Mit dem Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) wurde Daria Kohut aus der Ukraine ausgezeichnet. Sie studiert an der KU den Bachelor Data Science, zuvor absolvierte sie ein Bachelorstudium in Economic Cybernetics in Kiew. Kohut verbinde akademische Spitzenleistungen mit bemerkenswertem gesellschaftlichem Engagement, betonte KU-Vizepräsident Klaus Meier in seiner Laudatio. Geprägt von den Erfahrungen des Krieges in ihrer Heimat möchte sie Technologien entwickeln, die Menschen schützen und demokratische Gesellschaften stärken. So arbeitete Kohut im Rahmen des European Defense Tech Hackathon an einem KI-gestützten System zur akustischen Erkennung von Drohnen. Neben ihrem Studium engagiert sie sich als Mentorin für Studienanfängerinnen und -anfänger sowie in studentischen Initiativen.
Tabea Bruttel erhielt für ihre innovative Masterarbeit den Preis der Fritz und Rosa Gutmann-Stiftung für Abschlussarbeiten zum Thema Nachhaltigkeit. Bruttel untersuchte, wie dramapädagogische Methoden Kindern im Grundschulalter helfen können, sich emotional und reflektiert mit Nachhaltigkeitsfragen auseinanderzusetzen. Die Ergebnisse zeigen, dass solche Formate nicht nur Wissen vermitteln, sondern junge Menschen zu eigenem Handeln und einer fundierten Meinungsbildung motivieren können. Damit leiste die Preisträgerin einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung der Bildung für nachhaltige Entwicklung, so Klaus Meier bei der Preisverleihung. Und das nun auch in ihrer Berufspraxis: Seit April 2026 leitet Tabea Bruttel als Lehrbeauftragte der KU das Projektseminar Bildung für nachhaltige Entwicklung.
Der Preis der Maximiliane-Kocher-Stiftung für junge Historikerinnen und Historiker geht 2026 an Dr. des. Christiane Hoth de Olano für ihre Dissertation zur Medizingeschichte im Süden Chiles um 1900. Die Arbeit beleuchtet, wie unterschiedliche medizinische Wissenskulturen und Lebenswelten in einer ländlich geprägten Region aufeinandertrafen und konkurrierten. Dafür trug Hoth de Olano Quellen aus 34 Archiven in sieben Ländern zusammen und erarbeitete anhand von Beispielen wie Geburtshilfe oder Impfkampagnen, wie medizinisches Wissen ausgehandelt, marginalisiert und neu kontextualisiert wurde. Die Preisträgerin ist seit 2025 Postdoc am Historischen Institut der Universität Bern und mit dem Aufbau eines Zentrums für Ibero-Amerikanische Studien betraut.
Mit dem Preis der Professor Sutor-Stiftung für soziale und politische Ethik zeichnet die KU in diesem Jahr Dr. des. Mariah Freitas Monteiro aus. Ihre Dissertation befasst sich mit den historischen Wurzeln des massiven Pestizideinsatzes in Brasilien und leistet damit einen spannenden Beitrag zu Debatten über Umweltgerechtigkeit und globale Verantwortung. Mit Brasilien rückt Freitas Monteiro den weltweit größten Exporteur von Agrargütern in den Fokus und zeigt insbesondere die Rolle des transnationalen Unternehmens Bayer auf. Sie arbeitet klar heraus, wie staatliche Modernisierungspolitik und wirtschaftliche Interessen ein Agrarmodell etablierten, dass strukturell von Chemikalien abhängig ist. Mariah Freitas Monteiro ist der KU seit vielen Jahren verbunden – zunächst als Austauschstudentin und bis heute als wissenschaftliche Mitarbeiterin.
Dass Frauen sich nachts im öffentlichen Raum deutlich unsicherer fühlen als Männer, zeigen bereits viele Studien. Mit dem Preis der Sparkasse Ingolstadt Eichstätt für die beste Masterarbeit wurde nun Annkathrin Dilly ausgezeichnet, die diese Problematik aus einem neuen Blickwinkel betrachtet. In der Preisverleihung hob Laudator Klaus Meier vor allem die methodische Kombination subjektiver Wahrnehmung mit objektiv messbaren körperlichen Reaktionen hervor. Anhand einer Feldstudie in Nürnberg konnte Dilly aufzeigen, dass Frauen Angsträume nicht nur subjektiv erleben, sondern auch konkrete körperliche Stressreaktionen zeigen. Die Arbeit liefert damit wichtige Impulse für eine geschlechtersensible Stadtplanung.
Gleich zweimal wurde in diesem Jahr der Preis der Volksbank-Raiffeisenbank Bayern Mitte für die beste Dissertation vergeben. Dr. Martina Grunenberg erhielt die Auszeichnung für ihre psychologische Doktorarbeit zum Umgang mit zwischenmenschlichen Konflikten. In ihrer aus vier Einzelstudien bestehenden kumulativen Arbeit untersuchte sie, wie persönliche Eigenschaften und situative Faktoren unsere Reaktionen auf Konflikte beeinflussen. Die Ergebnisse sind ebenso wissenschaftlich relevant wie alltagsnah: So zeigt sich unter anderem, dass wahrgenommene Ungerechtigkeit Vertrauen nachhaltig beschädigt und Entschuldigungen nur dann wirken, wenn sie als aufrichtig erlebt werden. Gesamtgesellschaftlich relevant ist insbesondere der Befund, dass sich konstruktiver Konfliktumgang über niedrigschwellige digitale Formate wie Online-Videos vermitteln lässt. Martina Grunenberg arbeitet seit 2021 als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Sozial- und Organisationspsychologie und ist dort im interdisziplinären Kooperationsprojekt „Konflikt und Kommunikation“ tätig.
Ein weiterer Dissertationspreis ging an die Germanistin Dr. Kerstin Dierolf. In ihrer Doktorarbeit widmete sie sich der Frage, warum wir manche historische Wörter intuitiv verstehen und andere nicht. Dafür übertrug sie Methoden der Verstehbarkeitsforschung auf das Alt-, Mittel- und Frühneuhochdeutsche und verband qualitative mit quantitativen Verfahren. Ihre empirische Studie ergab, dass die Verstehbarkeit abnimmt, je weiter der zeitliche Abstand zur Gegenwartssprache ist. Dialektkompetenz und Fremdsprachenkenntnisse beeinflussen die Verstehensleistung positiv. So zeigt die Arbeit, dass historische Sprachstufen des Deutschen keine fremden Welten sind, sondern an bestehende Sprachkompetenzen anschließen. Dierolf ist seit 2021 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Deutsche Sprachwissenschaft. Den Preis nahm stellvertretend der Doktorvater Prof. Dr. Sebastian Kürschner entgegen.
Für seine Habilitationsschrift zum Thema „Im Bann des Bösen“ wurde Dr. Dr. habil. Klaus Viertbauer am Dies Academicus mit dem Preis der Eichstätter Universitätsgesellschaft gewürdigt. Was meinen wir eigentlich, wenn wir vom Bösen sprechen? Viertbauer nähert sich dieser Frage aus philosophischer und theologischer Perspektive und entwickelt eine neue Sichtweise. Statt das Böse als abstrakte metaphysische Kategorie zu verstehen, interpretiert er es streng relational als Ausdruck gestörter Beziehungen: zu sich selbst, zu anderen Menschen und zu Gott. Nach Stationen in Linz, Innsbruck und Eichstätt ist Viertbauer seit 2025 Akademischer Rat an der Pädagogischen Hochschule Weingarten.
„Exzellente Lehre vermittelt nicht nur Wissen, sie schafft Erfahrungsräume, motiviert und verbindet Theorie und Praxis“, sagte Prof. Dr. Klaus Meier in der Laudatio zum Preis der Liga Bank-Stiftung für Exzellente Lehre. Genau dafür stehe das ausgezeichnete Modul „Geländepraktikum für Fortgeschrittene“ im Bachelorstudiengang Geographie in herausragender Weise. Das Lehrformat führt Studierende seit 16 Jahren immer im April auf die Insel Elba und verbindet wissenschaftliche Methodenkompetenz mit intensiver praktischer Feldforschung und eigenverantwortlichem Arbeiten. Verantwortet wird es von Dr. Manuel Stark, Georgia Kahlenberg und Prof. Dr. Florian Haas sowie zeitweise Prof. Dr. Susanne Jochner-Oette.
Den Dialog über Disziplinen und Grenzen hinweg rückt der diesjährige Preisträger der Maximilian Bickhoff-Universitätsstiftung in den Fokus. Das Zentralinstitut für Lateinamerikastudien (ZILAS) der KU feiert am 11. Juni sein 40jähriges Bestehen und veranstaltet in diesem Kontext das siebte Maximilian-Bickhoff-Kolloquium. Im Mittelpunkt steht Lateinamerika als Weltregion, in der sich viele große Transformationsprozesse in besonderer Dichte zeigen: politische Umbrüche, ökologische Krisen, gesellschaftliche Polarisierung und geopolitische Verschiebungen. Das Kolloquium fragt nicht nur nach aktuellen Entwicklungen, sondern auch danach, wie Wissenschaft auf Zeiten des Umbruchs reagieren kann.
„Forschung entfaltet ihre volle Wirkung, wenn sie nicht im akademischen Raum verbleibt, sondern in die Gesellschaft hineinwirkt“, hob Laudator Prof. Dr. Jens Hogreve hervor und leitete so zur Verleihung des Transferpreises der KU über. Die Jury entschied sich hier in diesem Jahr für ein DFG-Forschungsprojekt zur Ausgestaltung von Schuldenhilfen für finanzschwache Kommunen. Die Wirtschaftsgeographen Dr. Simon Dudek und Dr. Andreas Kallert verbinden darin Grundlagenforschung mit gesellschaftlicher Praxis. Neben wissenschaftlicher Analyse entstanden – mit Unterstützung der Kartographinnen Alexandra Kaiser und Katrin Wycik – interaktive Visualisierungen sowie konkrete politische Handlungsempfehlungen zur Stärkung strukturschwacher Kommunen.