Promotionen

Fabian Braun M.A. – Der Urbanisierungsprozess des Landjudentums am Beispiel der zwei fränkischen Städte Schweinfurt und Dinkelsbühl von 1750 bis 1871 (laufendes Projekt)

Die Wiederansiedlung von Juden im 19. Jahrhundert bedeutete gerade für ehemalige Reichsstädte aufgrund der hohen Diskontinuität jüdischer Niederlassungen einen „judenpolitischen Wendepunkt“. Das Dissertationsprojekt untersucht mittels eines typologischen Vergleichs und unter Rückgriff auf landesgeschichtliche Zugriffe diesen Prozess anhand der Fallbeispiele Schweinfurt und Dinkelsbühl. Die neuzeitliche Wiederansiedlung und fortschreitende Urbanisierung des Landjudentums wurde von sozioökonomischen wie auch religiös-kulturellen Transformationsprozessen begleitet. Da bereits in der Frühen Neuzeit intensive Stadt-Umland-Beziehungen mit den Landjudengemeinden existierten, wird ein diachroner Untersuchungszeitraum gewählt. Mittels Heranziehung raumspezifischer Modelle gilt es das Spannungsfeld zwischen Obrigkeiten, alteingesessenen Stadtbewohnern und der eingewanderten jüdischen Bevölkerung von ca. 1750 bis 1871 zu rekonstruieren und zu erklären.

gefördert am Forschungskolleg Franken des Instituts für Fränkische Landesgeschichte aus Mitteln der Oberfrankenstiftung

 

Oliver Sowa M.A. – „Gebet für die Herrschaft“ – Jüdische Gemeinden und Judenpolitik in der Reichsritterschaft am Beispiel des fränkischen Kantons Altmühl (1648-1792) (laufendes Projekt)

In der Frühen Neuzeit bildete Franken eine wichtige Region für das Landjudentum und die Reichsritterschaft. Beide Phänomene wurden verknüpft durch die Existenz jüdischer Siedlungen in den verstreut liegenden Gütern des freien und unmittelbaren Adels. Hier setzt das Dissertationsprojekt an. Es fragt zum einen nach den Akteuren, welche die Judenpolitik innerhalb der Reichsritterschaft bestimmt hatten, und zum anderen, inwieweit sich das jüdische Leben an die herrschaftliche Situation angepasst hat. Als räumlicher Ansatzpunkt dient der Kanton Altmühl, eine zeitgenössische Organisationsstruktur der Reichsritterschaft, die im heutigen bayerischen Regierungsbezirk Mittelfranken liegt.

gefördert durch:  Stipendium des Universität Bayern e.V. im Rahmen des Elitenetzwerks Bayern, Eichstätter Universitätsstiftung

 

Maximilian Grimm M.A. – Die Praxis des Judenschutzes unter dem Deutschen Orden in der Ballei Franken und dem Meistertum Mergentheim (ca. 1650 - 1809) (laufendes Projekt)

Obwohl der Deutsche Orden in seinen Territorien auf eine lange jüdische Siedlungstradition zurückblicken kann, wurde ihm in seiner Rolle als Schutzherr jüdischer Untertanen bislang nur sehr wenig Aufmerksamkeit zuteil. Das Dissertationsprojekt richtet den Fokus auf die aus der Judenschutzpolitik erwachsene Verwaltungspraxis des Deutschen Ordens in der Ballei Franken und dem Meistertum Mergentheim während der Frühen Neuzeit. Neben Verwaltungsabläufen und Entscheidungsfindungen bezüglich jüdischer Untertanen werden dabei auch die Aushandlungsprozesse zwischen den einzelnen Akteuren (Regierung, Kommenden, Amtsleute, Schutzjuden) untersucht. Dafür steht als empirische Grundlage eine umfangreiche Aktenüberlieferung zur Schutzbrieferteilung in den einschlägigen Archiven zur Verfügung.

gefördert durch: Hanns-Seidel-Stiftung

 

Franziska Strobel M.A. – Kontakte und Konflikte zwischen Juden und Christen im Rahmen lokaler Koexistenz in Fürth (1648-1792) (laufendes Projekt)

Der Marktort Fürth ist die zahlenmäßig und religiös-kulturell bedeutendste Siedlungsstätte der Juden in der Region Franken. Gleichzeitig ist Fürth als Kondominat dreier verschiedener Obrigkeiten ein besonderes Beispiel der Vielschichtigkeit obrigkeitlicher Verhältnisse, die als Merkmal der bevorzugten jüdischen Siedlungsorte definiert werden kann. Das Dissertationsprojekt beschäftig sich in diesem Kontext mit der gemischtreligiösen Koexistenz von Juden und Christen im 17. und 18. Jahrhundert im lokalen Rahmen. Durch die Analyse verschiedener Konfliktsituationen in unterschiedlichen Begegnungsräumen soll ein Einblick in die Interaktionen der beiden Religionsgruppen gegeben werden und ein Beitrag für das Verständnis gemischt-religiöser Lebensformen und Lebensbedingungen in der Frühen Neuzeit geleistet werden.

gefördert durch: Maximilian-Bickhoff-Universitätsstiftung

 

Tobias Claudius Stampfer M.A. – Jüdische Eliten des 16. Jahrhunderts in Schwaben? Netzwerke und Handlungsstrategien am Beispiel Simons von Günzburg (laufendes Projekt)

Spätestens mit dem Beginn der Frühen Neuzeit lassen sich bedeutende jüdische Gemeinden im ländlichen Raum Schwabens nachweisen. Während die bisherige Forschung die damit einhergehenden Anpassungen der jüdischen Wirtschaftsweisen an die ländlichen Ökonomien und einen ökonomischen Niedergang des Judentums rekonstruierte und beschrieb, lassen sich aber auch jüdische Händler fassen, die schon im 16. Jahrhundert zu ausgesprochenen Wohlstand gelangten. Zu dieser Gruppe gehörte Simon von Günzburg und sein Familienverband. Das Dissertationsprojekt untersucht, methodisch an die Netzwerkanalyse anknüpfend, die Geschäftstätigkeit dieser 'jüdischen Protoelite' und analysiert deren Kontaktnetze, Handlungsreichweite und Wirtschaftsweise sowie die dabei auftretenden Konfliktfelder mit der nichtjüdischen Umwelt und innerhalb des Judentums.

gefördert durch: Hanns-Seidel-Stiftung

 

Dr. Alexander Denzler – Über den Schriftalltag im 18. Jahrhundert. Die Visitation des Reichskammergerichts von 1767 bis 1776 (abgeschlossen: 2016 in der Reihe "Norm und Struktur" erschienen)

Gleichwohl die Hand- als auch die Druckschriftlichkeit die politische Kultur der Vormoderne nachhaltig prägten, fehlen bislang umfassendere Untersuchungen. Die Studie widmet sich diesem Desiderat, indem sie den Entstehungs- und Verwendungskontext jener Schriftmasse untersucht, die im Rahmen der letzten Überprüfung (Visitation) des ständischen Höchstgerichts im römisch-deutschen Reich (Reichskammergericht) entstanden ist.

(Einreichung Dezember 2012 / Verteidigung Juni 2013)

 

Dr. Teresa Neumeyer – Herrschaft im Konflikt – Landeshoheitsansprüche im Altlandkreis Dinkelsbühl (Zugleich ein Beitrag zum Historischen Atlas von Bayern; abgeschlossen: 2018 als Teil Franken, Reihe I, Heft 40 erschienen)

Das Promotionsprojekt hat sich mit der Entwicklung von Herrschaft und Staatlichkeit im Altlandkreis Dinkelsbühl vom Mittelalter bis zur Gegenwart befasst. In Ergänzung zu der traditionellen Konzeption der Atlanten wird in der Studie mit der Methode der Diskursanalyse und mit einem praxistheoretischen Ansatz nach den zeitgenössischen Vorstellungen von Landeshoheit sowie nach der Herrschaftsausübung in der Praxis gefragt.

gefördert durch: Konrad-Adenauer-Stiftung

(Einreichung Mai 2014 / Verteidigung Dezember 2014)

Habilitationen

Dr. Alexander Denzler - „Erhalt, Nutzung und Wahrnehmung von Straßen im 16. Jahrhundert“ (Habilitationsprojekt, abgeschlossen)

Ob Fernhandel, regionales Wirtschaften oder die alltägliche Fortbewegung in einem ländlichen Nahbereich, Straßen, Wege und Brücken waren essentielle, aber von der Forschung bislang nur rudimentär behandelte Grundlagen des vormodernen Lebens. Die Studie rückt die gebauten und ungebauten Straßen zu Lande schwerpunktmäßig für Süddeutschland unter Beachtung weitere Regionen Europas in den Mittelpunkt einer praxeologischen Analyse. Auf der empirischen Grundlage verschiedenster Schrift- und Bildquellen (u.a. Rechnungen, Ordnungen, Reiseliteratur, Flugblätter, kartographische Darstellungen) werden so die Vorbedingungen und Möglichkeiten der Fortbewegung zu Fuß, mittels Tiere oder auf Kutschen für das 16. Jahrhundert ergründet. Die mehrfache Naturabhängigkeit des vormodernen Straßenwesens einschließlich des – häufig bezäunten – Straßenrandes wird hierdurch ebenso deutlich wie die herrschaftlichen Implikationen der Straßennutzung und des Straßenerhalts. Neben der Jahreszeitlichkeit und Materialität ist es die Körperlichkeit einerseits der Straßennutzer und andererseits der entlohnten oder mittels Fron unentgeltlich tätigen Straßenarbeiter, die zudem die Kleinräumigkeit der stets lokal verankerten Verkehrsinfrastruktur erkennen lassen. Aber auch kooperative Instandsetzungsarbeiten über Herrschafts- und Konfessionsgrenzen hinweg belegen eine bislang übersehene Intensität und Komplexität, mit der Straßen der Natur abgerungen wurden.