht außerdem ausreichend Zeit für Modellversuche, wissenschaftliche Evaluation und Nachsteuerung. Eine so weitreichende Umgestaltung der Lehrerbildung sei „nicht zum Nulltarif“ zu haben, so Gien im Interview mit dem Donaukurier (Ausgabe vom 23. September). Sie bringt deshalb eine „High-Education-Agenda“ nach dem Vorbild der Hightech-Agenda in Bayern ins Spiel.

Deutlichen Änderungsbedarf sieht Gien auch beim Staatsexamen. Es reiche nicht, einzelne Prüfungsbestandteile auszutauschen oder zu streichen. Vielmehr müsse das Examen insgesamt entschlackt und stärker auf die tatsächlichen Kompetenzen künftiger Lehrkräfte ausgerichtet werden, statt vor allem fachwissenschaftliches Wissen abzufragen. Andernfalls drohe weiter ein „teaching to the test“. Zugleich vermisst Gien im Masterplan einen stärkeren Akzent auf Haltung und pädagogische Verantwortung. Aus ihrer Sicht gehört zur Lehrerbildung auch die Frage, wie künftige Lehrkräfte Empathie entwickeln und dafür sorgen können, dass sich Schülerinnen und Schüler in einer Lernumgebung „menschlich aufgehoben“ fühlen.

Die KU sieht Gien bei der weiteren Ausgestaltung der Reform gut positioniert. Lehrerbildung sei dort ein zentraler Profilbereich, rund ein Viertel der Studierenden ist im Lehramt eingeschrieben. Gien war vor ihrer Wahl zur Universitätspräsidentin Professorin für Didaktik der deutschen Sprache und Literatur an der KU und sammelte zudem selbst Erfahrungen im Schuldienst. Eichstätt könne nach ihrer Vorstellung auch als Modellstandort für die wissenschaftliche Begleitung der Reform dienen.