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PD Dr. Florian Bruckmann nimmt ein Dilthey-Fellowship der VolkswagenStiftung wahr, das ihm im Rahmen der Förderlinie Pro Geisteswissenschaften gewährt wurde.

Eucharistie - Leibliche Gabe

 

Die Gabe ist seit Marcel Mauss´ berühmten "Essai sur le don" von 1924 zuerst in der Soziologie debattiert worden. Aktuell wird diese soziologische Debatte (P. Bourdieu, A. Caillé, J. T. Godbout M., Godelier, M. Hénaff u.a.) aber auch von der französisch­sprachigen Phänomenologie (J.-L. Marion; vgl. J. Derrida) und in Reaktion darauf von der anglo-ame­rikanische Theologie (R. Horner, K. Hart, A. Schrift, G. Ward u.a.) aufgegriffen. Dabei hat es sich herausgestellt, dass die Theologie überaus anschlussfähig an den Gabe-Diskurs ist und dieser für jene extrem fruchtbar zu sein scheint. Um die Aufnahme des Gabe-Diskurses durch die Theologie besser zu verstehen, soll das beantragte Projekt:

  1. den gegenwärtigen Stand der Debatte sowohl innerhalb der Philosophie / Soziologie als auch innerhalb der Theologie erheben. Eine solche Erhebung erscheint zum gegenwärtigen Standpunkt der Debatte sehr dringlich, weil diese droht, in zu viele Unterdebatten zu zerbrechen, so dass sie ihr Profil verliert und nahezu alles unter dem Thema Gabe andiskutiert werden kann. Aus dem Stand der Debatte soll hervorgehen, welche Stoßrichtungen sie ver­folgt und mit welchen Strategien diese verläuft, so dass herausgestellt werden kann, wo Sackgassen drohen und wo Neuland zu vermuten ist.

  2. In einem zweiten Schritt soll eine thematische Konzentrierung auf die Eucharistie-Theologie erfolgen. Innerhalb dieser Fragestellung soll untersucht werden, ob der Fokus auf den Zusammenhang von Leib und Eucharistie die Gabe-Debatte weiterbringen könnte. Dazu wird ein besonderes Augenmerk auf Simone Weil, Louis-Marie Chauvet und Rolf Kühn geworfen werden, die zu dieser Thematik bereits gearbeitet haben und auch innerhalb der Gabe-Debatte wahrgenommen worden sind. Die Konzentrierung auf den Zusammenhang von Leib und Eucharistie dient dazu, einen eminent wichtigen As­pekt des Gabe-Diskurses und seiner Anschlussfähigkeit speziell für theologi­sches Denken ins Zentrum der Debatte zu rücken, der bisher viel zu wenig bedacht zu sein scheint.

  3. In einem dritten Schritt wird eruiert, warum der Gabe-Diskurs dermaßen fruchtbar ist für die Theologie. Dazu soll eine genealogische Analyse bezüglich der Strukturierung bzw. Architektonik von Theologie durchgeführt werden. Im Hinblick auf die anvisierte Perspektive Eucharistie bietet es sich an, Augustinus und Anselm von Canterbury als Vertreter westlicher Theologie und Maximus Confessor und Johannes von Damaskus als Vertreter östlicher Theologie zu untersuchen. Inwiefern lässt sich deren Theologie von einem Eucharistie-Diskurs her verstehen, der durch die Gabe-Diskussion angeregt und neu perspektiviert worden ist?

  4. Mit der genealogisch-strukturellen Analyse soll eine weitere Frage verbunden werden: In der Auseinandersetzung mit der Gabe-Thematik hat sich im anglo-amerikanischen Raum die sogenannte radikal-orthodoxy-Bewegung herausgebildet, die jegliche philosophische Subjekttheorie seit Kant ablehnt und zu einer unverstellten Lektüre der Kirchenväter zurück will. Warum kommen diese Vorschläge gerade in Bezug auf die Gabe-Diskussion zum Tragen? Wie verändert die Gabe-Diskussion das Verständnis der Kirchenväter und inwiefern können deren Anliegen innerhalb einer solchen Debatte viel­leicht sogar besser verstanden werden?