Prof. Dr. Bernward Schmidt
Der Augsburger Reichstag von 1530 darf als eines der zentralen Ereignisse der Reformationsgeschichte gelten. Die politische Gemengelage war komplex, da im Reich die Religionsparteien einander gegenüberstanden und zugleich die Osmanen eine konkrete Bedrohung von außen darstellten. Um die Wurzel des religiös, politisch und gesellschaftlich Trennenden zu bearbeiten, legten die Reformatoren je eigene Bekenntnistexte vor, wobei sich die Diskussionen und die Ausschussarbeiten des Reichstags in der Folge auf die Wittenberger Confessio Augustana und die von Johannes Eck verfasste Entgegnung darauf konzentrierten. Die daraus folgenden Religionsgespräche (auf dem Reichstag und danach) konnten und können zum Ausgangspunkt ökumenisch-theologischer Gespräche in der Gegenwart werden.
Der Reichstag mit seinen verschiedenen Parteien, ihren Interessen und Theologien wird im Rahmen einer internationalen Tagung im Juni 2027 behandelt, aus der ein interdisziplinäres Handbuch entstehen wird. Parallel soll eine Darstellung für ein breiteres interessiertes Publikum verfasst werden.
Mein besonderes Interesse gilt dabei den Gegnern der Reformatoren: vorrangig Johannes Eck, aber auch Johannes Cochlaeus und Kilian Leib. Der katholischen Verhandlungspartei gelang unter Ecks Führung in den Ausschussverhandlungen eine teilweise bemerkenswerte Annäherung an die Wittenberger Partei unter Philipp Melanchthon. Aufgrund des engen Zeitplans Kaiser Karls V. konnte dieser Dialog letztlich keine Früchte tragen. Von theologie- und kirchenhistorischem Interesse ist aber, wie Ecks Dialogpraxis vor dem Hintergrund seiner vor 1530 publizierten Schriften einzuordnen und zu bewerten ist. Dabei müssen intertextuelle Bezüge zu Publikationen Luthers und Melanchthons ebenso bedacht werden wie Ecks soziale Beziehungen, wie sie sich in seinem Briefcorpus finden.