Nicole Maden

Nicole Maden
Nicole Maden, 32, studiert Grundschullehramt

Nicole Maden treffen wir am Rande des U11-Fußballtraings in Ellingen. Sie steckt gerade mitten in der Klausurenphase, da ist jede freie Minute fürs Lernen verplant. Trotzdem sind die Hobbys ihrer beiden Töchter (8 und 10) Pflichttermine. Die Lernunterlagen hat sie zwar dabei, aber sie nimmt sich Zeit für unsere Fragen. Nicole ist 32 Jahre alt und studiert im ersten Semester Lehramt für Grundschule an der KU. 

Nicole hatte in Augsburg bis zur zwölften Klasse das Gymnasium besucht. Als es mit dem Abitur im ersten Anlauf aber nicht klappte, schmiss sie die Schule erst einmal hin und wollte stattdessen eine Ausbildung machen. Doch auch das funktionierte nicht ganz, wie Nicole es sich wünschte. Den Ausbildungsplatz als Automobilkauffrau, den sie sich gewünscht hätte, bekam sie nicht, der Notnagel war eine Ausbildung als Rechtsanwaltsfachangestellte. Doch noch vor Ende der Ausbildung zog Nicole zu ihrem Mann nach Weißenburg, wurde schwanger und stellte ihre beruflichen Ziele erst einmal hintenan. 

Erst als beide Mädchen mit drei Jahren in den Kindergarten kamen, begann sie, ihre berufliche Zukunft neu zu sortieren. „Ich habe mich gefragt: Was will ich machen? Eine neue Ausbildung beginnen oder irgendeinen Job anfangen, der ohne Ausbildung schlecht bezahlt ist?“ Wieder normal zur Schule zu gehen, konnte sich Nicole nicht vorstellen. Nach den vielen schulischen Rückschlägen war ihre Angst vor Prüfungen immer größer geworden. Der Besuch einer Schulklasse in Präsenz und damit der Erwerb der Allgemeinen Hochschulreife ist keine Option. Doch schließlich entdeckte sie die Möglichkeit, an der VIBOS ihr Fachabitur nachzuholen. Für den Besuch der virtuellen Berufsoberschule musste Nicole nur einmal im Monat nach Erlangen fahren, der Rest des Unterrichts fand online statt. So konnte sie die Betreuung ihrer beiden kleinen Töchter und das Lernen unter einen Hut bringen. Nebenbei begann sie mit einem Mini-Job etwas zum Familieneinkommen dazuzuverdienen. Nach dem Abitur stand erst einmal die Einschulung der beiden Töchter im Vordergrund, bevor sich Nicole Gedanken machen konnte, was sie nun mit ihrem Fachabi studieren könnte. „Ich war beim Tag der offenen Tür an der KU und wollte mich erkundigen, welche Studiengänge für mich in Frage kommen. Ich dachte, ich habe nur drei Optionen und wahrscheinlich wäre meine Wahl dann auf „Soziale Arbeit“ gefallen“. Aber im persönlichen Gespräch mit dem Fachstudienberater Mathias Schmitt stand plötzlich eine ganz neue Option im Raum. Denn nach zwei Semestern und 60 ECTS-Punkten im Fachhochschulstudiengang Soziale Arbeit ist ein Wechsel zum Lehramtsstudium Grundschule möglich. Für Nicole die perfekte Lösung: „Ich hätte mir vorstellen können, dass ich mit dem Studiengang „Soziale Arbeit“ etwas für mich Sinnvolles anfangen kann, aber mein Herz lag einfach woanders. Die Option Grundschullehramt studieren zu können, war meine Chance, meinen Traumberuf doch noch ergreifen zu können.“ Der Einstieg ins Lehramtstudium über den Umweg, zwei Semester Soziale Arbeit zu studieren, ist für sie daher die perfekte Möglichkeit, direkt mit dem Fachabitur ins Studium zu starten und dennoch Lehrerin werden zu können.

Für Nicole ist ihre Studien- und Berufswahl aber auch sehr pragmatisch. „Ich muss Familie, Studium und Beruf vereinbaren können und natürlich sind auch die guten Berufsaussichten für Lehrer ein wichtiges Argument für meine Wahl.“ Nicoles Mann Tahsin hat sich erst vor Kurzem selbstständig gemacht und arbeitet viel. Sie muss ihr Studium, die Kinderbetreuung und ihren Mini-Job also meist allein organisieren. Ihre Seminare versucht sie sich entsprechend zu legen. Trotzdem ist sie – vor allem in den Ferien – oft auch auf Hilfe von Freundinnen angewiesen und ist dankbar für diese Unterstützung. Aktuell sind Montage und Dienstage ihre langen Uni-Tage. Montags sind ihre Töchter bis 15 Uhr im Hort der Grundschule, dienstags holt sie eine befreundete Mutter ab und bringt sie zu ihren Hobbys. „Wir nutzen auch zwischendurch die Ferienbetreuung der KU, aber bei zwei Kindern summieren sich hier die Kosten trotz der niedrigen Gebühren und ich versuche, private Hilfe zu organisieren“, erklärt Nicole.  

In Bezug auf ihre Klausuren ist sie froh, dass sie als studierende Mutter den zweiten Prüfungszeitraum in Anspruch nehmen kann. Auch wenn sie hier mit einigen Vorbehalten der Dozierenden kämpfen musste. „Es wirkt teilweise so, als würden die Lehrer es nicht mögen, wenn man diese Möglichkeit nutzt. Eine Dozentin hat mir sogar explizit abgeraten, den zweiten Prüfungszeitraum in Anspruch zu nehmen.“ Erst beim direkten Gespräch mit der Dozentin konnte Nicole aufklären, dass sie nicht einfach Prüfungen vor sich herschiebt, sondern die Aufteilung ihr wirklich dabei hilft, Familie und Studium unter einen Hut zu bekommen. Aber Nicole entdeckt nach und nach die Möglichkeiten der familienfreundlichen KU für sich und merkt – auch wenn sie erst einmal einige Hürden überwinden musste – dass sie ihrem Ziel Grundschullehrerin zu werden, Stück für Stück näherkommt. 

In ihrem Studiengang ist ein später Einstieg nicht ungewöhnlich. Nicole hat schon einige Quereinsteigerinnen auch jenseits der 50 kennengelernt, die längst in der Schule arbeiten und sich nun noch besser qualifizieren wollen. Trotzdem merkt sie gerade in ihrem dritten Fach Sport, dass sie zehn Jahre älter als die meisten ihrer Kommilitoninnen und Kommilitonen ist. „Ich dachte, dass ich mit dieser Fächerwahl zwei Fliegen mit einer Klappe schlage und ganz automatisch wieder mehr Sport mache, aber ganz so einfach ist es leider nicht“, lacht sie. Stattdessen muss sie zusätzlich auch privat Sport treiben, um im Studium mithalten zu können. Trotzdem ist Nicole froh über ihre Entscheidung: „Ich würde es auf jeden Fall genauso wieder machen“, schließt sie unser Gespräch ab, kurz bevor ihre ältere Tochter aus der Turnhalle stürmt und fragt: „Mama, können wir zu Hause noch ein Spiel spielen?“ Nicole ist einverstanden: „Aber erst muss ich noch ein bisschen lernen!“