Armin Utz stand nach zwölf Jahren bei der Bundeswehr 2021 vor der Entscheidung: Bleiben oder im zivilen Leben neu starten? Mit Mitte dreißig spielen bei dieser Überlegung nicht nur Traumberuf und Selbstverwirklichung eine Rolle. Für Armin, der heute 39 Jahre alt ist, waren es viele pragmatische Gründe, die schließlich zu seiner Entscheidung führten: Ein Studium für Lehramt an Realschulen mit den Fächern Englisch und Geographie an der KU. „Nach so langer Zeit beim Bund finanziert die Bundeswehr eine zweite Ausbildung, den Meister oder ein Studium im Rahmen des Berufsförderungsdienstes, denn vieles, was man von seiner Arbeit beim Bund mitbringt, kann man auf dem Arbeitsmarkt nicht nutzen“, erklärt Armin. Diese Chance will sich Armin nicht entgehen lassen, denn bleibt man beim Bund, verliert man den Weiterbildungsanspruch. Hinzu kommt, dass Armin zu einer Zeit diese Entscheidung treffen muss, als bei der Bundeswehr viele Stellen gestrichen werden. Ein großer Teil des Wehretats aus dem Kalten Krieg war in den Friedensjahren zu Beginn des neuen Jahrtausends in die Wirtschaft geflossen, die Bundeswehr zunehmend marode. Deswegen entscheidet sich Armin für ein Studium. Doch schon nach wenigen Monaten stellt er seine Entscheidung mit dem Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine in Frage: „Nach der langen Zeit beim Bund habe ich mich verpflichtet gefühlt, bei meinen Kameraden zu sein, es war ein doofes Gefühl, als würde ich mich davonstehlen. In der Uni hatte ich das Gefühl, ich bin hier falsch.“ Nach Gesprächen mit seinem früheren Vorgesetzten, der ihn bestärkt erst einmal abzuwarten, bleibt Armin aber an der KU und steht heute kurz vor seinem ersten Staatsexamen.
Während der Prüfungsphasen bleibt trotzdem der Gedanke, er hätte es einfacher haben können. „Dabei habe ich mich beim Bund immer weitergebildet und das Lernen nie verlernt. Aber an der Uni sehe ich einen großen Disconnect zwischen dem Lehreralltag und dem Lernen im Studium. Das ist viel theoretischer als beim Bund. Dort ging es in den Situationen ganz praktisch um die Anwendung des Gelernten. Ich habe mich immer wieder nach der Sinnhaftigkeit des Gelernten gefragt.“ Aber Armin hat sich sehr bewusst für das Lehramtsstudium entschieden und bleibt dran. Schließlich will er Beamter bleiben, denkt an seine Pensionsansprüche und vor allem: „Ich habe beim Bund viel in der Ausbildung junger Soldatinnen und Soldaten gearbeitet – es hat mir viel Spaß gemacht, mit jungen Menschen zu arbeiten.“ Auch die Entscheidung für die Realschule hat praktische Gründe: „Das sind die Jungs, die ich auch vom Bund kenne, zu denen ich eine gute Verbindung habe“ – und außerdem ist das Studium kürzer bei gleichem Verdienst. Armin trifft seine Entscheidungen pragmatisch – vielleicht mit weniger Idealismus als seine jungen Kommilitoninnen und Kommilitonen, aber dafür sehr durchdacht und zielstrebig. Auch die Entscheidung für seine Fächer passt zu Armins planvollem Vorgehen: Geographie und Englisch, denn damit bleibt eine Tür zurück zum Bund offen. „Das Studium bietet mir die Möglichkeit in den Geoinformationsdienst der Bundeswehr zu gehen, auch das Englischstudium ist dafür eine gute Voraussetzung.“
Dass er im Studium meist der Älteste in den Seminaren und Vorlesungen ist, empfindet er nicht als Umstellung, weil er auch vorher viel mit jungen Menschen zusammengearbeitet hat. Den Unterschied sieht er für sich eher positiv: „Ich sehe vieles abgeklärter, mit Anfang 20 dramatisiert man vieles, macht sich größere Sorgen, ich kann dagegen vieles ruhiger angehen.“ Armin ist froh, dass er so spät studiert hat, denn er ist sich sicher, direkt nach dem Abi wäre sein Stresslevel viel höher gewesen. Entsprechend gelassen blickt er auf die nächsten Monate. Derzeit ist der Plan im Herbst ins Referendariat zu starten. Dafür möchte er gerne zurück in den Süden Bayerns ziehen, er stammt ursprünglich aus der Gegend um Rosenheim. Seine Fächerkombination ist gesucht, seine Jobaussichten sind also egal ob bei der Bundeswehr oder in der Schule gut!