Wie lassen sich Wetter- und Klimamodelle schneller berechnen, ohne dass ihre Genauigkeit leidet? Mit dieser Frage beschäftigt sich Dr. Mansi Singh an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Die Mathematikerin entwickelt Verfahren, um komplexe Prozesse in Ozean und Atmosphäre effizienter zu analysieren. Für diese Arbeit ist sie nun mit dem Förderpreis „For Women in Science“ ausgezeichnet worden.
Der Preis ist mit 25.000 Euro dotiert und wurde in diesem Jahr an vier Forscherinnen vergeben. Die Preisverleihung fand am Mittwochabend in Düsseldorf statt. Neben Singh wurden Dr. Buse Aktaş vom Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme in Stuttgart, Dr. Dorit Brixius von der Technischen Universität Dresden und Dr. Anna Zieleniewska von der Technischen Universität München am Campus Straubing ausgezeichnet. Vergeben wird der Preis von L’Oréal, der Deutschen UNESCO-Kommission und dem Deutschen Humboldt-Netzwerk.
Mansi Singh forscht an der KU am Lehrstuhl für Angewandte Mathematik von Prof. Dr. Marcel Oliver, der zum Mathematischen Institut für Maschinelles Lernen und Data Science gehört. Im Mittelpunkt ihrer Forschung, die eingebettet ist in den DFG-Sonderforschungsbereich/Transregio TRR 181, stehen Modelle für Bewegungen in Ozeanen und der Atmosphäre. Dabei überlagern sich schnelle Wellenbewegungen mit langsameren Strömungen und Wirbeln. Für Computersimulationen ist das ein grundlegendes Problem, weil die schnellen Prozesse in herkömmlichen Rechenverfahren oft nur mit sehr kleinen Zeitschritten erfasst werden können. Das macht Simulationen langsam und rechenintensiv.
Singh arbeitet an mathematischen Verfahren, die solche Simulationen vereinfachen. Vereinfacht gesagt soll der Computer nicht jeden kleinen Zwischenschritt einzeln berechnen müssen, nur weil in Ozean und Atmosphäre auch sehr schnelle Bewegungen auftreten. Stattdessen sucht Singh nach Wegen, die schnellen Abläufe gesondert zu behandeln und zugleich die entscheidenden Wechselwirkungen im Modell zu erhalten. Dabei nutzt sie Methoden, die wiederkehrende Muster in komplexen Berechnungen erkennen und so den Rechenaufwand verringern.
Für die Klima- und Wetterforschung ist das relevant, weil dort große Datenmengen verarbeitet und aufwendige Simulationen gerechnet werden. Wenn solche Modelle effizienter werden, lassen sich Berechnungen schneller und mit geringerem Ressourcenverbrauch durchführen. Zugleich geht es in Singhs Arbeit um ein besseres Verständnis dafür, wie Energie in Ozean- und Atmosphärensystemen zwischen großen Strömungen, Wellen und kleinräumigen turbulenten Bewegungen übertragen wird. Solche Prozesse spielen auch für die Modellierung von Wetterextremen und langfristigen Klimaentwicklungen eine Rolle.
Singh ist seit 2025 Postdoktorandin an der KU. Ihre Promotion in Mathematik schloss sie 2024 in Indien ab. Während ihrer Doktorarbeit erhielt sie die Prime Minister’s Research Fellowship der indischen Regierung.
Das Förderprogramm „For Women in Science“ wurde 1998 von der L’Oréal Stiftung und der UNESCO ins Leben gerufen und ist seit 2007 auch in Deutschland etabliert. Weltweit wurden nach Angaben der Veranstalter mehr als 4700 Wissenschaftlerinnen gefördert. In Deutschland wurde der Preis bislang mehr als 50 Mal vergeben. Mit dem Programm solle nicht nur Forschung gefördert, sondern auch auf bestehende Ungleichheiten im Wissenschaftssystem aufmerksam gemacht werden, sagte die Präsidentin der Deutschen UNESCO-Kommission, Prof. Dr. Maria Böhmer. „Frauen werden weltweit benachteiligt, auch in den Arbeitsfeldern der UNESCO, in Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation“, erklärte sie. Die UNESCO arbeite intensiv an ihrer Gleichstellung, an Chancengerechtigkeit und am Abbau von Hürden. Auch die Vorsitzende des Deutschen Humboldt-Netzwerks, Prof. Dr. Elke Bogner, verwies auf strukturelle Probleme: „Chancengleichheit und Diversität in der Wissenschaft sind unerlässlich für wissenschaftlichen Fortschritt.“ Das Programm „For Women in Science“ setze ein Zeichen gegen die Unterrepräsentation von Frauen in der Forschung.
An der Preisverleihung im Düsseldorfer Schauspielhaus D’Haus nahmen nach Angaben der Veranstalter rund 150 Gäste aus Kultur, Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft teil. Durch den Abend führte TV-Moderatorin Arabella Kiesbauer. Unter den Gästen waren unter anderem der Modedesigner Guido Maria Kretschmer, die Karriere-Mentorin und Autorin Christina Sontheim-Leven sowie die Zukunftsforscherin Prof. Anabel Ternès von Hattburg.