Die Frage, ob und inwiefern Geschichte einen Maßstab für normative Orientierung in den Krisen der Gegenwart zu bieten vermag, wurde am Freitag, 26. Juni 2026, im Rahmen eines Workshops unter der Leitung von Dr. Dr. Klaus Viertbauer ausgelotet.
Den Hauptteil bildete ein Keynote-Vortrag von Prof. Dr. Walter Schweidler, Professor emeritus für Philosophie an der KU Eichstätt-Ingolstadt, zum Thema „Geschichte als Maßstab? Zur normativen Kraft der Vergangenheit“. Ausgehend von der Beobachtung, dass in politischen, gesellschaftlichen und religiösen Debatten immer wieder auf historische Erfahrungen Bezug genommen wird – sei es zur Rechtfertigung, zur Mahnung oder zur Orientierung –, fragte er, ob aus der Vergangenheit tatsächlich verbindliche Maßstäbe für gegenwärtiges Handeln gewonnen werden können oder ob jede Berufung auf Geschichte notwendig perspektivisch und damit umstritten bleibt.
An den Vortrag schloss sich eine lebhafte Podiumsdiskussion mit Prof. Dr. Ingeborg Gabriel (Wien), Prof. Dr. Johannes Hoff (Innsbruck) und Prof. Dr. Markus Riedenauer (Eichstätt) an.
Dabei wurden die philosophischen und theologischen Perspektiven des Vortrags aufgegriffen und insbesondere die Bedeutung historischer Erfahrungen für ethische Urteilsbildung, politische Verantwortung und das Selbstverständnis moderner Gesellschaften weiter vertieft. Die Leitfrage wurde dabei anhand der Themen Krieg und Frieden, Fundamentalismus und Säkularisierung sowie Digitalisierung exemplarisch diskutiert. Es zeigte sich, dass gerade die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit einen Raum eröffnet, in dem sich die Voraussetzungen gegenwärtiger Überzeugungen und Handlungsoptionen kritisch überprüfen lassen, ohne Geschichte selbst zu einer unfehlbaren Autorität zu erheben.
Trotz Rekordtemperaturen von nahezu 40 Grad folgten rund fünfzig Interessierte der Einladung und nahmen an der Veranstaltung teil. Die Veranstaltung wurde vom ZRKG in Kooperation mit dem Forum St. Stephan sowie dem Katholischen Akademikerverband der Erzdiözese Wien ausgerichtet.
Einen weiteren, ausführlicheren Bericht zum Workshop finden Sie hier.
Die Fotodokumentation stammt von Leo Licht.