Die Liturgie der Gläubigen beginnt mit zwei „Gebeten der Gläubigen", bei denen der Priester für die Gläubigen spricht und damit die Gemeinschaft in der Eucharistie (HI. Abendmahl) ausdrückt. Die Königstür/Heilige Pforte wird geöffnet und der Chor stimmt den Hymnus der Cherubim (Cherubikon) an. Der Priester spricht währenddessen ein Gebet und spricht danach dreimal mit erhobenen Händen und Augen den Cherubim-Hymnus, an dessen Ende er sich verbeugt. Er küsst den heiligen Tisch, grüßt die Chöre und das Volk und begibt sich in das Proskomidiar/die Prothesis, wo die zugedeckten dargebrachten Gaben stehen.
Erstes Gebet der Gläubigen: Wir danken Dir, Herr, Gott der Mächte, der Du uns gewürdigt hast, auch jetzt vor Deinem heiligen Opfertisch zu stehen und vor Deinem Mitleid niederzufallen wegen unserer Sünden und der unwissentlichen Verfehlungen des Volkes. Nimm, o Gott, unser Gebet an, und mache uns würdig, Dir Gebete, flehentliche Bitten und unblutige Opfer darzubringen für Dein ganzes Volk. Und befähige uns, die Du in diesen Deinen Dienst gestellt hast, Dich in der Kraft Deines Heiligen Geistes ohne Verurteilung und Anstoß mit dem reinen Zeugnis unseres Gewissens anzurufen zu jeder Zeit und an jedem Ort, auf dass Du uns erhörst und uns gnädig seiest in der Fülle Deiner Güte. Denn Dir gebührt alle Verherrlichung, Ehre und Anbetung, dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, jetzt und immerdar und in die Ewigkeit der Ewigkeit.
Zweites Gebet der Gläubigen: Wieder und immer wieder fallen wir vor Dir nieder und bitten Dich, Guter und Menschenliebender, Du mögest, auf unser Gebet blickend, unsere Seelen und Leiber von aller Befleckung des Fleisches und des Geistes reinigen und uns verleihen, schuldlos und unverurteilt vor Deinem heiligen Opfertisch zu stehen. Schenke, o Gott, auch allen, die mit uns beten, Wachstum in Leben, Glauben und geistlicher Einsicht. Verleihe ihnen, Dir allezeit mit Furcht und Liebe zu dienen, schuldlos und unverurteilt an Deinen heiligen Mysterien teilzunehmen und Deines himmlischen Königtums gewürdigt zu werden. Damit wir, von Deiner Macht allezeit behütet Dir Verherrlichung emporsenden, dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, jetzt und immerdar und in die Ewigkeit der Ewigkeit. Amen.
Der Cherubim-Hymnus (wird vom Chor gesungen): Die wir die Cherubim im Mysterium abbilden und der lebenschaffenden Dreiheit den Hymnus des Dreimalheilig singen, lasst uns nun ablegen alle irdischen Sorgen, damit wir empfangen den König des Alls, der unsichtbar geleitet wird von den Ordnungen der Engel. Alleluïa, Alleluïa, Alleluïa.
Das Gebet des Priesters während des Cherubim-Hymnus: Keiner der von fleischlichen Begierden und Lüsten Gefesselten ist würdig, vor Dich hinzutreten, sich Dir zu nahen oder Dir zu dienen, König der Herrlichkeit; denn Dir zu dienen, ist groß und furchtbar, selbst den himmlischen Mächten. Gleichwohl aber wegen Deiner unsagbaren und unermesslichen Menschenliebe ohne Wandel und Veränderung Mensch geworden, wurdest Du unser Hoherpriester und hast uns als Gebieter über alles den Priesterdienst dieses liturgischen und unblutigen Opfers übergeben; denn Du allein, Herr, unser Gott, gebietest über die Himmlischen und Irdischen, Du auf cherubischem Thron Getragener, Herr der Seraphim und König Israels, der Du allein heilig bist und im Heiligen ruhst. Dich bestürme ich nun, den einzig Guten und gütig Erhörenden: Blicke auf mich, Deinen sündigen und unnützen Knecht, und reinige meine Seele und mein Herz vom bösen Gewissen und befähige mich durch die Kraft Deines Heiligen Geistes, bekleidet mit der Gnade des Priestertums, vor diesem Deinem Heiligen Tisch zu stehen und den Priesterdienst zu vollziehen an Deinem heiligen und allreinen Leib und an Deinem kostbaren Blut. Denn vor Dich trete ich hin, meinen Nacken geneigt, und bitte Dich: Wende nicht Dein Angesicht von mir ab und verwirf mich nicht aus der Schar> Deiner Diener, sondern würdige mich, Deinen sündigen und unwürdigen Knecht, Dir diese Gaben darzubringen. Denn Du bist der Darbringende und der Dargebrachte, der Empfangende und der Ausgeteilte, Christus, unser Gott, und Dir senden wir die Verherrlichung empor, samt Deinem anfanglosen Vater und Deinem allheiligen und guten und lebenschaffenden Geiste, jetzt und immerdar und in die Ewigkeit der Ewigkeit. Amen
Der Priester (und Diakon) spricht vor dem Heiligen Tisch dreimal den Cherubim-Hymnus und verbeugen sich dabei jeweils am Ende.
Offb 19,1 Danach hörte ich etwas wie eine große Stimme einer großen Schar im Himmel, die sprach: Halleluja! Die Rettung und die Herrlichkeit und die Kraft sind unseres Gottes! ... Und sie sprachen zum zweiten Mal: Halleluja! Und ihr Rauch steigt auf von Ewigkeit zu Ewigkeit. Und die vierundzwanzig Ältesten und die vier Wesen fielen nieder und beteten Gott an, der auf dem Thron saß, und sprachen: Amen, Halleluja!
Erläuterung:
Die Vorstellung, dass Himmel und Erde zugleich die Göttliche Liturgie feiern, kommt bei den Gebeten des Priesters als auch beim Cherubim-Hymnus deutlich zum Ausdruck. Die Gläubigen mit dem Priester sehen sich wie die himmlischen Mächte, die Cherubim, um Gottes Thron versammelt und ihn mit dem Dreimalheilig anbeten. Darum auch das inständige Gebet des Priesters - im Namen des Volkes - um das Reinigen von allem, was von Gott ablenkt. Die Menschen bereiten sich auf das Begegnen mit Gott vor.