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Neue Kulturgeographie "Mehr als menschliche Geographien"

In den Sozial- und Geisteswissenschaften haben sich in den letzten Jahren neue Forschungsansätze entwickelt, welche die über Jahrhunderte dominanten Dualismen zwischen Sinn und Materie, Mensch und Natur sowie Subjekt und Objekt in Frage stellen und radikal überdenken. Die deutschsprachige Geographie hat zwar diese Entwicklungen zumindest teilweise mitvollzogen, alleine schon die meist einfach aus dem Englischen übernommen und im Deutschen fehlenden Begriffe zeigen jedoch, dass es sich im Kern immer noch um eine angelsächsische (und z.T. sicherlich auch französischsprachige) Entwicklung handelt. Viele der dort aktuell debattierten wissenschaftlichen und gesellschaftspolitischen Fragen ergeben sich erst durch die ontologische Neukonzeptualisierung von Welt: Wie konstituiert sich agency zwischen menschlichen (humans) und nicht-menschlichen (non-humans) Akteuren? Welche ethischen und politischen Implikationen ergeben sich durch post-dualistische, more-than human (bzw. wie von manchen Autor_innen präferiert post-human) Ansätze? Wie lässt sich Gesellschaft in einer Welt fassen, die als Koproduktion von menschlichen und nicht-menschlichen Subjekten gedacht wird? Wie müssen Machtverhältnisse oder die Erzeugung von Wissen vor diesem Hintergrund neu gedacht werden und wie lassen sich Mehr als menschliche Geographien methodisch fassen? Diese und viele weitere Fragen werden in verschiedenen Forschungsfeldern, mittels unterschiedlicher Forschungsansätze und mit Rückgriff auf ein breites Spektrum meta- und erkenntnistheoretischer sowie methodologischer Überlegungen bearbeitet. In der Diskussion befinden sich dabei so verschiedene Ansätze wie Phänomenologie, Pragmatismus, Science and Technology-Studies, Actor-Network-Theory; Non-Representational Theory, Assemblage-Theorie, Human-Animal Studies, Politische Ökologie sowie verschiedene praxisorientierte performative und viszerale Ansätze.

Wir freuten uns sehr über Beiträge, die sich mit diesen Ansätzen und Fragen post-dualistischer, Mehr als menschlicher Geographien auseinandersetzten. Besonders willkommen waren aber auch Arbeiten, die sich mit Parallelen und Anknüpfungspunkten dieser Ansätze zu kritisch-materialistischen, feministischen oder poststrukturalistischen Ansätzen beschäftigten und von diesen aus einen Beitrag zur Überwindung dualistischen Denkens geleistet haben. Wie bei der Neuen Kulturgeographie üblich, wollten wir die Veranstaltung über dieses Rahmenthema hinaus jedoch offenhalten, daher waren uns weitere theoretische und empirische Beiträge aus dem Themenspektrum der Neuen Kulturgeographie sehr willkommen.