Dokumentation alter franziskanischer Kirchen in Ägypten

Alexandria
rechts die katholische Katharinenkirche, links die griechische Kirche in Alexandria im Jahr 1875

Das Projekt “Dokumentation alter franziskanischer Kirchen in Ägypten” widmet sich der wissenschaftlichen Dokumentation und digitalen Erschließung franziskanischer Kirchen in Ägypten. Ziel des langfristig angelegten Vorhabens ist es, das reiche religiöse, kulturelle und architektonische Erbe der katholischen Gemeinden Ägyptens zu bewahren und zugleich einer breiteren wissenschaftlichen wie öffentlichen Wahrnehmung zugänglich zu machen. Die katholischen Kirchen Ägyptens stellen einen bedeutenden Bestandteil der ägyptischen Geschichte und kulturellen Vielfalt dar. Über Jahrhunderte hinweg entstanden vielfältige Traditionen, architektonische Ausdrucksformen und soziale Netzwerke, die bis heute das kulturelle Leben des Landes mitprägen.

Zielsetzung des Projekts

Im Zentrum des Projekts steht die umfassende Dokumentation historisch bedeutender katholischer Kirchengebäude sowie ihrer liturgischen, künstlerischen und gesellschaftlichen Kontexte. Dabei sollen sowohl architektonische Besonderheiten als auch historische Entwicklungen, religiöse Traditionen und soziale Funktionen der Gemeinden erfasst werden. Besonderes Augenmerk gilt zudem den vielfältigen kulturellen Wechselwirkungen, welche die katholischen Kirchen Ägyptens über Jahrhunderte hinweg geprägt haben.

Alexandria
historische Aufnahme der Katharinenkirche in Alexandria

Das Projekt versteht sich ausdrücklich als Beitrag zur Bewahrung des kulturellen Erbes Ägyptens. Die Kirchen werden nicht nur als religiöse Orte betrachtet, sondern zugleich als historische Zeugnisse gesellschaftlicher Entwicklungen und interkultureller Begegnungen. Durch die wissenschaftliche Dokumentation sollen wichtige Quellen für zukünftige Forschungen gesichert und neue Perspektiven auf die Geschichte des Christentums und der Franziskaner im Nahen Osten eröffnet werden. Darüber hinaus möchte das Projekt einen Beitrag zum interreligiösen und gesellschaftlichen Dialog leisten, indem es das Bewusstsein für die Rolle katholischer Gemeinden innerhalb der ägyptischen Gesellschaft stärkt.

Methodisches Vorgehen

Methodisch verbindet das Vorhaben historische Forschung, Feldforschung und digitale Dokumentation. Geplant sind umfangreiche Vor-Ort-Untersuchungen in verschiedenen Regionen Ägyptens. Dabei werden historische Kirchen systematisch fotografisch dokumentiert und architektonische Details, Kunstwerke, Fresken sowie liturgische Ausstattungen erfasst. Ergänzend dazu sollen Interviews mit Geistlichen, Gemeindemitgliedern und lokalen Akteuren geführt werden, um auch die lebendige Erinnerungskultur und die soziale Bedeutung der Kirchen für die jeweiligen Gemeinden zu dokumentieren. Gleichzeitig werden lokale und internationale Archive ausgewertet, um historische Quellen und bislang wenig bekannte Informationen zur Geschichte der einzelnen Kirchen zusammenzutragen.

Alexandria
Ansicht der Katharinenkirche in Alexandria mit angeschlossener Schule
Bedeutende Kirchenstandorte

Zu den bereits identifizierten bedeutenden Kirchenstandorten zählen unter anderem die Josephskathedrale in Kairo, die Kirche “Unsere liebe Frau vom Berge Karmel” in Bulaq, die Katharinenkathedrale in Alexandria, die Herz-Jesu-Kirche in Alexandria, das Kloster und die Kirche in Port Said sowie die Kirche der Stigmatisation des Franziskus in Assiut.

Ergebnisse und digitale Aufbereitung

Die Projektergebnisse sollen in unterschiedlichen Formaten veröffentlicht und langfristig zugänglich gemacht werden. Vorgesehen sind wissenschaftliche Studien zur Geschichte katholischer Kirchen in Ägypten, digitale Bild- und Videodokumentationen, virtuelle Präsentationsformate sowie eine Website, über die Forschende und die interessierte Öffentlichkeit auf die Materialien zugreifen können. Ergänzend sind Workshops, Bildungsangebote und öffentliche Veranstaltungen geplant, um das kulturelle Erbe der katholischen Gemeinden Ägyptens stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.

Kooperationspartner

Das Projekt wird gemeinsam vom Centro Culturale Francescano (CCF) in Kairo und der Forschungsstelle Christlicher Orient der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt getragen. Dafür wurde im März 2026 ein entsprecehndes Kooperationsprotokoll unterzeichnet. Die Umsetzung ist langfristig für den Zeitraum bis Januar 2030 angelegt. Besonders hervorzuheben ist dabei der internationale und interdisziplinäre Charakter des Vorhabens, das historische Forschung, Kulturerbedokumentation, digitale Methoden und internationale Kooperation miteinander verbindet.

CCF
CCF
Prof. Dr. Thomas Kremer für die FSCO mit Fr. Milad Shahata OFM für das CCF mit dem ägyptischen Projektteam
FSCO
Perspektiven für das franziskanische Kulturerbe

Langfristig verfolgt das Projekt zudem das Ziel, historische katholische Kirchen Ägyptens stärker in internationale Kulturerbeprozesse einzubinden. Perspektivisch soll die Grundlage dafür geschaffen werden, ausgewählte Kirchen etwa im Rahmen von Vorschlagslisten für das Weltkulturerbe oder durch die Anerkennung immaterieller kultureller Traditionen einzubringen.