Fachgebiet: Romanische Literaturwissenschaft
Erstbetreuerin: Prof. Dr. Barbara Kuhn (Lehrstuhl für Romanische Literaturwissenschaft I)
Zweitbetreuerin: Prof. Dr. Isabelle Stauffer (Professur für Neuere deutsche Literaturwissenschaft)
Abstract:
Das laufende Promotionsprojekt setzt sich mit der Frage nach der intellektuellen Selbstinszenierung von adeligen Frauen in ihren Briefen aus dem 17. und 18. Jahrhundert auseinander. Untersucht wird ein Zeitraum, in dem der Zugang von Mädchen und jungen Frauen zu Bildung und Literatur deutlich beschränkt war, weibliches Wissen als Verstoß gegen gesellschaftliche Konventionen galt und die Figur der gebildeten Frau (femme savante) dem Spott zeitgenössischer Komödien und Satiren unterlag. Umso interessanter erscheint es daher, welche Strategien und Rhetorik Autorinnen der damaligen Zeit entwickelten, um ihre Gelehrsamkeit in Briefen zur Schau zu stellen oder sie im umgekehrten Fall bewusst im Verborgenen zu halten, um in den Augen ihrer Briefpartnerinnen und -partner nicht pedantisch zu wirken. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Rolle des Schreibens sowie den textsortenspezifischen Besonderheiten des Mediums ‚Brief‘ als von Frauen bevorzugte Gattung und Instrument der Selbstinszenierung.
Als Grundlage für die Erforschung des Themas dienen die Korrespondenzen zweier adeliger Frauen: Madeleine de Scudéry (1607–1701) und Maria Aurora von Königsmarck (1662–1728). Neben ihrem ähnlichen Wirkungszeitraum, ihrer adeligen Abstammung und ihrer Lebensweise als unverheiratete Frauen bieten sie sich schon insofern für eine vergleichende Untersuchung an, als Aurora Madeleines Schriften rezipierte, die Ideale und Sitten der Pariser Salonkultur im deutschsprachigen Raum vermittelte, und folglich für die Abfassung ihrer Briefe auf eine weibliche Vorbildfigur zurückgreifen konnte.
Zur Beantwortung der Frage nach der intellektuellen Selbstinszenierung in Briefen wird über die Analyse gängiger Höflichkeitskonventionen und Bescheidenheitstopoi hinaus untersucht, welche weiteren Motive, Topoi und intertextuelle Anspielungen die Briefschreiberinnen nutzen, um in einem bestimmten Licht zu erscheinen oder sich von externen Charakterzuschreibungen zu distanzieren. Ferner wird analysiert, inwieweit die Selbstdarstellung in den Briefen der Fremdwahrnehmung in anderen Werken derselben Zeit entspricht bzw. sich davon unterscheidet. Berücksichtigt werden dabei sowohl das jeweilige Geschlecht der adressierten Personen als auch die soziokulturellen und historischen Rahmenbedingungen der Epoche.
Weitere Informationen finden Sie auf der Webseite der Professur und in einem Artikel zum Editionsprojekt.